Was erwartet uns bei der Tour de France?

Etappe 19: Saint-Jean-de-Maurienne – Tignes, 126,5 km

Von Eric Gutglück

Foto zu dem Text "Etappe 19: Saint-Jean-de-Maurienne – Tignes, 126,5 km"
Das Profil der 19. Etappe der Tour de France | Foto: Cor Vos A.S.O

03.07.2019  |  (rsn) – Mit nur 126,5 Kilometern, aber dafür mit fast 3500 Höhenmetern wartet die zweite von drei Alpenetappen auf das Fahrerfeld. Erneut geht es zweimal auf über 2000 Metern hinauf und die Kräfte vieler Fahrer sind nahezu aufgebraucht – eine perfekte Mischung, um das Gesamtklassement zwei Tage vor Paris durcheinanderzuschütteln.

TagesTOUR:
Aus Saint-Jean-de-Maurienne heraus führt die Etappe praktisch fast den ganzen Tag bergauf. Die Côte de Saint-André (3. Kat.), die Montée d’Aussois (2. Kat. / 6,5 km / 6,2 %), der Col de la Madeleine (3. Kat.) – nicht zu verwechseln mit dem 2000 Meter hohen Alpenpass – sowie der Zwischensprint in Bessans sind nur Vorgeplänkel auf dem Weg zum Col de l’Iseran. Mit 2764 Metern Höhe ist der Iseran die höchste Passstraße der Alpen und folgerichtig ein Anstieg der hors categorie. 12,9 Kilometer bei 7,5 Prozent sowie acht, fünf und zwei Bonussekunden auf dem Gipfel zeichnen diesen Alpenriesen aus. Über Val d’Isère führt die Abfahrt an den Schlussanstieg. Hinauf nach Tignes (1. Kat.) sind es nochmal 7,4 Kilometer bei sieben Prozent, wobei der letzte Kilometer am Ufer des Lac de Tignes flach verläuft.

KulTOUR:
Der Col de l’Iseran verbindet den Wintersportort Val d’Isère mit Modane und ist der höchste überfahrbare Gebirgspass der Alpen. Die Cime de la Bonette ist zwar 2802 Meter hoch, doch diese erreicht man nur durch eine Zusatzschleife oberhalb des Col de la Bonette (2715 Meter). Diese Schleife gilt offiziell jedoch nicht als Pass. In diesem Jahr wird der Col de l’Iseran zum achten Mal im Rahmen einer Tour de France seit seinem Debüt 1938 überquert.

HisTOURie:
Tignes war erst einmal Etappenort der Tour und ruft bei den Radsportfans dunkle Erinnerungen hervor. Im Jahr 2007 sicherte sich Michael Rasmussen nach einem langen Soloritt durch die Alpen den Tagessieg und das Gelbe Trikot, das er über die Alpen und die Pyrenäen hinweg verteidigte. Dann aber wurde bekannt, dass der Däne in der Tourvorbereitung seinen Aufenthaltsort zwecks Dopingkontrollen falsch angegeben hatte. Sein Rabobank-Team nahm den souverän Führenden daraufhin nach der 16. Etappe aus dem Rennen, ehe Rasmussen schließlich die Einnahme von Dynepo nachgewiesen wurde.

TOURakel:
Die Etappe verspricht mehrere Szenarien: Zum einen lädt sie zum Großangriff auf den Mann in Gelb ein, zum anderen ist auch der Etappensieg für einen bergfesten Ausreißer denkbar – vielleicht sogar beides zugleich. Vor allem die Abfahrt vom Iseran ist nicht sehr steil und beinhaltet ein längeres Flachstück. Wer sich am Dach der Tour aus dem Fenster wagt, wird über jede Relaisstation aus der Spitzengruppe dankbar sein. Den Etappensieg könnte sich Julian Alaphilippe (Deceuninck – Quick-Step) holen.

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