Paris - Roubaix: Die vergangenen zehn Jahre

Degenkolb jubelte 2015 im Velodrom, Politt war 2019 nah dran

Von Christoph Adamietz

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John Degenkolb gewann 2015 den Klassiker Paris-Roubaix | Foto: Cor Vos

10.04.2020  |  (rsn) - Paris - Roubaix gilt als die "Königin der Klassiker". Über knapp 260 Kilometer, etwa 55 davon über das berüchtigte Kopfsteinpflaster, führt das dritte der fünf Radsport-Monumente, bei dem Stürze und Defekte immer wieder für Spannung und sportliche Dramen sorgen. Radsport-news.com blickt auf die vergangenen zehn Austragungen der "Fahrt durch die Hölle" zurück.

108. Paris – Roubaix 2010: Fabian Cancellara 
Bei der 108. Austragung feierte Fabian Cancellara (Saxo Bank) nach 2006 seinen zweiten Sieg – und das mit einem Vorsprung von unglaublichen zwei Minuten auf Thor Hushovd (Cervelo TestTeam), der sich im Zweiersprint vor Juan Antonio Flecha (Sky) Rang zei sicherte.

Cancellara hatte knapp 50 Kilometer vor dem Ziel aus der Favoritengruppe heraus attackiert und danach eine denkwürdige Solofahrt bis ins Velodrome von Roubaix hingelegt. Bis zu 3:13 Minuten betrug der Vorsprung des Schweizers auf die Verfolger um Dauerrivale Tom Boonen, der zuvor drei Mal vergeblich angegriffen hatte, beim Angriff Cancellaras allerdings unaufmerksam war. Danach blieben alle Bemühungen des belgischen Titelverteidigers erfolglos, die Lücke zum Saxo Bank-Kapitän zu schließen. 

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109. Paris – Roubaix 2011: Johan Vansummeren
 Im Jahr darauf machte Johan Vansummeren (Garmin – Cervelo) Cancellara beim Unternehmen Titelverteidigung einen Strich durch die Rechnung. Der Belgier rettete sich als Ausreißer mit 19 Sekunden Vorsprung auf den Schweizer ins Ziel. Cancellara holte sich aus einer vierköpfigen Verfolgergruppe vor dem Niederländer Maarten Tjallingii (Rabobank) und dem starken Schweizer Gregory Rast (RadioShack) den zweiten Platz.

Der fast zwei Meter große Vansummeren hatte sich 16 Kilometer vor dem Ziel im viertletzten Pavé-Sektor aus einer Ausreißergruppe gelöst und davon profitiert, dass Top-Favorit Cancellara keine Unterstützung bei der Jagd auf den Ausreißer erhielt. Im Finale konnte der Berner seinen Kontrahenten noch davonfahren und bis auf Vansumeren alle Ausreißer einfangen. Pechvogel des Tages war Tom Boonen, der durch Defekte und Stürze hoffnungslos zurückgeworfen wurde und das Rennen aufgeben musste. 

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110. Paris – Roubaix 2012: Tom Boonen 
Nach den Enttäuschungen in den beiden Vorjahren schlug der Belgier bei der 110. Austragung zurück und holte sich seinen vierten Pflasterstein. Boonen, eine Woche zuvor bereits Gewinner der Flandern-Rundfahrt, setzte sich als Solist mit deutlichen 1:39 Minuten Vorsprung auf den Franzosen Sebastien Turgot (Europcar) durch, der den Sprint einer fünf Fahrer starken Verfolgergruppe vor dem Italiener Alessandro Ballan (BMC) gewann.

Boonen lancierte seine entscheidende Attacke bereits 50 Kilometer vor dem Ziel, als er sich gemeinsam mit Teamkollege Niki Terpstra absetzen konnte. Mit seinem vierten Roubaix-Erfolg zog er mit Roger De Vlaeminck gleich, der bisher alleiniger Rekordhalter in Roubaix gewesen war. Dauerrivale Fabian Cancellara fehlte aufgrund einer bei der Flandern-Rundfahrt erlittenen Sturzverletzung. 

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111. Paris – Roubaix 2013: Fabian Cancellara 
Nach der Enttäuschung von 2012 war Cancellara bei der 111. Austragung wieder obenauf und feierte seinen dritten und zugleich letzten Sieg im berühmten Velodrome. Der Schweizer setzte sich im Sprintduell vor dem Belgier Sep Vanmarcke (Blanco) durch. Das Podium komplettierte der Niederländer Niki Terpstra (Omega Pharma – Quick-Step) mit 31 Sekunden Rückstand.

Nachdem er seine ersten beiden Roubaix-Siege als Solist eingefahren hatte, musste der Berner diesmal Vanmarcke im Sprint niederringen. Pech hatten die Quick-Step-Profis Stijn Vandenbergh und Zdenek Stybar, die gemeinsam mit Cancellara und Vanmarcke den viertletzten Pavé-Sektor in Angriff nahmen, dort aber mit Zuschauern kollidierten und so alle Siegchancen einbüßten. 

