RSNplusRSN-Rangliste, Platz 69: Ben Zwiehoff

Im zweiten Jahr so richtig angekommen auf der Straße

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "Im zweiten Jahr so richtig angekommen auf der Straße"
Ben Zwiehoff (Bora - hansgrohe) | Foto: Cor Vos

08.11.2022  |  (rsn) – Zwei Jahre ist Ben Zwiehoff (Bora - hansgrohe) nun WorldTour-Profi, und mittlerweile kann er sagen: "Ich fühle mich jetzt richtig angekommen im Peloton. Das war 2021 auf jeden Fall noch nicht so." Nachdem der 28-Jährige Ende 2020 den Quereinstieg vom Mountainbiken in den Straßenradsport wagte, deutete er schon in seiner ersten Saison - sowie bereits bei vorherigen Leistungstests - großes Potenzial an. 2022 nun gelang es ihm aber auch, ersten Rennen seinen Stempel aufzudrücken - sei es als loyaler Helfer, oder auch als Angreifer auf Ergebnisjagd.

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Gleich zu Jahresanfang fuhr er bei der Mallorca Challenge zweimal in die Top Ten und im April roch er bis zu einem späten Sturz am Etappensieg bei der Tour of the Alps. Doch der Höhepunkt kam im Mai, als er sich unterordnete: als Helfer in Diensten von Giro-Sieger Jai Hindley.

"Die erste Hälfte des Jahres war ziemlich überragend", fasste Zwiehoff nun kurz und knapp gegenüber radsport-news.com zusammen. "Und der Giro war natürlich das absolute Highlight für uns alle. Das Halbjahr ging gefühlt so schnell rum wie sonst ein Monat."

Nur ein Tag war richtig ärgerlich

Zwiehoff glänzte bereits auf Mallorca, half dann Aleksandr Vlasov zum Sieg bei der Valencia-Rundfahrt und ließ sich auch von einer Corona-Infektion anschließend nur kurz ausbremsen. Zum Gesamtsieg von Sergio Higuita bei der Katalonien-Rundfahrt trug er bei, bevor ihn ein Höhentrainingslager in Top-Form zur Tour of the Alps und schließlich zum Giro brachte.

"Bei der Tour of the Alps wollte ich die 1. Etappe gewinnen und war auch der Stärkste dort vorne, denke ich. Aber dann habe ich mich auf die Nase gelegt. Das war das Einzige, worüber ich mich dieses Jahr richtig ärgere. Ich hatte an dem Tag super Beine und bin vorne spielerisch allen um die Ohren gefahren", so Zwiehoff, der dort in der sechsköpfigen Ausreißergruppe des Tages saß und 20 Kilometer vor Schluss gemeinsam mit Geoffrey Bouchard (AG2R Citroen) alle stehen ließ. Dann aber ging er zu Boden. Während Bouchard die Etappe als Solist gewann, musste Zwiehoff seine Wunden lecken.

Auf der 1. Etappe der Tour of the Alps war der Etappensieg für Ben Zwiehoff (links) drin. | Foto: Cor Vos

Doch der gebürtige Essener hatte Glück im Unglück: Sein Giro-Start geriet nicht in Gefahr. So wurde Zwiehoff Teil des Märchens in Rosa, das seine Mannschaft im Mai schrieb und durfte mit zu Ende bringen, was das Team gemeinsam ein halbes Jahr lang vorbereitet hatte.

Schon im Herbst 2021 wusste Zwiehoff, dass sein Team den Giro fest mit ihm plante. "Eine Ehre" sei das gewesen, als nach nur einem Jahr als Straßenprofi dieses Vertrauen in ihn gesetzt wurde, bei der Grand Tour, auf die es für das Team 2022 besonders ankommen sollte, als Helfer mit dabei zu sein. Die Auswahl des Kaders für Italien stand früh. "Es war für uns alle extrem wichtig, dass wir gemerkt haben, dass auf uns Acht gesetzt wird. So konnte da Teamspirit entstehen. Das war, glaube ich, wirklich einer der Erfolgsfaktoren überhaupt."

Schon ab dem ersten Trainingslager wuchs eine Truppe zusammen, die in Italien durch großes Teamwork glänzte – gekrönt durch den Gesamtsieg natürlich, doch ausgelebt bereits durch eine insgesamt beeindruckende Fahrweise.

Teamwork machte Zwiehoff großen Spaß

"Die Turin-Etappe war ein Augenöffner für das ganze Team, dass wir wirklich etwas reißen können. Wir haben schon eine Woche vorher darüber gesprochen und am Anfang war das 'Commitment' gar nicht so riesig. Alle dachten, dass es vielleicht auch etwas zu viel Risiko ist. Aber dann haben wir an dem Tag Freestyle gemacht und es hat einfach jedes Rad ins andere gegriffen. Am Ende war der Tag ein Musterbeispiel, wie perfektes Teamwork bei einer Rundfahrt aussehen kann", schwärmte Zwiehoff rückblickend.

