RSNplusWorldTeams 2026: Jayco - AlUla

Mit “Underdog Spirit“ in eine sorgenfreie Saison?

Von Sebastian Lindner

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Altmeister Michael Matthews (l.) und Neuzugang Alessandro Covi könnten zwei entscheidende Säulen der Saison 2026 von Jayco - AlUla werden. | Foto: Greenedge Cycling

13.01.2026  |  (rsn) – Eine sportlich mittelprächtige Saison mit einigen Nebengeräuschen liegt hinter Jayco – AlUla. 19 Siege – darunter immerhin auch drei Grand-Tour-Etappen und vier weitere Erfolge auf der WorldTour – produzierte das Team. Hinzu kamen aber auch weniger rühmliche Schlagzeilen wie den unerwarteten Abgang von Sportdirektor Matthew White, der seit Teamgründung 2012 dabei war, oder aber auch die fehlenden Bankgarantien, die Jayco bis zu einer ersten UCI-Frist für die WorldTour-Lizenzen nicht vorlegen konnte.

Es rumorte im Team. Auch deshalb, so wird gemunkelt, soll Eigentümer Gerry Ryan, der über seine diversen Firmen wie Jayco oder Mitchelton-Scott nicht nur das WorldTeam seit Jahren finanziert, sondern mehr oder weniger Großteile des gesamten australischen Radsports, zunächst gezögert haben, die Garantien bei der UCI zu hinterlegen. Ryan, der zu den reichsten Australiern gehört, soll langsam aber sicher die Geduld verlieren. Die personellen Umbrüche in der Sportlichen Leitung könnten unmittelbar damit in Zusammenhang stehen. ___STEADY_PAYWALL___

Gene Bates, der mit Unterbrechungen ebenfalls schon seit vielen Jahren Teil der Betreibergesellschaft Greenedge Cycling ist, übernahm Ende letzten Jahres offiziell die Sportliche Leitung und hatte gleich reichlich zu tun. Zehn Abgängen stehen neun neue Profis gegenüber. Noch vor Weihnachten hatte sich das Team festgelegt, dass es beim 29 Mann starken Kader bleiben soll. 

Angeführt wird der weiterhin von den beiden Aussies Ben O’Connor und Michael Matthews. Während Letzterer auch im fortgeschrittenen Sportleralter von 35 Jahren  bei Mailand-Sanremo und dem Amstel Gold Race (1.UWT) in die Top 5 fuhr, Eschborn-Frankfurt (1.UWT) sogar gewann und auch nicht von einer Lungenembolie kleinzukriegen war, konnte O’Connor in seinem ersten Jayco-Jahr zwar auch eine Tour-Etappe gewinnen, aber mit Blick auf Gesamtwertungen nicht wie erwartet liefern.

Michael Matthews ist seit Jahren das Gesicht von Jayco – AlUla. Das wird sich auch 2026 nicht ändern. Trotz fortgeschrittenen Alters bleibt der Australier einer der wichtigsten Fahrer, um Ergebnisse einzufahren. | Foto: Cor Vos

Matthews wird 2026 erneut bei allen großen Klassikern, die ein hügeliges Profil haben, angreifen und dann schauen, was im Sommer bei der Tour geht. O’Connor hingegen wird vermutlich ein Bogen um die Frankreich-Rundfahrt machen und versuchen, es wie in seinem starken Jahr 2024 zu machen: Da wurde er Vierter beim Giro und Vuelta-Zweiter. Allerdings hat die Kletter-Abteilung von Jayco im Winter einige Rückschläge einstecken müssen. Giro-Etappensieger Chris Harper, Filippo Zana und Eddie Dunbar haben das Team verlassen. Gleichwertigen Ersatz gab es zumindest in der Breite nicht, so dass O’Connor zwar nicht auf sich allein gestellt sein wird, aber sich seine Helfer gut einteilen muss.