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112. Paris – Roubaix 2014: Niki Terpstra 
Nach Platz drei im Vorjahr fuhr Niki Terpstra (Omega Pharma – Quick-Step) seinen größten Karriereerfolg ein. Der Niederländer triumphierte als Solist mit 20 Sekunden Vorsprung auf eine Verfolgergruppe, aus der heraus sich John Degenkolb (Giant – Shimano) vor Titelverteidiger Fabian Cancellara (Trek – Segafredo) Rang zwei sicherte. Quick-Step-Kapitän Tom Boonen war bereits 65 Kilometer vor dem Ziel in die Offensive gegangen, fand dabei aber keine Unterstützung und wurde 25 Kilometer vor dem Ziel wieder eingefangen. Daraufhin zeigte sich Teamkollege Zdenek Stybar gemeinsam mit Cancellara und Degenkolb in der Offensive, doch auch diese Gruppe wurde nochmals gestellt, ehe Terpstra sechs Kilometer vor dem Ziel aus der Spitzengruppe heraus attackierte. Der dritte Quick-Step-Vorstoß brachte schließlich den gewünschten Erfolg. 

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113. Paris – Roubaix 2015: John Degenkolb 
Nach seinem Erfolg bei Mailand – Sanremo krönte John Degenkolb sein überragendes Frühjahr mit dem Triumph im Velodrom von Roubaix. Der Oberurseler verwies im Sprint einer sechs Fahrer starken Spitzengruppe den Tschechen Zdenek Stybar (Etixx – Quick-Step) und den Belgier Greg Van Avermaet (BMC) auf die Plätze.

Degenkolb war in der Spitzengruppe der stärkste Sprinter, doch auf den letzten 15 Kilometern musste er sich mächtig strecken, als sich Yves Lampaert (Etixx – Quick-Step) und Van Avermaet nach vorne verabschiedet und einen kleinen Vorsprung erarbeitet hatten. Doch Degenkolb konnte auf seinen Helfer Bert De Backer vertrauen, der gemeinsam mit dem Deutschen das Duo wieder stellte. Im Sprint hatte schließlich Degenkolb das beste Ende für sich. 

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114. Paris – Roubaix 2016: Mathew Hayman 
Zu gerne hätte Tom Boonen (Etixx – Quick-Step) seinen fünften Roubaix-Sieg eingefahren – was den alleinigen Rekord bedeutet hätte – doch der Belgier hatte an diesem Tag die Rechnung ohne Mathew Hayman gemacht (Orica – GreenEdge) gemacht. Im Sprint einer fünf Fahrer starken Spitzengruppe setzte sich der 37-jährige Australier vor Boonen und dem Briten Ian Stannard (Sky) durch und feierte den größten Erfolg seiner Karriere. In Abwesenheit des verletzt fehlenden Titelverteidigers John Degenkolb war Marcel Sieberg (Lotto Soudal) auf Rang sieben bester Deutscher. 

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115. Paris – Roubaix 2017: Greg Van Avermaet 
Nach mehreren Versuchen gelang Greg Van Avermaet (BMC) der erste Sieg bei einem Monument. Der Belgier ließ im Velodrom von Roubaix im Sprint einer fünf Fahrer starken Spitzengruppe den Tschechen Zdenek Stybar (Quick-Step Floors) und den Niederländer Sebastian Langeveld (Cannondale – Drapac) hinter sich. Mit André Greipel (Lotto Soudal) auf Rang sieben und John Degenkolb (Trek – Segafredo) auf Platz zehn landeten gleich zwei Deutsche in den Top Ten.

Für Van Avermaet sah es zwischenzeitlich allerdings nicht gut aus, nahcdem er durch einen Defekt vor dem Wald von Arenberg ins Hintertreffen geraten war. Doch mit einer imponiereden Aufholjagd schaffte er es rund 30 Kilometer vor dem Ziel in die entscheidende Spitzengruppe und setzte sich am Ende im Sprint durch.

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116. Paris – Roubaix 2018: Peter Sagan 
Bei der 116. Austragung sorgte Peter Sagan für den ersten Sieg von Bora – hansgrohe bei einem der fünf Monumente. Der Slowake gewann die Königin der Klassiker im Zweiersprint vor dem Schweizer Silvan Dillier (BMC), der den ganzen Tag in der Ausreißergruppe des Tages dabei egwesen war und es am Ende als einziger noch mit dem Weltmeister aufnehmen konnte. Das Podium komplettierte Niki Terpstra (Quick-Step Floors) mit knapp einer Minute Rückstand. Auf Rang sieben war Nils Politt (Katusha – Alpecin) bester Deutscher.

Sagan war bereits 55 Kilometer vor dem Ziel in die Offensive gegangen und hatte zum Ausreißertrio um Dillier aufgeschlossen. Dillier war der einzige, der danach das Hinterrad von Sagan halten konnte, doch im Sprint war der Schweizer chancenlos. 

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117. Paris – Roubaix 2019: Philippe Gilbert 
Nach der Lombardei-Rundfahrt, der Flandern-Rundfahrt und Lüttich-Bastogne-Lüttich gewann Philippe Gilbert (Deceuninck – Quick-Step) sein viertes Monument. Der Belgier setzte sich im Zweiersprint gegen den bärenstarken Nils Politt (Katusha – Alpecin) durch, der sich bis auf die letzten Meter Hoffnungen auf den großen Coup machen konnte. Mit 13 Sekunden Rückstand wurde Gilberts Landsmann und Teamkollege Yves Lampaert Dritter. Vorjahressieger Peter Sagan (Bora – hansgrohe) landete diesmal auf Rang fünf.

Politt gelangen als einem der dominierenden Fahrer immer wieder vorentscheidende Situationen, doch gegen die Übermacht von Quick-Step, das vier Fahrer unter den besten Acht platzieren konnte, vermochte Politt am Ende nichts auszurichten. 

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