Verstrynge hinter tragischem Helden Aerts Dritter

Vanthourenhout gewinnt Weltcup-Spektakelcross in Namur

Von Kevin Kempf

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Michael Vanthourenhout (Pauwels Sauzen - Bingoal) bejubelt seinen dritten Sieg in Serie. | Foto: Cor Vos

15.12.2024  |  (rsn) – Beim Weltcup in Namur sorgten der schwere Kurs und der Regen für ein spektakuläres Rennen mit vielen Stürzen, Chaos und konstant neuen Situationen. Michael Vanthourenhout (Pauwels Sauzen – Bingoal) war am Ende der matschverschmierte aber lachende Sieger und baute seine Gesamtführung damit aus. Er gewann vor Toon Aerts (Deschacht - Hens – FSP). Der Belgier ging mit vier Sekunden Vorsprung auf die letzte Passage der gefürchteten Traverse und büßte dort nach einem erneuten Sturz alle Hoffnungen auf den Sieg ein.

Überraschungsdritter wurde Emiel Verstrynge (Crelan – Corendon), der zu Beginn der Schlussrunde seine beiden Landsleute attackierte und erst durch einen Sturz in einer Abfahrt definitiv aus dem Kampf um den Sieg ausschied. Der Niederländer Pim Ronhaar (Baloise – Trek Lions) wurde Vierter vor seinem Landsmann und U23-Weltmeister Tibor del Grosso (Alpecin – Deceuninck).

Es läuft rund bei Pauwels Sauzen

Für Vanthourenhout war es nach Dublin und Herentals der dritte Erfolg in Serie, direkt davor hatte sein Teamkollege Eli Iserbyt die Rennen in Antwerpen und Kortrijk gewonnen. Es läuft also rund bei Pauwels Sauzen. Und wenn es läuft, dann kommt oft auch noch das Glück hinzu - denn der Sieg in Namur war eigentlich schon fast weg. Zum zweiten Mal hatte Aerts an der gleichen Stelle den Kontakt zu seinem Rad verloren und dem mit dem Boden aufgenommen.

“Das war ein dummer Fehler. Alle wissen, dass das die Traverse schwer ist. Es war heute dort einfach nicht mein Tag. Am Anfang bin ich da laufend einmal gestürzt und am Schluss war ich einfach komplett fertig – da habe ich diesen Riesenfehler gemacht“, war der Flame im Ziel sehr enttäuscht.

So ging der Sieg wieder an Vanthourenhout: “Die letzten Wochen war das Glück an meiner Seite. Ich dachte eigentlich, dass es schon vorbei war, wusste aber auch, dass man in der Traverse Probleme haben kann, wenn man am Anschlag ist“, blickte der 31-Jahrige zurück. “Ich habe Toons Crash dann gesehen und bin einfach Vollgas bis zum Ziel gefahren“, fügte er nach seinem vierten Saisonerfolg an.

Verstrynge erreichte nicht nur sein erstes Podium in einem Weltcup, sondern das erste Top-3-Ergebnis in einem Wertungscross bei der Elite. Seine Premierenaison bei der Elite verlief für den 22-Jährigen bislang nicht reibungslos. In Namur stand er erst zum fünften Mal an der Startlinie; mit Platz sechs beim Exact Cross in Essen und Rang zehn bei der Superprestige in Niel hatte er bis dato seine besten Ergebnisse.

Hannes Degenkolb (Heizomat – Herrmann) erwischte aus einer der hinteren Reihe einen sehr guten Start und ging als 17. ins Gelände. Diese Position konnte er aber nicht halten, in der 2. Runde wurde er zunächst von Eike Behrens (Stevens) und dann ebenfalls von Marcel Meisen (RTF) überholt. Einen Umlauf später kassierte der Routinier auch seinen ehemaligen Teamkollegen. Von jenseits der besten 40 wühlte sich der Deutsche Meister noch vor auf Platz 26, womit er der Beste der sieben deutschen Teilnehmer war. Schnellster der jungen Garde war Degenkolb auf Rang 33.

Nach drei von elf Weltcups führt Vanthourenhout im Klassement mit 27 Zählern Vorsprung auf Aerts. Dritter ist Laurens Sweeck (Crelan – Corendon), der in Namur Sechster wurde. Er liegt 38 Punkte hinter dem Spitzenreiter. Der nächste Lauf findet am 21. Dezember in Hulst statt.

So lief der Weltcup in Namur:

Die beiden Charles-Liégois-Roastery-Fahrer Kevin Kuhn und Gerben Kuypers erwischten einen Traumstart und belegten schnell die ersten beiden Plätze. Erst an der Traverse wurden sie von Aerts überholt. Das Trio erreichte die erste Zielpassage drei Sekunden vor Sweeck und derer sechs vor den nächsten Verfolgern. Im folgenden langen Anstieg kamen Sweeck, dessen Teamkollege Verstrynge und Aerts' Mannschaftsgefährte Victor van de Putte heran.

