Bodewig legt Nationalen Radverkehrsplan vor

06.05.2002  |  Der Radverkehr nimmt künftig eine bedeutende Rolle in der deutschen Verkehrspolitik ein. Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) präsentierte jetzt in Berlin eine entsprechende Vorlage für einen Nationalen Radverkehrsplan. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) begrüßte diesen Vorstoß. ADFC-Bundesvorsitzender Wolfgang Große: "Das Projekt ist ein Meilenstein für den Radverkehr in Deutschland und wird ihn nachhaltig stärken."

Eckpunkte des Papiers "FahrRad! - Nationaler Radverkehrsplan 2002 - 2012" sind Verbesserungen für den Radverkehr in den Bereichen Recht, Tourismus, Forschung, Wirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit. Konkret soll es beispielsweise für Städte und Gemeinden einfacher werden, Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung zu öffnen. Auch will der Bund die günstigeren und sichereren Radfahrstreifen auf der Fahrbahn den teureren Radwegen auf Bürgersteigen bevorzugen.

Positiv findet der ADFC, dass der Bund rund eine Million Euro für Forschungs- und Modellprojekte zur Förderung des Radverkehrs zur Verfügung stellen wird. Außerdem ermutigt das Verkehrsministerium die Länder und Gemeinden, für die Verbesserung der Infrastruktur verstärkt auf Mittel aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) zuzugreifen. Der Bund stellt im Rahmen des GVFG jährlich rund 1,68 Milliarden Euro bereit.

Der ADFC befürwortete, dass der Bund den Radverkehrsanteil bis 2012 auf mindestens 27 Prozent steigern wolle. Laut ADFC beträgt der Radverkehrsanteil in Deutschland derzeit etwa zwölf Prozent. Städte wie Münster und Freiburg zeigen aber, dass schon heute Anteile von über 30 Prozent möglich sind. Auf Distanzen bis fünf Kilometer sind in den Niederlanden - europäischer Vorreiter in Sachen nationaler Radverkehrsförderung - sogar bis zu 50 Prozent möglich. Voraussetzung dafür sind neben einer fahrradfreundlichen Infrastruktur, Serviceleistungen wie Fahrradstationen an Bahnhöfen, ein nationales Radfernwegenetz und gezieltes Marketing.

Der ADFC vermisst allerdings in dem Entwurf des Bundes konkrete Aussagen zur Sicherung der Fahrradmitnahme im Fernverkehr der Deutschen Bahn AG. Das Verkehrsministerium appelliere zwar an die Bahn, attraktive Angebote für Radler im Fernverkehr zu schaffen, übernehme dafür aber keine Verantwortung. Die Bahn schränkt derzeit die Fahrradmitnahme im Fernverkehr stark ein. Die Fahrradmitnahme sank in diesem Bereich 2001 drastisch um 28 Prozent auf rund 350.000 Beförderungen. Ende 2002 werden weitere 3200 Fahrradmitnahmeplätze wegfallen.

Zur Rolle des ADFC bei der Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans sagte Wolfgang Große: "Vor allem auf Landes- und Kommunalebene ist viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Mit unseren rund 450 Gruppen vor Ort arbeiten wir aktiv daran mit, dass sich auch die Städte und Kommunen für die Idee des Nationalen Radverkehrsplans begeistern." Koordiniert werden die Aktivitäten rund ums Rad vom Bund-Länder-Arbeitskreis Verkehr, dem auch der ADFC angehört und beratend zur Seite steht. Große: "Der von Minister Bodewig vorgestellte Nationale Radverkehrsplan ist der Anfang eines mindestens zehn Jahre dauernden Prozesses. Der ADFC wird die Umsetzung des Radverkehrsplans aktiv unterstützen und kritisch begleiten." (Quelle: ADFC)

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