Flandern-Rundfahrt: Die letzten zehn Jahre

Van der Poel und Van Aert duellierten sich in Oudenaarde

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Mathieu van der Poel (Alpecin - Fenix) hat in einem bpackenden Sprintduell die 104. Flandern-Rundfahrt für sich entschieden. | Foto: Cor Vos

04.04.2021  |  (rsn) - Die Flandern Rundfahrt ist für viele Radsport-Fans neben Paris-Roubaix das Highlight des Frühjahrs. Das belgische Monument führt über mehr als 260 Kilometer und zahlreiche Hellinge, den kurzen, zumeist über Kopfsteinpflaster führenden Anstiegen. Aufgrund der Corona-Pandemie musste die 104. Austragung auf den 18. Oktober verschoben werden. radsport-news.com blickt auf die letzten zehn Jahre zurück und fasst die Rennen nochmals kurz und kompakt zusammen.

95. Flandern-Rundfahrt 2011: Nick Nuyens
Mit Nick Nuyens (Saxo Bank) hatte die 95. Austragung des Rennens einen echten Überraschungssieger. Der Belgier zeigte zwar eine starke Leistung, profitierte am Ende aber auch von taktiscen Missgriffen bei Quick Step. Denn Tom Boonen hatte 43 Kilometer vor dem Ziel aus dem Feld heraus angegriffen, obwohl zu diesem Zeitpunkt sein Teamkollege Sylvan Chavanel, der am Ende noch Zweiter wurde, komfortabel in Führung lag und deshalb kein Handlungsgrund bestand.

Kurz darauf verschärfte schließlich Cancellara in der Boonen-Gruppe das Tempo und machte sich als Solist auf die Verfolgung von Chavanel, wogegen Tom Boonen nichts mehr zuzusetzen hatte. Die letzten 30 Kilometer nahmen Fabian Cancellara und Chavanel zunächst gemeinsam in Angriff, an der Mauer von Geraardsbergen wurde das Duo von einer kleinen Verfolgergruppe wieder gestellt. Im Finale folgten Attacken, ehe sich Nuyens, Chavanel und Cancellara nochmals absetzen konnten. Das Trio machte den Sieg in Meerbeke im Sprint unter sich aus, wobei Nuyens die frischesten Beine hatte.

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96. Flandern-Rundfahrt 2012: Tom Boonen
Nach der missratenen Vorstellung im Vorjahr schlug Tom Boonen zurück und holte sich seinen insgesamt dritten Sieg bei der Ronde, die erstmals auf einem neuen Kurs und ohne die Mauer von Geraardsbergen ausgetragen wurde. Wie 2011 machte ein Spitzentrio den Sieg unter sich aus, im Sprint verwies der Belgier dabei die beiden Italiener Filippo Pozzato (Farnese Vini) und Alessandro Ballan (BMC). Großes Pech hatte Fabian Cancellara (Leopard), der 60 Kilometer vor dem Ziel in der Verpflegungsstelle gestürzt war und mit Schlüsselbeinbruch aufgeben musste.

Ballan hatte 22 Kilometer vor dem Ziel am Oude Kwaremont das entscheidende Spitzentrio formiert. Gemeinsam mit seinem Landsmann Pozzato hättee er 13 Kilometer vor dem Ziel am Paterberg Boonen beinahe abschütteln können. Doch der biss auf die Zähne und setzte sich schließlich im neuen Zielort Oudenaards im Sprint durch.

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97. Flandern-Rundfahrt 2013: Fabian Cancellara
Bei der 97. Austragung war es Fabian Cancellara (RadioShack), der nach seinem Sturz im Vorjahr das beste Ende für sich hatte und seinen zweiten Sieg nach 2011 einfuhr. Der Schweizer setzte sich nach 257 Kilometern in Oudenaarde überlegen als Solist durch und feierte seinen zweiten Ronde-Triumph. Platz zwei belegte Peter Sagan (Cannondale), der deutliche 1:27 Minuten Rückstand aufwies, zwei Sekunden hinter dem Slowaken überquerte der Belgier Jurgen Roelandts (Lotto Belisol) den Zielstrich. John Degenkolb (Argos – Shimano) erreichte als bester Deutscher auf Position neun das Ziel.