Neben O’Connor und Matthews wird es vor allem auf Mauro Schmid ankommen, wenn es darum geht, Siege und vor allem auch wichtige UCI-Punkte einzufahren. Jayco war zwar nicht unmittelbar abstiegsbedroht, allzu groß war das Polster nach unten aber auch nicht. Mit seinen 26 Jahren ist der Schweizer der jüngste Leistungsträger im Team, das seinerseits im Schnitt mit 28,2 Jahren hinter Lidl - Trek das zweitälteste der WorldTour ist.

Schmid ist dabei aber auch einer der vielseitigsten Fahrer im Aufgebot. Der Landesmeister im Straßenrennen wie im Zeitfahren kann sowohl Eintagesrennen für sich entscheiden, aber auch bei kleineren Rundfahrten ganz vorne landen. Und er ist die wohl beste Karte des Teams, wenn es um einen Etappensieg bei der Tour geht.

Der Top-Transfer 2026: Alessandro Covi

Diesen Stempel würde sich auch gerne Pascal Ackermann – neben Felix Engelhardt und Jasha Sütterlin einer von drei Deutschen im Team – aufdrücken lassen. Noch einmal will der bald 32-Jährige um seinen Traum kämpfen, bei der Tour einen Etappensieg zu feiern. Ackermann wirkt wie der 1:1-Ersatz für den abgewanderten Dylan Groenewegen, doch scheint man bei Jayco im Pfälzer mehr als nur einen reinen Sprinter  zu sehen. Wie groß die Unterstützung sein wird, die Ackermann in Sprintankünften erhält, muss sich zudem zeigen, denn allzu groß ist die Riege der Spezialisten im Team nicht mehr.

Der Ackermann-Transfer dürfte vor allem mit Hoffnung auf das Anknüpfen an alte Zeiten verbunden sein. Beim 22-Jährigen Finley Pickering ist es die Hoffnung auf eine rosige Zukunft, in die der Brite zunächst als O’Connor-Unterstützer starten soll. Der italienische Routinier Andrea Vendrame hingegen ist eine sichere Bank für TV-Minuten in Fluchtgruppen und eine gewisse Endschnelligkeit auf mittelschweren Etappen, die auch mal für einen Sieg reichen kann.

Alessandro Covi wurde bei UAE -Emirates – XRG immer weiter durchgereicht und vom aussichtsreichen Talent zum Helfer degradiert. Bei Jayco – AlUla will der Italiener wieder auf eigene Rechnung fahren. | Foto: Greenedge Cycling

Dessen Landsmann Alessandro Covi hingegen soll noch mehr werden: ein Versprechen für große Erfolge. Der mittlerweile 27-Jährige fuhr die letzten fünf Jahre für UAE – Emirates – XRG. Allein das gilt dieser Tage als Zeichen für Qualität. In jener Zeit blieben Covis Fortschritte jedoch überschaubar. Als einst großes Talent musste sich der Mann aus dem Piemont trotz anfänglicher Erfolge im Starensemble immer weiter hintenanstellen, wenn es um geschützte oder gar Kapitänsrollen kann. 

Nach drei Siegen in der Saison 2022, unter anderem einer Etappe beim Giro, musste Covi bis ins vergangene Jahr warten, bis er endlich wieder jubeln konnte. Bei kleineren Rennen zwar, doch die Tendenz stimmt. Das Talent dazu hat er sowieso. Befreit vom Dauer-Domestiken-Job, soll Covi bei Jayco - AlUla auch wieder auf eigene Rechnung fahren können und die Bilanz des Teams aufpolieren.

Im Fokus: Paul Double

Und so könnte Covi zum “Kai aus der Kiste“ werden - ähnlich wie Paul Double 2025 tat. Die Vorzeichen beim jetzt 29 Jahre alten Briten waren jedoch komplett anders. Double ist ein Spätberufener, fuhr 2020 noch auf Club-Niveau und klopfte zwei Jahre später als Stagiaire bei Human Powered Health erstmals bei einem ProTeam an. Über Polti – Kometa schaffte er schließlich im letzten Jahr den Sprung in die WorldTour zu Jayco. 

