Weitere Picnic-Fahrer reagieren auf Vorwürfe

Van den Broek: “Schwer zu sagen, wo genau die Wahrheit liegt“

Von Matthias Seng

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Frank van den Broeck (li.) und Milan De Ceuster (beide Picnic - PostNL) bei der Eneco Tour | Foto: Cor Vos

17.10.2026  |  (rsn) – In den Berichten über eine angebliche “Angstkultur“ bei Picnic – PostNL haben sich nun auch Fahrer zu Wort gemeldet, die über andere Erfahrungen beim Rennstall von General Manager Iwan Spekenbrink und dem besonders in der Kritik stehenden Sportchef Rudi Kemna berichten.

Gegenüber dem Portal Wielerflits äußerten sich am Rande der Eneco Tour (2.1) mehrere Picnic-Profis. “Ich habe mich im Team nie unsicher gefühlt und es war immer sehr angenehm“, sagte etwa Tim Naberman. Development-Fahrer Milan De Ceuster, der ab 2027 zum WorldTour-Team gehören wird, wurde mit den Worten zitiert: “Ich kann mit Marloes Poelman und Rudi, den Teamleitern hier bei der Eneco Tour, ein offenes Gespräch führen. Bei anderen Teams hingegen ist der Chef der Chef, und man macht, was er sagt …“

Frank van den Broek dagegen erklärte, dass ihn zumindest Teile der vom niederländischen TV-Sender NOS und dem Radsport-Podcast In de Waaier nicht überrascht hätten. “Ich verstehe, woher viele dieser Geschichten kommen. Es ist keine Lüge“, sagte der Niederländer und fügte an: “Besonders die Protokolle, die sind ja schon seit Jahren bekannt. Aber ich war bei vielen Dingen nicht dabei, daher hört man die Geschichte von zwei Seiten, und es fällt mir schwer zu beurteilen, wo genau die Wahrheit liegt.“

Van den Broek sprach von einer großen Umstellung beim Wechsel zu dem für seine strengen Protokolle und genau regulierten Abläufe bekannten Rennstall im Jahr 2023. Das sei ihm aber bewusst gewesen. “In meinem vorherigen Team, dem Parkhotel Valkenburg, musste ich auch die Unternehmenskultur akzeptieren und habe versucht, mich selbst einzubringen. Hier ging es hauptsächlich darum, die vorgegebenen Strukturen zu befolgen. Daran musste ich mich vor allem anpassen. Aber das war mir bewusst“, fügte der Gewinner der Türkei-Rundfahrt von 2024 an.

Im Mittelpunkt der Enthüllungen stehen der ehemalige Profi Martijn Tusveld – von 2018 bis 2024 im Team – sowie der frühere Coach Adriaan Helmantel, die über eine “Angstkultur im Team“, berichtet hatten. Tusveld etwa soll beim Giro d’Italia 2020 Zweifel an der Taktik des Teams und geäußert haben und deshalb in einen Konflikt mit Kemna geraten sein, der ihn massiv belastet habe.

Naberman schockiert über Tusvelds Selbstmordgedanken

Der seit acht Jahren für Picnic – PostNL und seine Vorgänger fahrende Naberman zeigte sich schockiert über die Passage, in der es heißt, sein ehemaliger Teamkollege habe damals Suizidgedanken gehabt. “Das berührt jeden Menschen, und es wäre nicht richtig, nichts dagegen zu unternehmen. Natürlich will das Team untersuchen, wie es so weit kommen konnte und wie man das Problem lösen kann, denn so etwas wünscht man sich einfach nicht.“

Allerdings wies Naberman darauf hin, dass Tusveld seinen Vertrag nach dem Giro 2020 mehrfach verlängert habe. “Martijn ist gewissermaßen die Galionsfigur der Geschichte, aber warum sollte man so lange im Team bleiben wollen, wenn die Zusammenarbeit schon so lange andauert? Ich verstehe das nicht“, erklärte der Niederländer.

Picnic - PostNL hat mittlerweile auf die massiven Vorwürfe reagiert und eine unabhängige Untersuchung angekündigt. Das sei der “beste Weg, die Angelegenheit substanziell zu klären“, sagte Poelman am Rande der Eneco Tour zu Wielerflits. “Diese Geschichte hat, wie Sie gesehen haben, sicherlich Auswirkungen. Wir werden sehen, was dabei herauskommt.“

Ist die WorldTour-Lizenz in Gefahr?

Von ebenso großer Bedeutung für den Fortbestand des Rennstalls ist aber die Frage, ob er 2027 überhaupt noch über eine WorldTour-Lizenz verfügen wird. Wie es hieß, habe die Untersuchung unmittelbare Auswirkungen auf den laufenden Lizenzantrag.

Laut NOS seien auch die beiden Titelsponsoren Picnic und PostNL besorgt und wollten ebenfalls den Vorwürfen nachgehen. “Das wird uns nicht dabei helfen, Sponsoren und Fahrer für das nächste Jahr zu finden“, sagte van den Broek dazu. Und Poelman antwortete auf die Frage, ob sie negative Folgen in der Lizenfrage fürchte: “Das kann ich schwer abschätzen. Ich hoffe nicht.“


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