RSNplusWorldTeams 2024: Visma – Lease a Bike

Auch für die Ära nach Roglic und Jumbo gut gerüstet

Von Kevin Kempf

Foto zu dem Text "Auch für die Ära nach Roglic und Jumbo gut gerüstet"
Fahrer von Visma - Lease a Bike bei der Teampräsentation | Foto: Cor Vos

06.02.2024  |  (rsn) – Jumbo und Primoz Roglic verließen zum 31. Dezember Visma - Lease a Bike. Die Supermarktkette war seit 2015 einer der beiden Namenssponsoren der Mannschaft, der Slowene kam ein Jahr später dazu und entwickelte sich danach zu einem der weltbesten Profis. 73 Rennen gewann der ehemalige Skispringer im schwarz-gelben Trikot, darunter vier Grand Tours und vierzehn weitere WorldTour-Rundfahrten. Doch sowohl der Abgang des mittlerweile 34-jährigen Roglic als auch jener des Hauptsponsors wurden gut aufgefangen.

Der bisherige Co-Sponsor Visma ist in die erste Reihe gerückt, mit Lease a Bike wurde ein neuer Geldgeber gefunden. Und auch in sportlicher Hinsicht hätte die Transferphase schlechter laufen können. Zwar wird Roglics Weggang zu Bora – hansgrohe kurzfristig nicht zu kompensieren sein, mit Cian Uijtdebroeks wurde aber ein hoch talentierter Rundfahrer verpflichtet, der quasi im Gegenzug vom Raublinger Rennstall zum niederländischen Top-Team kam.

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2023 gewann Jumbo - Visma alle dreiwöchigen Rundfahrten. Diesen epochalen Triumph zu wiederholen wird schwer, denn ohne Roglic bleiben mit Tour-Gewinner Jonas Vingegaard und Sepp Kuss nur Siegkandidaten, wobei beim US-Amerikaner, der im Herbst überraschend die Vuelta gewann, auch noch Abstriche gemacht werden müssen. Uijtdebroeks, Matteo Jorgenson, Ben Tulett und Neoprofi Johannes Staune-Mittet verstärken zwar die Rundfahrerfraktion und machen die Abgänge von Tobias Foss, Rohan Dennis, Sam Oomen und Gijs Leemreize mehr als nur wett. Mit Ausnahme von Uijtdebroeks ist aber keinem aus diesem Quartett ein Grand-Tour-Spitzenergebnis zuzutrauen

Jonas Vingegaard (links), Sepp Kuss (Mitte) und Primoz Roglic bescherten Jumbo – Visma bei der Vuelta a Espana einen historischen Dreifachsieg . | Foto: Cor Vos

Auch bei den Frühjahrsklassikern wird Visma – Lease a Bike wieder den stärksten Block stellen. Zwar musste Nathan van Hooydonck wegen Herzproblemen seine Karriere beenden und auch Jos van Emden, der sein Rad ebenfalls an den Nagel hängt, und Timo Roosen werden auf dem Kopfsteinpflaster fehlen. Doch mit Wout van Aert, Christophe Laporte, Dylan van Baarle, Tiesj Benoot und Olav Kooij wurden die Ergebnislieferanten gehalten. Die Neuzugänge Jorgenson und Toptalent Per Strand Hagenes sollten die Abgänge schnell vergessen machen.

Im Sprint bleibt alles beim Alten. Mit Kooij hat die Mannschaft einen Weltklassemann im Aufgebot. Van Aert tritt gelegentlich ebenfalls bei Massenankünften in Erscheinung und übte sich auch schon sehr erfolgreich als Anfahrer. Hinter den beiden tut sich allerdings eine große Lücke auf, bei kleineren Rennen durften deswegen die Zwillinge Mick und Tim van Dijke gelegentlich ihr Glück versuchen. Für standesgemäße Ergebnisse konnten die vom Mountainbike kommenden Brüder dabei aber nicht sorgen.

Das Problem eines sehr kleinen Kaders haben die Niederländer erst Anfang des Jahres mit dem Neuzugang von Julien Vermote gemildert. Doch auch mit dem erfahrenen Belgier an Bord besteht das Team aus nur 28 Fahrern, zwei weniger als von der UCI erlaubt. Weiter zum Aufgebot gehört auch Michel Heßmann. Der einzige deutschsprachige Fahrer im Team ist wegen Dopingverdachts seit August 2023 suspendiert. Kürzlich hat die Staatsanwaltschaft Freiburg aus Mangel an Beweisen die Ermittlungen gegen ihn eingestellt. Noch steht aber die sportrechtliche Entscheidung aus. Sollte es trotz der zwei Last-Minute-Neuzugänge Uijtdebroeks, der erst nach einem aufsehenerregenden Transferpoker von Bora – Hansgrohe losgeeist wurde, und Vermote Probleme geben, wird Visma – Lease auf Gastfahrer aus der Nachwuchsmannschaft vertrauen müssen. Damit war man 2023 bereits äußerst erfolgreich, so hat Strand Hagenes drei Siege mit der Profimannschaft gefeiert, unter anderem beim Münsterland Giro (1.Pro).