Den Grundstein zum Sieg legte Cancellara mit seiner Attacke bei der dritten und letzten Überquerung des Oude Kwaroment. Da konnte nur noch Sagan folgen, der jedoch am folgenden Paterberg genau so wie der letzte Ausreißer des Tages, Roelandts, reißen lassen musste. Die letzten 13 Kilometer nach Oudenaarde wurden für Cancellara zu einer Triumphfahrt.

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98. Flandern-Rundfahrt 2014: Fabian Cancellara
Fabian Cancellara gelang die Titelverteidigung, diesmal allerdings fuhr der Schweizer seinen dritten Sieg nicht als Solist heraus, sondern im Sprint gegen die drei Belgier Greg Van Avermaet (BMC), Sep Vanmarcke (Belkin) und Stijn Vandenbergh (Omega Pharma – Quick-Step).

Cancellara war am Oude Kwaremoent in die Offensive gegangen und hatte mit Vanmarcke die Verfolgung der enteilten Van Avermaet und Vandenbergh aufgenommen. Van Avermaet überquerte 13 Kilometer vor dem Ziel als Erster den Paterberg, doch seine beiden Landsleute und Cancellara folgten knapp dahinter. Daraus formierte sich ein Spitzenquartett, das bis nach Oudenaarde gut zusammenarbeitete. Im Sprint war dann Cancellara nicht zu schlagen.

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99. Flandern-Rundfahrt 2015: Alexander Kristoff
Nach zwei Cancellara-Siegen in Folge gewann mit Alexander Kristoff (Katusha) erstmals ein Norweger die Ronde van Vlaanderen. Kristoff setzte sich im Sprintduell gegen den Niederländer Niki Terpstra (Etixx – Quick-Step) durch, das Podium komplettierte sieben Sekunden dahinter der Belgier Greg Van Avermaet (BMC). John Degenkolb (Giant – Alpecin) führte als Siebter mit 49 Sekunden Rückstand die erste größere Gruppe ins Ziel.

Terpsta und Kristoff hatten sich auf der Kuppe des Kruisberg, dem drittletzten der insgesamt 19 Hellingen, rund 26 Kilometer vor dem Ziel aus der Favoritengruppe gelöst und im Finale ihren knappen Vorsprung verteidigt. Im Sprint hatte der Norweger keine Mühe, sich gegen seinen Rivalen durchzusetzen.

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100. Flandern-Rundfahrt 2016: Peter Sagan
Bei der 100. Austragung des Traditionsrennens schlug die große Stunde von Peter Sagan (Tinkoff). Der Weltmeister setzte sich als Solist durch – und zwar mit 25 Sekunden Vorsprung auf Fabian Cancellara (Trek – Segafredo), der bei seiner Abschiedsvorstellung wiederum drei Sekunden vor dem Belgier Sep Vanmarcke (LottoNL-Jumbo) ins Ziel kam und Zweiter wurde.

Sagan sorgte in Flandern für den ersten slowakischen Sieg und fuhr diesen mit einer Attacke am Paterberg heraus, nachdem er zuvor mit einem Vostoß am Kruisberg die Favoritengruppe bereits auf ein Trio reduziert hatte. Am letzten der 18 Anstiege schüttelte er Vanmarcke ab und nahm die letzten Kilometer als Solist in Angriff. Cancellara nahm die Verfolgung am Oude Kwaremont 16 Kilometer vor dem Ziel auf, konnte aber nicht mehr zu Sagan aufschließen. So wurde es nichts mit dem Traum eines vierten Ronde-Sieges, womit er alleiniger Rekordhalter geworden wäre.

