RSNplusRSN-Rangliste, Platz 51: Pierre-Pascal Keup

Eindrucksvoll gezeigt, was in ihm steckt

Von Christoph Adamietz

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Pierre-Pascal Keup (Lotto - Kern Haus) bestritt die Tour Alsace für die U23-Nationalmannschaft und war am Schlusstag bester Fahrer seines Teams| Foto: Team Lotto - Kern Haus

16.11.2022  |  (rsn) – Hinter Pierre-Pascal Keup (Lotto – Kern Haus) liegt ein ausgesprochen erfolgreiches Jahr. In seiner dritten U23-Saison feierte der Sachse in Italien seinen ersten UCI-Sieg, fuhr weitere Spitzenresultate heraus und bestritt vom Baby Giro über die Tour de l`Avenir bis hin zur Straßen-WM alle wichtigen U23-Rennen des Jahres.

"Ich bin mit der Saison mehr als zufrieden. An solche Erfolge habe ich zu Beginn der Saison nicht gedacht“, freute sich Keup im Gespräch mit radsport-news.com. Als einen Schlüssel zum Erfolg nannte er, dass er im Gegensatz zu den Jahren zuvor ohne schlimmere Verletzungen durch das Jahr gekommen sei. "So konnte ich zeigen, was in mir steckt“, fügte er an.

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Ein erstes kleines Ausrufezeichen setzte Keup mit Rang zwei in der Bergwertung der Olympia`s Tour (2.2), danach folgten ein siebter Platz zum Bundesliga-Auftakt in Bruchsal und ein ordentlicher 21. Rang bei der U23-Austragung von Lüttich-Bastogne-Lüttich. "Da habe ich das erste Mal gemerkt, dass ich in der Lage bin, vorne reinzufahren“, betonte der Allrounder.

Bei den Deutschen Meisterschaften im Sauerland war Pierre-Pascal Keup auf Rang 16 bester Fahrer von Lotto Kern Haus. | Foto: Cor Vos

So richtig startete Keup dann in Italien durch. Zunächst fuhr er beim Giro del Belvedere (1.2u) auf Rang zehn und nach Platz vier beim Bundesliga-Rennen im Erzgebirge folgte dann bei der Strade Bianche der U23 ein achter Platz.

Mit Strade Bianche noch eine Rechnung offen

Bei dem spektakulären Rennen über die Schotterpisten der Toskana wäre allerdings noch mehr möglich gewesen. Keup lag bis ins Finale hinein auf Podiumskurs, ehe ihn kurz vor dem Ziel ein Defekt zurückwarf. "Strade Bianche war echt cool. Ich habe da auch keine schlechten Erinnerungen an das Rennen, auch wenn das Glück nicht auf meiner Seite war. Das einzig Blöde war das schmale Gravelstück und die langsamen Motorräder vor einem. Macht sich bei einer Attacke eher schlecht“, erklärte Keup und kündigte Revanche an: "Mit dem Rennen habe ich noch eine Rechnung offen und freue mich schon auf nächstes Jahr.“

Bei der Coppa della Pace (1.2u) am darauf folgenden Tag fuhr sich Keup schließlich seine Enttäuschung über das verpasste Spitzenergebnis aus den Beinen und wurde Zweiter. Eine knappe Woche später folgte schließlich bei der Trofeo Alcide Degasperi (1.2) sein erster Sieg in einem UCI-Wettbewerb. "Diese beiden Rennen waren für mich absolute Highlights“, sagte Keup, der danach selbstbewusst zum Giro d`Italia der U23 reiste. Bei der schweren siebentägigen Rundfahrt landete Keup zum Auftakt auf Rang zehn und im weiteren Verlauf des Baby Giro ließ er noch einen sechsten Platz folgen. "Es war schon ein Highlight, bei dem Rennen zu starten und dann sind wir mit dem Team auch noch richtig stark gefahren“, befand Keup.

Bei der Straßen-WM im australischen Wollonggong startete Keup im U23-Rennen und belegte dort Rang 49.| Foto: Cor Vos

Im Elite-Straßenrennen der Deutschen Meisterschaften belegte der Fahrer von Lotto – Kern Haus im Sauerland einen ordentlichen 16. Platz und war damit sogar bester Fahrer seines Teams. Im Anschluss musste Keup dann seinen einzig echten Rückschlag einstecken, als er sich das Coronavirus einfing. "Es hatte mich ganz schön erwischt und es war schwer, wieder zurückzufinden“, beschrieb er die Folgen seiner Erkrankung. Mit Platz acht zum Auftakt der stark besetzten Tour de l`Ain (2.1) Anfang August, bei der er im Trikot der Deutschen Nationalmannschaft startete, “wusste ich, dass ich wieder zurück war“, so Keup.

Starker Heßmann-Helfer bei der Tour de l`Avenir

Als nächstes Highlight stand mit der Tour de l`Avenir auf dem Programm. Bei der wichtigsten U23-Rundfahrt des Jahres trug er nicht nur zum Sieg im Mannschaftszeitfahren bei, sondern als Helfer auch zum dritten Gesamtrang von Michel Heßmann. “Die l'Avenir war schon cool. Mit so einer Mannschaft fahren zu können, macht echt Spaß. Dass ich in den Bergen nur eine Helferrolle habe, war für mich von Anfang an klar. Mein Ziel war es, auf den ersten Etappen ein Top 10 Ergebnis einzufahren. Auf der ersten Etappe hätte ich es fast geschafft“, so Keup, der zum Auftakt Rang 16 belegte. "Letztlich fehlten mir in den ersten Tagen der Rundfahrt einfach die Beine dazu“, analysierte er rückblickend.

"Umso glücklicher“ sei er dann aber gewesen, auch in den Bergen einen guten Job für Kapitän Heßmann erledigen zu können. "Wenn man an der Spitze des Feldes fährt, kann man das ganze Rennen auch mal genießen“, sagte Keup, der die Tour de l`Avenir härter als den U23-Giro empfand. Seinen letzten Saisoneinsatz hatte er schließlich erneut mit der U23-Nationalmannschaft bei der Straßen-WM in Australien.

In Wollongong war Keup einer der Helfer des deutschen Kapitäns Michel Heßmann (vorn). | Foto: Cor Vos

Trotz seiner guten Leistungen blieb Keup der Sprung zu den Profis vorerst noch verwehrt. In seinem letzten U23-Jahr will er nun nochmals angreifen. "Ich habe mit den U23-Rennen noch nicht abgeschlossen. Ich will es noch einmal schaffen, Top-Resultate einzufahren“, blickte er voraus und gab auch das Ziel aus, Profi werden zu wollen. "Dafür ist sicherlich noch ein Sieg notwendig. Am liebsten wäre mir der auf einer Etappe des Baby Giro“, lautete Keups das Wunschszenario.

Durch die Kooperation mit Bora – hansgrohe und der daraus resultierenden Verpflichtung der beiden Top-Junioren Mathieu Kockelman und Romet Pajur wird die teaminterne Konkurrenz bei Lotto – Kern Haus allerdings noch größer werden. Keup allerdings sah das eher als Ansporn.

 “Ich freue mich darauf, dass weitere gute U23-Fahrer im Team haben. Gerangel bedeutet das nicht. Nur mehr taktische Möglichkeiten im Rennen. Allein gewinnt man nicht. Außerdem will man Erfolge mit dem Team feiern können und nicht allein. Und bei 50 Renntagen im Jahr wird jeder eine Chance bekommen“, sagte der Puncheur mit einer “Vorliebe für eine offensive Fahrweise“.

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