Der Top-Transfer 2024:
Obwohl Jorgenson und die beiden norwegischen Neoprofis Strand Hagenes und Staune-Mittet echte Verstärkungen darstellen, war Uijtdebroeks der unbestreitbare Top-Transfer. Der Belgier wurde bei seinem Grand-Tour-Debüt Achter der Vuelta a Espana und beendete fünf seiner sechs Rundfahrten unter den besten Zehn. Nur eine Krankheit bei der Tour of the Alps (2.Pro), wo er auf der 2. Etappe ausstieg, verhinderte die perfekte Serie.

In der Rundfahrerfraktion wird der 20-Jährige auf Anhieb eine Chance bekommen. Beim Giro d’Italia darf Uijtdebroeks ohne Druck auf Klassement fahren. Eine solche Rolle war bei den Niederländern in der Vergangenheit nur selten zu besetzen, denn mit Roglic oder Vingegaard war meist mindestens einer der beiden Top-Rundfahrer am Start.

Im Fokus:
Jorgenson war 2023 der beste Fahrer der Movistar-Mannschaft. Das gleiche Kunststück wird ihm in seinem neuen Team kaum gelingen, doch der US-Amerikaner ist ein äußerst vielseitiger Fahrer. Die spannende Frage wird sein, wie sein neues Team ihn einsetzen will. Letzte Saison startete Jorgensen erstmals öfters in Flandern. Der 24-Jährige, der als Klettertalent galt, überraschte dabei als Vierter der E3 Classic (1.UWT) und Neunter der Flandern-Rundfahrt (1.UWT). In seinem Rennplan stehen in den nächsten drei Monaten fünf belgische Frühjahrsklassiker und Paris-Roubaix.

Cian Uijtdebroeks erschien bei der Teampräsentation im neuen Trikot, bevor der Transfer offiziell unter Dach und Fach war. | Foto: Cor Vos

Jorgenson überzeugte allerdings nicht nur auf Kopfsteinpflaster. Auf seinem eigentlichen Spezialterrain klappte es ebenfalls besser als je zuvor. Er gewann die Tour of Oman (2.1) inklusive einer Etappe und beendete drei WorldTour-Rundfahrten unter den besten Zehn, wobei er vor allem als Zweiter der Tour de Romandie glänzte. Bei der Tour de France schien er am Puy de Dome auf dem Weg zum Tagessieg zu sein, doch auf den extrem steilen letzten Kilometern ging ihm die Kraft aus und er kam als Vierter ins Ziel. Seine Rundfahrt- und Kletterkünste darf der Allrounder aller Voraussicht nach bei der Tour de France im Dienst von Vingegaard beweisen.

Das Aufgebot:
Edoardo Affini (Italien / 27), Tiesj Benoot (Belgien / 29), Koen Bouwman (Niederlande / 30), Robert Gesink (Niederlande / 37), Thomas Gloag (Großbritannien / 22), Per Strand Hagenes (Noregen / 20), Michel Heßmann (Deutschland / 22), Matteo Jorgensen (USA / 24), Wilco Kelderman (Niederlande / 32), Olav Kooij (Niederlande / 22), Steven Kruijswijk (Niederlande / 36), Sepp Kuss (USA / 29), Christophe Laporte (Frankreich / 31), Bart Lemmen (Niederlande / 28), Johannes Staune – Mittet (Norwegen / 21), Jan Tratnik (Slowenien / 33), Ben Tulett (England / 22), Cian Uijtdebroeks (Belgien/ 20), Milan Vader (Niederlande / 27), Attila Valter (Ungarn / 25), Wout van Aert (Belgien / 29), Dylan van Baarle (Niederlande / 31), Loe van Belle (Niederlande / 21), Tosh van der Sande (Belgien / 33), Mick van Dijke (Niederlande / 23), Tim van Dijke (Niederlande / 23), Jonas Vingegaard (Dänemark / 27)

Davon Neuzugänge:
Matteo Jorgensen (Movistar), Ben Tulett (Ineos Grenadiers), Cian Uijtdebroeks (Bora – hansgrohe), Bart Lemmen (Human Powered Health), Per Strand Hagenes, Johannes Staune – Mittet, Loe van Belle (alle Jumbo – Visma Development)

Teamleitung:
Manager: Richard Plugge
Sportdirektoren: Merijn Zeeman
Sportliche Leiter: Addy Engels, Arthur van Dongen, Mathieu Heijboer, Frans Maassen, Grischa Niermann, Michal Szyszkowski, Robert, Wagner, Maarten Wynants

Material:
Rahmenhersteller: Cervelo
Gruppe: SRAM
Laufräder: Reserve Wheels
Reifen: Vittoria
Trikot: AGU
Helm: Giro

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