Höhepunkt des Jahres: Der Giro-Sieg von Jai Hindley bedeutet auch Ben Zwiehoff sehr viel. | Foto: Cor Vos

Dieses Teamwork sei es, was ihm im Straßenradsport so gut gefalle. "Ich war schon immer eher ein Teamplayer – das kam mir beim Mountainbiken immer etwas zu kurz", so der 28-Jährige, dessen große Stärke das auch sei: "Das Team weiß, was es an mir hat: Nämlich einen sehr loyalen Helfer bei großen Rundfahrten, der sich zu 100 Prozent in den Dienst der Kapitäne stellt. Ich denke, von der Art Fahrer gibt es nicht unendlich viele auf dem Markt."

Zur Belohnung für seine Mitarbeit und auch das immer weiter bestätigte persönliche Leistungspotential bekam Zwiehoff schon direkt nach dem Giro einen neuen Zweijahresvertrag bis Ende 2024.

"Ich denke, im Team wissen alle, dass da noch mehr kommen kann", so Zwiehoff. "Aber mein Anspruch ist auch, dass ich jetzt den nächsten Schritt mache. Ich will irgendwann auch selbst Rennen gewinnen."

Bei der eigenen Chance fehlte die Rennhärte

Eine Chance dazu bekam Zwiehoff im August bereits bei der Sazka Tour (Kat. 2.1) in Tschechien. Dort durfte er auf eigene Kappe fahren. Doch auch wenn er bei der ersten Bergankunft in Pustevny bis 500 Meter vor Schluss gemeinsam mit Rein Taaramäe (Intermarché - Wanty - Gobert) das Rennen anführte, so reichte es am Ende doch nur zum 14. Gesamtrang – ein gutes, solides Ergebnis. Doch Zwiehoff konnte damit im Rückblick nicht ganz zufrieden sein. "Ich bin eigentlich mit dem Gefühl angereist, richtig in Top-Form zu sein, hatte aber in der letzten halben Stunde jeden Tag etwas zu knabbern. Das war schon nervig", gab er zu.

Ben Zwiehoff war Teil des erfolgreichen Giro-Teams von Bora - hansgrohe. | Foto: Cor Vos

Ende Juni war er kurz vor der Deutschen Meisterschaft krank geworden und auch die Sibiu Tour in Rumänien im Juli musste er deshalb nach einem Tag abbrechen. So kam Zwiehoff mit nur einem echten Renntag seit dem Giro-Ende nach Tschechien zur Sazka Tour. "Ich hatte nicht die nötige Rennhärte, um aufs Podium zu fahren. Das kann man dann doch nicht simulieren im Training", analysierte er.

"Im Spätsommer ging es dann wieder besser und ich hatte im Piemont zum Saisonabschluss nochmal extrem gute Beine. Ich denke an dem Tag war ich einer der Stärksten im Feld, aber dass ich im 30-Mann-Feld dann nicht aufs Podium sprinte, ist auch klar." Bei Gran Piemonte wurde Zwiehoff Anfang Oktober 21., als das zuvor selektive Rennen schließlich doch im Sprint eines dezimierten Feldes entschieden wurde – alles andere als die Stärke des Ex-Mountainbikers.

"Relativ sicher, dass ich am Berg zu den Stärksten gehören kann"

Im kommenden Jahr will Zwiehoff, der im April zum ersten Mal Vater wird, den nächsten Schritt machen. Nachdem er sich 2022 im Peloton etabliert hat, soll die eigene Leistungsfähigkeit nun weiter ansteigen. "Wenn ich im Rennen an meine Werte rankomme, die ich im Training fahren kann, bin ich mir relativ sicher, dass ich am Berg zu den Stärksten gehören kann und gute Ergebnisse von alleine kommen", meinte er.

Ben Zwiehoff sieht sich selbst als loyaler Helfer. | Foto: Cor Vos

Während er bei großen Mehretappenrennen auch 2023 in die Helferrolle schlüpfen dürfte, will Zwiehoff kleine Rundfahrten in Zukunft anvisieren, um auf eigene Kappe zu fahren. Deshalb seien Erfahrungen aus der Sazka Tour auch wichtig gewesen. "Was ich noch lernen musste, ist im Rennen als Leader zu kommunizieren, was ich brauche", erklärte er beispielsweise.

Doch bevor es zu Etappenrennen geht, hofft der 28-jährige, dass er Ende Januar wieder auf Mallorca in seine Saison starten kann. Dort lief es 2022 gut und dort will er auch 2023 wieder mit einem starken Saisonauftakt in einen guten 'Flow' kommen. "Ich bin immer sehr früh gut in Form und hoffe daher, dass ich ein gutes Frühjahr fahre und dem Team dabei helfen kann, früh gute Ergebnisse zu holen."

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