Favoriten und Strecke

Vorschau auf die Gravel-Europameisterschaften in Houffalize

Von Jens Claussen

Foto zu dem Text "Vorschau auf die Gravel-Europameisterschaften in Houffalize"
Die Italienerin Erica Magnaldi geht bei der Gravel-EM als Titelverteidigerin an den Start. | Foto: Cor Vos

27.08.2026  |  (rsn) - Nach zwei Austragungen auf italienischem Boden kehren die Gravel-Europameisterschaften nach Belgien zurück. Dort wurden 2023 in Oud-Herverlee erstmals kontinentaleTitelkämpfe auf dem Schotter ausgetragen.  Gastgeber wird nun am 30. August Houffalize in der Provinz Luxemberg sein, das schon etliche Male Austragungsort des Houffa Gravel war.

Mit Jasper Stuyven (Belgien) und Lorena Wiebes (Niederlande) konnten sich bei der EM-Premiere zwei Straßenprofis in die Siegerlisten eintragen. Nichts Ungewöhnliches im Gravel, haben doch die aktuellen Titelverteidiger ebenfalls einen "Straßen-Hintergrund". 

Während die Italienerin Erica Magnaldi weiterhin in den Farben von UAE - L'imad in der WorldTour unterwegs ist, hat der Däne Mads Würtz Schmidt seine Straßenkarriere Ende 2024 beendet. Beide haben sich über Rennen der UCI Gravel World Series erneut qualifizieren können, wobei Würtz Schmidt, sollte er starten, mit aktuell sechs Saisonsiegen der Top-Favorit des Männerrennens wäre.

Aber auch ohne den “Gravel-Dominator” am Start hätte Dänemark in Gestalt von Jonas Lindberg einen Gold-Kandidaten dabei. Zudem müssen der Belgische Meister Daan Soete und sein Landsmann Niels Vandeputte sowie der Traka 200 Sieger Lukas Pöstlberger (Österreich) und der Vorjahresdritte Hugo Drechou (Frankreich) zum engsten Favoritenkreis gezählt werden. Auch der Deutsche Paul Voß, zuletzt bei der Deutschland Tour im Nationaltrikot im Einsatz, kann sich nach einem dritten Platz 2023 berechtigte Hoffnungen aufs Podium machen.

Die Liste der Frauen, die am Ende ganz oben ausschwingen können, ist nicht minder stark besetzt. Nach ihrem Erfolg bei The Gravel Worlds vor Wochenfrist reist die Niederländerin Geerike Schreurs mit gehörig Rückenwind an und gehört, vorausgesetzt sie hat ihren Jetlag überwunden, gemeinsam mit der Deutschen Nele Laing und der Britin Sophie Wright zu den heißesten Kandidatinnen auf den Titel. 

Knapp dahinter folgen Titelverteidigerin Magnaldi, die Niederländerinnen Wendy Oosterwoud, Larissa Hartog und Femke Markus, Elena Hartmann aus der Schweiz, sowie in Top-Form die Deutschen Romy Kasper und Carolin Schiff. Ob die Vorjahresdritte Rosa Klöser an der Startlinie stehen wird, konnte auf Nachfrage von RSN ihr Team Canyon -SRAM nicht sicher beantworten. 

Wie dagegen die Presseabteilung von SD Worx - Protime mitteilte, wird Weltmeisterin Lorena Wiebes definitiv nicht dabei sein. Die deutschen Farben werden noch von Jade Treffeisen und Judith Krahl vertreten. Dagegen werden die Deutschen Gravelmeister Emil Herzog und Ronja Eibl nicht dabei sein.

Die Strecke der Gravel-Europameisterschaften 2026:

Viele Athleten und Athletinnen kennen die Wege rund um Houffalize bereits vom Houffa-Gravel, der regelmäßig seit 2021 in den belgischen Ardennen ausgetragen wurde. Auf einem eigens für die Europameisterschaften erneuerten Rundkurs von 46 Kilometern müssen die Elite-Klassen je 138 Kilometer mit gesamt 2.190 Höhenmetern zurücklegen.

Im Gegensatz zu anderen UCI-Gravelveranstaltungen weist die Runde lediglich einen Schotteranteil von 70 Prozent auf und führt gleich nach dem Startschuss in den Scharfrichter des Rennens. Die bis zu 15 Prozent steile und 910 Meter lange Cote de Saint-Roch, bekannt auch vom Frühjahrsklassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich, wird die Felder früh auseinanderreißen und womöglich schon für Vorentscheidungen sorgen.

Die Runde der UEC Gravel Europameisterschaften mit einer Länge von 46 Kilometern und 730 Höhenmetern | Foto: Veranstalter

Eine, die diesen legendären Start noch aus Jahr 2024 gut in Erinnerung hat, ist Romy Kasper, die damals ihr allererstes Gravelrennen überhaupt fuhr – und prompt gewann. “Die Runde ist kürzer als bei meinem Sieg damals“, erinnerte sie sich, als RSN sie um eine Einschätzung des EM-Kurses bat. “Nicht mehr so steinig und rough, aber auch mit der Streckenveränderung bleibt es den ganzen Tag dieses typisch belgische Rauf und Runter. Und ich kann mich schon erinnern, dass ich damals an manchen Stellen dachte: 'Hier hätte ich lieber ein Mountainbike und weiß gar nicht so recht, was ich mit meinen Gravelbike hier soll'“, fügte Kasper lachend an.

Im Vergleich zum Vorjahr, als die 38-Jährige einen starken sechsten Platz belegte, würde der aktuelle Kurs andere Fahrerinnen bevorteilen, so Kasper, der vor einigen Wochen mit dem Gewinn des Steher-Europameistertitels als erste Frau Historisches gelang. “In Italien ging es einmal richtig hoch und danach immer wieder mal – also eher was für Kletterer – wohingegen dieser Kurs eher ein Klassikerkurs ist.“

Die UEC Gravel Europameisterschaften können am 30. August live von 15:00-19:00 Uhr bei Eurosport / HBO Max verfolgt werden.

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