RSNplusSilber bei der zehnten WM-Teilnahme

Trotz Sinnfrage gelingt Dörnbach der Medaillendurchbruch

Von Peter Maurer aus Shanghai

Foto zu dem Text "Trotz Sinnfrage gelingt Dörnbach der Medaillendurchbruch"
Maximilian Dörnbach im Keirin | Foto: Cor Vos

16.10.2026  |  (rsn) – Zum zehnten Mal stand Maximilian Dörnbach bei Bahn-Weltmeisterschaften am Start, zum ersten Mal klappte es aber nun in Shanghai mit der Erfüllung seines Medaillentraums. Hinter dem Rekordweltmeister Harrie Lavreysen aus den Niederlanden holte er sich Silber im Keirin und stand erstmals bei Weltmeisterschaften auf dem Podium.

Erleichtert genoss der 30-Jährige das Prozedere bei der Siegerehrung, aber die Freude war nicht nur ihm, sondern auch dem ganzen Team anzusehen. “Er ist immer wieder knapp daran vorbeigeschrammt in den letzten Jahren, aber heute ist er wirklich super gefahren. Von der 1. Runde an bis ins Halbfinale wirkte er so souverän und dann hatte er im Finale auch die richtige Geduld gehabt, am Hinterrad von Lavreysen zu fahren“, schilderte Bundestrainer Jan van Eijden im Gespräch mit radsport-news.com.

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Am Vortag hatte er ihn erstmals nicht in der Qualifikation im Teamsprint eingesetzt, Dörnbach schlüpfte in die Rolle des Ersatzfahrers, der eigentlich mit Ausnahme der Rennrunden das gleiche Aufwärm- und Trainingsprogramm wie die Einsatzfahrer hat. “Er war ein super Mannschaftskamerad, hat alles mitgemacht und wir wollten ihn auch in der 1. Runde dann einsetzen“, fügte van Eijden an. Dazu kam es aber nicht, nachdem die Deutschen in der Qualifikation als Neunte um 17 Tausendstel hinter Tschechien den Aufstieg verpassten.

Doch die 17 Tausendstel tauschte auch van Eijden liebend gerne in jene paar Zentimeter, die Dörnbach am Ende des Keirin-Finales vor dem Japaner Shinji Nakano lag. Denn erst auf den letzten Metern schob sich der Deutsche vorbei mit dem entscheidenden Tigersprung zur Silbermedaille. “Ich bin jetzt über zehn Jahre im Team dabei, bin eigentlich der Älteste im Sprintteam. Irgendwann erreicht dich die Enttäuschung, weil eben die Medaille noch gefehlt hat. Du spielst mit den Gedanken, ob es überhaupt noch einen Sinn macht, denn 30 Jahre sind zwar noch kein wirkliches Alter, im Sport aber schon. Ich war wirklich oft knapp dran, aber heute habe ich einfach den perfekten Tag erwischt“, strahlte der Vizeweltmeister gegenüber RSN.

Dörnbach auf dem Podium des Keirin-Wettbewerbes bei der WM in Shanghai | Foto: Cor Vos

Nachdem er schon fünfmal bei Europameisterschaften eine Medaille erringen konnte, klappte es für den Kaffeeliebhaber, der einen eigenen mobilen Stand für Firmenevents oder private Feiern betreut, nun endlich auch bei den Welttitelkämpfen. “Ich glaube, was mich als Fahrer ausmacht, ist, dass ich nicht nachdenke, wie ich fahre, sondern viel vom Instinkt kommt. Das ist natürlich eine Fahrweise, die mit Risiko behaftet ist. Oft ist es auch nicht gut ausgegangen, aber diesmal schon.“

Lockere Qualifikation für das Halbfinale

Mit starken Auftritten und Laufsiegen in den 1. Runden qualifizierte sich Dörnbach locker für das Halbfinale. Dort lag er aber lange außerhalb der ersten drei Positionen, die den Aufstieg ins Finale sicherstellten. Der Thüringer, der mittlerweile seine Trainingsheimat in Schwerin gefunden hat blieb allerdings cool. “Jan hat mir danach gesagt, er wäre nie nervös gewesen, weil ich einfach so richtig Druck am Pedal hatte“, grinste er.

DBei der EM 2022 gewann örnbach Bronze auf den 1.000 Metern. | Foto: Cor Vos

Selbst an der Seite des mittlerweile 22-fachen Weltmeisters Lavreysen im Finale zu fahren, löste keine zusätzliche Nervosität aus. “Wenn er mit dabei ist, fällt ihm auch die Favoritenrolle zu. Da muss er auch liefern und das ist sicher ein enormer Druck. Ich wusste, dass ich mich an ihm orientieren kann, verteidigte sein Hinterrad souverän und blieb auch dran. Da hatte ich manchmal schon mehr Probleme“, erzählte Dörnbach und blickte dabei auch auf seine starken Beine.

“Mein Plan war zu gucken, was Harrie macht und wie sich das Rennen entwickelt. Eigentlich wollte ich aktiver fahren, aber als die Geschwindigkeit schon so früh hochging, blieb ich an seinem Hinterrad. Das ist eigentlich immer eine der sichersten Nummern, denn versuche ich oben vorbeizufahren, bleibe ich dort wohl lange hängen“, blickte Dörnbach auf das Finale zurück, in dem er dann zum Tigersprung zur ersten Medaille ansetzte.

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