Hofmann erwartet drei Mal höhere Einnahmen

Deutscher Tour-Start 2029 soll 50 Millionen Euro kosten

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "Deutscher Tour-Start 2029 soll 50 Millionen Euro kosten"
Das Logo für die Initiative zum deutschen Tour-de-France-Start 2029. | Foto: Grand Départ Allemagne e.V.

05.11.2026  |  (rsn) – Ein möglicher Start der Tour de France 2029 in Deutschland soll rund 50 Millionen Euro kosten. Diesen Kostenrahmen legte Thomas Hofmann in seiner Rolle als Vorstandsvorsitzender der Initiative Grand Départ Allemagne am Mittwoch in einer Fragerunde vor dem Sportausschuss des Bundestages dar, berichtet der Sport Informations Dienst SID.

"Wir haben mit den Ländern lange zusammengesessen und einen Finanzplan entwickelt", wird Hofmann, der vor dem Sportausschuss um die Unterstützung des Bundes warb, vom SID zitiert. "Für die ASO wäre das ein entscheidendes Zeichen. Das Ganze würde einen entsprechenden Schub bekommen, wenn wir nachweisen können, dass vom Bund der entsprechende Anteil kommt."

Der Verein Grand Départ Allemagne plant unter dem Vorsitz von Hofmann und Andreas Prokop sowie mit der Unterstützung von Ex-German-Cycling-Präsident Rudolf Scharping schon seit längerem einen Tour-Auftakt in Ostdeutschland, der durch die Bundesländer Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen führen soll. Seit Juni 2026 ist German Cycling offizieller Träger der Bewerbung und Ende Juli wurde diese an die ASO als Tour-Veranstalterin übergeben.

Laut Hofmann will die ASO spätestens im Februar 2027 über den Gastgeber der Tour de France 2029 entscheiden, so dass man zeitnah finanzielle Garantien an die ASO übermitteln müsse. Mit Sachsen sei man dabei schon weit fortgeschritten, "mit en anderen Ländern sind wir dran", zitiert der SID Hofmann.

Mitbewerber um den Tour-Start 2027 sind wohl die tschechische Hauptstadt Prag und Slowenien. Mitentscheidend über den Erfolg der Bewerbungen ist das Engagement und die Bereitschaft zur Mitwirkung durch die Politik – das könnte die slowenische Bewerbung ausbremsen, da es dort seit ersten Bestrebungen einen Regierungswechsel gab.

Hohes Investment, aber auch hoher Rückfluss?

Fraglich ist aber auch in Deutschland, inwiefern die ausstehenden Regierungsbildungen in Berlin und Sachsen-Anhalt zum Problem werden könnten. So scheiterte zuletzt 2025 die traditionsreiche Thüringen-Rundfahrt der Frauen eben genau daran, dass unter neuer Landesregierung vorher eingeplante Gelder nicht mehr verfügbar waren.

Hofmann erklärte vor dem Sportausschuss auch, dass man hoffe, "sieben bis zehn Millionen Euro" des nötigen Budgets durch Sponsoren abdecken zu können. Der Rest muss aber wohl aus öffentlicher Hand kommen, was sich dennoch "auf alle Fälle" lohne. "Wir rechnen mit einem Rückfluss von mindestens 150 Millionen, und das ist sehr konservativ gerechnet", erklärte er und unterstrich, dass durch den anvisierten Tour-Start aber nicht die Sportförderung an anderer Stelle leiden dürfe: "Wir wollen kein Geld aus der Sportförderung haben, es muss aus anderen Töpfen kommen. Das ist in erster Linie ein wirtschaftlicher Aspekt. Die Tour ist Wirtschaftsförderung pur. Es soll nicht zu Lasten der Sportförderung gehen."

Prag und Ostdeutschland bieten ASO vergleichbare Geschichte

Historischer Anlass für den Grand Départ 2029 in Ostdeutschland ist das vierzigjährige Jubiläum des Mauerfalls in Berlin. Deshalb gefällt auch der ASO um Tour-Boss Christian Prudhomme die Idee sehr gut und man rückte von dem Ursprungsgedanke 2030 – zum Jubiläum der Wiedervereinigung Deutschlands – auf 2029 vor, um Berlin noch mehr in den Fokus zu rücken.

Allerdings erzählt auch die Bewerbung Prags eine sehr ähnliche Geschichte, den Fall des eisernen Vorhangs. Entsprechend betonte Hofmann vor dem Sportausschuss indirekt auch, dass man die tschechische Konkurrenz nicht unterschätzen dürfe. "Prag ist ähnlich wie Berlin eine Metropole, die vorzeigbar ist. Die Finanzierung scheint auch relativ sicher zu sein. Die machen ziemlich Druck – die ASO war dort auch mehrmals zu Besuch", erklärte er und unterstrich daher die Wichtigkeit, dass die deutsche Politik sich voll hinter das Vorhaben stelle.

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