Nach seinem Debüt-Sieg auf einer Etappe bei Coppi e Bartali drehte Double in der zweiten Saisonhälfte richtig auf, gewann zunächst die Slowakei-Rundfahrt und dann auch noch den WorldTour-Abschluss, die Tour of Guangxi, jeweils garniert mit einem Etappensieg. Hat sich das Leichtgewicht nachhaltig an die Profibedingungen gewöhnt und sollte er sein Niveau aus dem Herbst halten, könnte Double zum wichtigen Punktesammler werden.

Paul Double war 2025 die große Überraschung in den Reihen von Jayco – AlUla. Der Brite feierte fünf Saisonsiege und könnte auch in der neuen Saison positive Schlagzeilen schreiben.| Foto: Cor Vos

“Wir haben mehrere Neuzugänge in der Mannschaft und zusammen mit einigen unserer erfahrenen Fahrer, die das Team über die Jahre mitgeprägt haben, sind wir in einer hervorragenden Ausgangsposition, um diesen neuen Dreijahreszyklus zu beginnen“, sagte der neue Sportdirektor Bates zu Jahresbeginn. “Wir sind hungrig auf Erfolg und wollen 2026 Rennen gewinnen, und das wollen wir auch mit einer klaren Kultur tun, in der das Team an erster Stelle steht und wir mit Einigkeit und dem Spirit des Underdogs fahren.“

Das Aufgebot:
Pascal Ackermann (Deutschland / 31 Jahre), Koen Bouwman (Niederlande / 32), Amaury Capiot (Belgien / 32), Filippo Conca (Italien / 27), Alessandro Covi (Italien / 27), Dries De Bondt (Belgien / 34), Dries De Pooter (Belgien / 23), Davide De Pretto (Italien / 23), Robert Donaldson (Großbritannien / 23), Paul Double (Großbritannien / 29), Luke Durbridge (Australien / 34), Felix Engelhardt (Deutschland / 25), Anders Foldager (Dänemark / 24), Patrick Gamper (Österreich / 28), Alan Hatherly (Südafrika / 29), Asbjörn Hellemose (Dänemark / 26), Christopher Juul-Jensen (Dänemark / 36), Jelte Krijnsen (Niederlande / 24), Michael Matthews (Australien / 35), Hamish McKenzie (Austalien / 21), Luka Mezgec (Slowenien / 37), Kelland O`Brien (Australien / 27), Ben O`Connor (Australien / 30), Finlay Pickering (Großbritannien / 22), Luke Plapp (Australien / 25), Rudy Porter (Australien / 25), Mauro Schmid (Schweiz / 26), Jasha Sütterlin (Deutschland / 33), Andrea Vendrame (Italien / 31)

Davon Neuzugänge:
Pascal Ackermann (Israel – Premier Tech), Amaury Capiot (Arkéa – B&B Hotels), Alessandro Covi (UAE – Emirates – XRG), Dries De Bondt (Decathlon – AG2R La Mondiale), Dries De Pooter (Intermarché – Wanty), Hamish McKenzie (Hagen – Berman – Jayco), Finley Pickering (Bahrain Victorious), Rudy Porter (Trappist), Andrea Vendrame (Decathlon – AG2R La Mondiale)

Teamleitung:
Manager: Brent Copeland
Sportdirektor: Gene Bates
Sportliche Leiter: Steve Cummings, Alessandro De Marchi, Matthew Hayman, Tristan Hoffman, David McPartland, Valerio Piva, Neil Stephens, Rafael Valls, Pieter Weening,

Material:
Rahmenhersteller: Giant
Gruppe: Shimano
Laufräder: Cadex
Reifen: Cadex
Trikot: Maap
Helm: Giant

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