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101. Flandern-Rundfahrt 2017: Philippe Gilbert
Nach vier Jahren Durstrecke konnten die Belgier beim Heimspiel wieder jubeln. Philippe Gilbert (Quick-Step Floors) setzte sich nach 260 Kilometern in Oudenaarde als Solist mit 29 Sekunden Vorsprung auf die drei Verfolger Greg Van Avermaet (BMC), Niki Terpstra (Quick-Step Floors) und Dylan van Baarle (Cannondale) durch. Als bester Deutscher belegte beim erstmals in Antwerpen gestarteten Monument John Degenkolb (Trek – Segafredo) mit 53 Sekunden Rückstand Rang sieben.

Gilbert war bereits 55 Kilometer vor dem Ziel bei der zweiten von drei Überquerungen des Oude Kwaremoent in die Offensive gegangen und wurde danach von den Kontrahenten nicht mehr gesehen. Am Ende konnte er sogar Fuß den Zielstrich überqueren - sein Rad triumphierend in die Höhe gestreckt. Bei seiner letzten Flandern-Rundfahrt war Tom Boonen gleich zwei Mal im Defektpech und musste früh alle Hoffnungen auf einen vierten und letzten Ronde-Sieg begraben - der alleinige Rekord blieb auch ihm verwehrt.

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102. Flandern-Rundfahrt 2018: Niki Terpstra
Nach Platz drei im Vorjahr und Rang zwei 2015 gelang Niki Terpstra (Quick-Step Floors) bei der 102. Austragung der ganz große Coup. Der Niederländer siegte sich nach 265 Kilometern in Oudenaarde als Solist mit zwölf Sekunden Vorsprung auf den dänischen Überraschungszweiten Mads Pedersen (Trek – Segafredo). Vorjahressieger Philippe Gilbert (Quick-Step Floors) wurde mit 17 Sekunden Rückstand Dritter.

Terpstra hatte den Grundstein zum Sieg mit einer Attacke am Kruisberg, dem drittletzten Anstieg des Tages, gelegt. Schnell schloss er zu den letzten Fahrern der Ausreißergruppe des Tages auf und schüttelte diese am Oude Kwaremont ab.

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103. Flandern-Rundfahrt 2019: Alberto Bettiol
Auch die 103. Austragung sah einen Solisten triumphieren. Sensationell entschied Alberto Bettiol (EF Education First) die Ronde für sich und sicherte sich seinen größten Karriereerfolg mit 14 Sekunden Vorsprung auf den ebenfalls überraschend starken Dänen Kasper Asgreen (Deceuninck – Quick-Step). Mit 17 Sekunden Rückstand entschied Alexander Kristoff (UAE Team Emirates) den Sprint um Platz drei für sich, zwei Positionen dahinter wurde der starke Kölner Nils Politt (Katusha Alpecin) Fünfter.

Bettiol hatte sich 18 Kilometer vor dem Ziel am Oude Kwaremont aus der Favoritengruppe davon gemacht und sich bis zum Paterberg, dem letzten Anstieg des Tages, einen kleinen Vorsprung herausgefahren. Diesen behauptete der Italiener auf den letzten 14 flachen Kilometern und gewann so erstmals in seiner Karriere ein UCI-Rennen.

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104. Flandern-Rundfahrt 2020: Mathieu van der Poel
Bei der wegen der Corona-Pandemie in den Oktober verlegten 104. Austragung kam es zum erwartet packenden Dreikampf zwischen Mathieu van der Poel (Alpecin - Fenix), Wout Van Aert (Jumbo - Visma) und Julian Alaphilippe (Deceuninck - Quick-Step). Das Trio hatte sich nach Attacken am Koppenberg und Taaienberg formiert. Allerdings kollidierte der Franzose 35 Kilometer vor dem Ziel mit einem Begleitmotorrad und musste das Rennen aufgeben. So machten van der Poel und Van Aert in einem packenden Zweiersprint den Sieg unter sich aus, wobei sich der Niederländer hauchdünn durchsetzte.

Mit acht Sekunden Rückstand gewann Alexander Kristoff (UAE Team Emirates) den Sprint um Platz drei, bester Deutscher war John Degenkolb (Lotto Soudal) als Neunter.

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