RSNplusLidschlag entscheidet über WM-Bronze

Grossmann: “Sieben Hundertstel können überall liegen“

Von Peter Maurer aus Montréal

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Anja Grossmann | Foto: Cor Vos

23.09.2026  |  (rsn) – In der Welt des Radsports geht es um Minuten und Sekunden. Im Kampf gegen die Uhr allerdings kann es manchmal noch knapper sein. So lagen nach dem Zeitfahren der Juniorinnen bei den Straßen-Weltmeisterschaften in Montréal die Britin Aalia Clay und die Schweizerin Anja Grossmann gerade einmal sieben Hundertstel auseinander. Ein Lidschlag machte also den Unterschied aus zwischen Bronze und dem wohl undankbarsten Platz im Sport.

“Ich habe immer Skifahren geschaut und war immer froh, dass ich eine Sportart mache, bei der man im Ziel sofort weiß, wer gewonnen hat“, erzählte Grossmann gegenüber RSN nach dem Rennen. Auf den weißen Pisten entscheiden oft nur wenige Hundertstel über die Podiumsplätze. Für die Schweizerin war das Warten eine neue Erfahrung, denn erstmals war sie international im Zeitfahr-Einsatz. Ihr Debüt gab sie bei den Schweizer Meisterschaften und das Supertalent gewann natürlich auf Anhieb in dieser Disziplin den Titel. ___STEADY_PAYWALL___

In Montréal nahm Grossmann auch erstmals in ihrer Karriere auf dem Hot Seat Platz. Nach ihr gingen noch 37 Fahrerinnen an den Start. Von denen waren die Belgierin Yana Decruyenaere und die Britin Clay schneller, zwischenzeitlich belegte Grossmann also den dritten Platz. Als dann noch die spät gestartete Polin Maria Okrucinska für eine neue Bestzeit sorgte, war der Medaillentraum geplatzt.

Die Britin Aalia Clay gewann um die Winzigkeit von sieben Hundertstel bei der WM Zeitfahr-Bronze. | Foto: Cor Vos

"Ich liebe das Zeitfahren, aber heute war das Warten einfach zu lange. Ich wusste, es wird hart und genau so war es auch. Es ist eine Enttäuschung", schilderte Grossmann ihre Gefühle, als sie Konkurrentin um Konkurrentin durch das Ziel fahren sah. Sieben Hundertstel sind nach einer Fahrzeit von rund 15 Minuten marginal und schmerzen sie umso mehr, da sich auf den 10,7 Kilometern wohl viele Kleinigkeiten finden lassen, die den Unterschied zur Medaille ausgemacht haben könnten.

“Ich hätte vielleicht eine Kurve besser fahren können, oder das Bike auf der Ziellinie mehr vorschieben. Sieben Hundertstel können überall liegen. Aber ich kann mir grundsätzlich nichts vorwerfen“, erklärte Grossmann, die in den letzten Jahren zahlreiche Medaillen und Titel gewonnen hat.

Auf dem Mountainbike wurde sie 2025 Vizeweltmeisterin und Europameisterin, vor wenigen Wochen legte sie in Val Di Sole mit der Goldmedaille nach. Auch im Cyclocross wurde sie 2024 Europameisterin. Auf der Straße holte Grossmann in Kigali vor einem Jahr die Bronzemedaille im Straßenrennen und wurde wenig später Zweite im Straßenrennen der Europameisterschaften.

Vor Jahresfrist reichte es für Grossmann zu Bronze – und zwar im Straßenrennen der Juniorinnen bei der WM in Kigali. | Foto: Cor Vos

Disziplinübergreifend ist sie eine der herausragenden Radsportlerinnen ihrer Generation und wird im nächsten Jahr auf der Straße für FDJ United - Suez an den Start gehen. Aber ihre anderen beiden Leidenschaften, Cyclocross und vor allem der Mountainbike-Sport, sollen dadurch nicht in den Hintergrund treten. 

“Jetzt habe ich einen Profivertrag mit FDJ und bin sehr dankbar, denn sie verstehen, dass ich alle drei Disziplinen mache. Schon jetzt unterstützen sie mich da top und geben mir den Raum, mich zu entwickeln. Das ist wirklich auch ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist“, sagte sie zu RSN.

Grossmann kündigt für das Straßenrennen Revanche an

Einen Weltmeistertitel hat sie im Mountainbike ja schon in der Tasche und im Straßenrennen der Juniorinnen gehört sie zu den ganz großen Favoritinnen, was sie auch weiß: “Ich glaube, das Rennen am Freitag liegt mir vielleicht auch ein bisschen mehr. Man kann nicht alles gewinnen, auch die größten Champions tun das nicht. Aber das Beste ist, daraus zu lernen und nach vorne zu schauen. Denn es sind nur noch zwei Tage – und ich werde am Freitag zurückschlagen!", kündigte Grossmann selbstbewusst an.

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