Während Iserbyt sich bei einem Sturz ein blutendes Knie einhandelte, schlossen auch Joran Wyseure (Crelan – Corendon), Thibau Nys (Baloise – Trek Lions) und U23-Weltmeister Tibor del Grosso (Alpecin – Deceuninck) zur Spitze auf. Diese große Gruppe konnte auf dem schwierigen Kurs aber nicht lange zusammen bleiben. Kuhn und Kuypers forcierten und ihre Konkurrenten fielen zurück. Aerts fiel buchstäblich, als er an der Traverse ausrutschte und unter der Absperrung durch in den Zuschauern verschwand. Nys hingegen verlor durch einen Platten viel Zeit.

Kuhn nahm den dritten Umlauf vier Sekunden vor Verstrynge und Kuypers in Angriff. Dahinter lauerte Vanthourenhout, der in kürzester Zeit mit Verstrynge und Kuypers zum Schweizer. Der konnte daraufhin den drei Belgiern nicht mehr folgen und ging mit Aerts 14 Sekunden nach dem Spitzentrio in die vierte von neun Runden.

Das Chaos geht weiter

Während die Regie weiterhin Mühe hatte die zahlreichen Stürze und Inzidente allesamt in Bild zu bringen, schien sich das Renngeschehen langsam zu beruhigen – ein Trugschluss! Aerts war nicht zufrieden mit der Lage, ließ Kuhn hinter sich kam fast an seine Landsleute heran. Dann aber erhöhte Verstrynge das Tempo, dem Kuypers nicht folgen konnte. Der wies bei der nächsten Zielpassage sechs Sekunden Rückstand auf und lag damit derer fünf vor Aerts.

Im direkt folgenden langen Anstieg schoben sich die ersten Vier wieder weiter zusammen. Kuypers schaffte den Anschluss – um kurz danach durch einen Ausrutscher erneut zurückzufallen. An der Traverse kam er mit Aerts ein weiteres Mal zur Spitze. Dahinter tauchte aber auch Pim Ronhaar (Baloise – Trek Lions) auf, der sich aus der Verfolgergruppe, die ebenfalls in Sichtweite war, gelöst hatte. Verstrynge machte nun wieder Druck, wodurch er die Gruppe erneut sprengte. Vanthourenhout folgte ihm in die sechste Runde, Aerts lag sieben Sekunden hinten, Kuypers lag zwei Sekunden vor Ronhaar derer zwölf hinter dem Spitzenduo.

Völlig Überraschend konnte nun auch Vanthourenhout nicht mehr mit seinem jungen Landsmann mitgehen. Der wurde von Aerts eingeholt, während Kuypers ein zweites Mal stürzte und so Boden verlor. Verstrynge erreichte die Zielgerade sechs Sekunden vor Vanthourenhout, der genau diesen Vorsprung auf Aerts herausgefahren hatte. Im langen Anstieg kämpfte sich Vanthourenhout zurück zum Führenden. Dessen Beine wurde nun sichtbar schwer, trotzdem kam er mit dem Weltcupführenden gemeinsam zum Beginn des achten Umlaufs. Aerts folgte fünf Sekunden später, Ronhaar hatte den Anschluss verloren.

Aerts kommt heran

Den schaffte dafür Aerts kurz nach dem langen Anstieg, den Vanthourenhout voll gefahren war. Im steilen Kopfsteinpflasteranstieg vor der Traverse übernahm Aerts die Führung, doch Vanthourenhout konterte und ging als Erster in die technisch schwierige Passage, die alle drei gut meisterten. Schlechter erging es Kuypers, der nach einem von den Kameras nicht erfassten Sturz am Streckenrand sitzenblieb und verletzt aufgeben musste.

Die Glocke für die Schlussrunde hörte das belgische Trio 22 Sekunden vor Ronhaar. Vor dem langen Anstieg griff Verstrynge an. Bergauf konterte Aerts aber. Seine beiden Konkurrenten hatten keine Antwort parat und mussten eine Lücke von zwei Sekunden aufgehen lassen. Die verdoppelte er auf den nächsten Metern, doch in der Abfahrt zum tiefsten Punkt der Strecke halbierte Vanthourenhout seinen Rückstand wieder. Auf steilen Passage hinab zum Kopfsteinpflasteranstieg stürzte Verstrynge, wodurch er alle Aussichten auf den Sieg verlor.

Im Anstieg baute Aerts den Vorsprung wieder auf vier Sekunden aus, doch in der Traverse kam er erneut in Probleme und stieg über den Lenker ab. Vanthourenhout zog an seinem Gegner vorbei und riss sofort ein Loch. Aerts resignierte und sorgte so für einen Antiklimax auf den letzten drei Minuten. Vanthourenhout gewann elf Sekunden vor Aerts, Verstrynge behauptete seinen Podiumsplatz.

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