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31.05.2026 | (rsn) – Mads Würtz Schnidt (Specialized Off-Road Team) hat zum wiederholen Male in dieser Saison seine Vormachtstellung in der professionellen Gravel-Szene untermauern können. Der Däne gewann in überlegener Manier in seiner noch jungen Karriere auf dem Schotter erstmals den Unbound Gravel, bei dem er im Vorjahr mit Rang vier noch knapp am Podest vorbeigeschrammt war. Nach einer Solofahrt über mehr als ein Drittel der Renndistanz von 330 Kilometern fuhr Würtz Schmidt nach 9:00:04 in Emporia (Kansas) ein und konnte mit diesem Erfolg seinen Sieg bei Traka 360 bestätigen.
Deutlich hinter dem Sieger erreichte Matt Beers (+ 5:03), ebenfalls vom Specialized Off-Road Team das Ziel. Als “Überlebender“ einer zwischenzeitlichen Verfolgergruppe konnte Beers letztlich auch noch Tobias Kongstad (PAS Racing/+ 9:52) abschütteln, der das Podium komplettierte.
Dass kein ausgewiesener Gravel-Spezialist, sondern ein junger WorldTour-Profi das beste deutsche Ergebnis einfuhr, muss als die Überraschung der Männerkonkurrenz gewertet werden. Der 21-jährige Emil Herzog (+24:52) vom Team Red Bull – Bora – hansgrohe belegte bei seinem ersten Gravelrennen auf internationaler Bühne ad hoc einen sensationellen achten Platz.
Im Zielraum wusste Würtz Schmidt, bei wem er sich zu bedanken hatte. “Ohne "Champion“ Keegan (Swenson) hätte ich heute nicht gewonnen", meinte er Arm in Arm mit Beers liegend im Interview. Dabei spielte er auf eine Situation an, in der Swenson ihm bei einem Defekt uneigennützig eines seiner Laufräder gab und dadurch weit zurückfiel. Die Beiden waren zu diesem Zeitpunkt zu zweit allein an der Spitze unterwegs, der Däne aber leistete deutlich mehr Führungsarbeit.
“Keegan sagte: Du brauchst mein Rad! Und es war zu dem Zeitpunkt auch klar, dass ich heute der Stärkere von uns beiden war. Das hat mir noch mal einen zusätzlichen Kick und Adrenalin gegeben auch für ihn gewinnen zu müssen und ich hatte in der Stunde danach das Gefühl, dass ich fliege. Die letzte Passage mit dem Gegenwind hat mich bestimmt acht Jahre meines Lebens gekostet. Aber ich saß heute auf dem neuen Crux, das wahrlich geflogen ist“, schloss Würtz Schmidt, offensichtlich auch zufrieden mit seinem Material, diesen ereignisreichen Arbeitstag ab.
Das Frauenrennen gestaltete sich weitaus offener als das der Männer und wurde über lange Strecken von einer fünfköpfigen Spitzengruppe bestimmt. Neben den beiden Specialized-Profis Sofia Gomez Villafane und Geerike Schreurs, Cecily Decker (PAS Racing) und der Deutschen Rosa Klöser (Canyon – SRAM – zondacrypto) gehörte etwas überraschend auch die US-Amerikanerin Paige Onweller zu diesem Quintett. Und Onweller war es auch, die in dieser Gruppe immer wieder mit Steherqualitäten imponierte. Unzählige Male bereits abgehängt, robbte sich die 36-Jährige wild entschlossen in die Führungsgruppe zurück.
Eine Konstellation, an der sich auch bis zu den letzten Kurven vor der finalen Zielgeraden nichts ändern sollte. Als Schreurs am letzten Anstieg attackierte, schienen die Specialized-Frauen ihre zahlenmäßige Überlegenheit ausspielen zu wollen. Zunächst erfolglos, denn Klöser setzte nach und führte die Gruppe durch die letzte Linkskurve. Auf den letzten 400 Metern hatte dann dem harten Antritt der Gomez Villafane keine der Konkurrentinnen etwas entgegenzusetzen, so dass die Argentinierin mit einigen Radlängen Vorsprung in einer Zeit von 10:31:48 ihren zweiten Sieg beim Unbound einfahren konnte.
Auf den Plätzen folgten Schreurs und Decker. Für Klöser, die im Sprint offensichtlich Schaltprobleme hatte und daher mit viel zu hoher Trittfrequenz gegen Gomez Villafane chancenlos war, blieb nach einem couragierten Rennen der undankbare fünfte Platz. Romy Kasper (PAS Racing / + 17:51) kam als Siebte in Emporia an, Mieke Kröger (Rose Racing Circle / + 21:26) wurde auf dem 13. Platz gewertet. Clara Koppenburg (Tudor Pro Cycling) und Carolin Schiff (Canyon x DT Swiss All-Terrain Racing) kamen mit knapp 40 Minuten Rückstand als 18. und 19. an, eine halbe Minute dahinter komplettierte Jade Treffeisen (Canyon x DT Swiss All-Terrain Racing) die Top 20.
“Es war ein Tag mit vielen Stürzen und “mechanicals“ und Gee (Schreurs) hatte sicherlich von uns allen heute das Rennen mit den wenigsten Problemen“, resümierte Gomez Villafane, noch vom Schlamm gezeichnet, im Zielinterview das Rennen.
“Es war ein großartiger Tag für uns. Gee und ich auf eins und zwei und den Jungs ist das ja auch gelungen. Wir hatten mit dem neuen Crux ein unglaublich schnelles Rad und das Team hat im Vorfeld alles unternommen, um bestmöglich vorbereitet hier anzutreten. So trugen wir beispielsweise spezielle Rennanzüge für die Hitze“, verriet sie. “Ich glaube, ich war in unserer Gruppe diejenige mit der niedrigsten FTP (Functional Threshold Power) und unser Plan war, den Sprint für mich gegen Ende vorzubereiten. Was ja auch funktioniert hat.“
Die Überlegenheit des Specialized Off-Road Team hat sich an diesem Wochenende auch finanziell ausgezahlt. Von dem, vom Veranstalter nochmals auf 60.000 Dollar aufgestockten Preisgeld, nahmen die Rot-Schwarzen 38.000 Dollar mit auf die Heimreise.