RSNplusStaunen über das hohe Tour-Tempo

Schachmann wünscht Lipowitz alles Gute und Evenepoel das Podium

Von Joachim Logisch aus Peyragudes

Foto zu dem Text "Schachmann wünscht Lipowitz alles Gute und Evenepoel das Podium"
Maximilian Schachmann (Soudal – Quick-Step) | Foto: Cor Vos

19.07.2025  |  (rsn) - Schon fast entspannt erreichte Maximilian Schachmann (Soudal – Quick-Step) das Ziel des Bergzeitfahrens der Tour de France in Peyragudes 1580 Metern über dem Meer. Vor den nächsten, wieder fordernden Tagen hatt er ohne Druck fahren können.

“Für mich ging es ja um nichts. Ich bin meinen Rhythmus gefahren, man weiß ja nie, wie schnell die vorn sind. Eigentlich war genug Time Cut (Zeitlimit). Mein Radio hat nicht funktioniert. Ich bin ohne großen Stress gefahren“, schilderte er gegenüber RSN seinen Arbeitstag nach der Zieldurchfahrt.

Auf der letzten Etappe in den Pyrenäen ist der gebürtige Berliner wieder mehr gefordert, wenn er für seinen Kapitän Remco Evenepoel arbeiten muss. Der Doppel-Olympiasieger ist zurzeit nicht auf seinem Leistungshöhepunkt und kämpft mit dem jungen Deutschen Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) um den dritten Platz auf dem Podium in Paris.

___STEADY_PAYWALL___ “Remco hatte gesagt, dass er sich nicht gut fühlt. Das kann passieren. Ich hoffe, das war sein schlechter Tag“, erklärte Schachmann die überraschende Schwäche seines Kapitäns während der 12. Etappe nach Hautacam, die auch im Bergzeitfahren noch anhielt, in dem Evenepoel weitere 43 Sekunden verlor und gerade noch sechs Sekunden Vorsprung auf Lipowitz rettete.

Maximilian Schachmann (Soudal – Quick-Step, li.) steht bei der Tour de France in Diensten von Remco Evenepoel (Mi). | Foto: Cor Vos

Die Hitze und das mörderische Tempo dieser Tour, die dabei ist, einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufzustellen, stellt Edelhelfer wie Schachmann vor große Aufgaben. Die Durchschnittsgeschwindigkeit der ersten 13 Etappen liegt bei 44,442 km/h. Die schnellste Tour aller Zeiten fuhr Tadej Pogacar 2021 mit 41,2 km/h im Schnitt.

Dass auch gefühlt sehr schnell gefahren wird, bestätigte Schachmann: “Ja, ich war gestern (12. Etappe) in der Gruppe. Bevor wir in den Berg rein sind, hatte ich schon über 300 Watt im Schnitt“, staunte auch der 31-Jährige und suchte nach einer Erklärung: “Ich habe mir dazu Folgendes gedacht. Bei anderen Rennen denkt man, man fährt und fragt sich, wer kann jetzt noch schneller fahren? Bei der Tour habe ich das Gefühl, es wird voll losgefahren und dann kommt es darauf an, wer kann so lange so schnell fahren. Sozusagen auf die Plätze fertig los und ins Ziel.“

“Viel gemacht – immer im Wechsel Tim, Remco, Tim, Remco“

Dazu kommt die extreme Hitze von weit über 30 Grad in den letzten Tagen. “Nach Hautacam hoch hatte ich einen kleinen Hitzeschlag. Ich war zweimal danach im Eisbad im Camper-Van, da kann man hinten Eisbad machen, da sitze ich drin. Im Rennen ist es schwer, man muss trinken, und sich kühlen. Ich habe aber meine Flaschen über Remco und Ilan (van Wilder) geschüttet. Danach hatte ich aber nichts mehr, musste aber weiterfahren und bin dann explodiert.“

Im Bergzeitfahren der 13. Etappe konnte es der Deutsche Meister vergleichsweise gemächlich angehen lassen. | Foto: Cor Vos

Die ersten 13 Etappen haben auch bei ihm Spuren hinterlassen. “Jeder spürt die Tage, mir geht es eigentlich ganz gut. Ich bin nicht in meiner besten Kondition hier angereist, dafür halte ich mich aber ganz vernünftig.“ Dabei muss er nicht nur für Evenepoel fahren. “Ich habe von Tag 1 viel meine Nase in den Wind gehalten und viel gemacht – immer im Wechsel Tim, Remco, Tim, Remco“, beschrieb er seine Aufgabe als Diener zweier Herren. Evenepoel muss er im Kampf um die Gesamtwertung unterstützen, Sprinter Tim Merlier auf der Jagd nach Etappensiegen.

"Lipowitz fährt ein Wahnsinnsrennen"

“Ich hoffe natürlich, es läuft weiterhin so gut. Wir können bisher zufrieden sein, haben in der ersten Woche schon drei Etappen (2 Merlier, 1 Evenepoel, d. Red.) gewonnen. Von daher kann es keine schlechte Tour mehr werden“, bilanzierte er die gute Ausbeute seiner Mannschaft. Doch ein Haken ist auf der Bucket List ist noch nicht gesetzt. Schachmann: “Das große Ziel ist eben, Remco aufs Podium zu bringen. Das ist kein einfaches Ziel. Jetzt geht es da drum, wer kann sich von den ganzen Strapazen erholen und in der dritten Woche sieht man meistens Überraschungen.“

Die soll natürlich sein Chef abliefern, am besten aber schon heute auf dem Weg von Pau über den Tourmalet zur letzten Pyrenäen-Bergankunft in Luchon-Superbagners, auch wenn er große Sympathien für seinen Landsmann Lipowitz hegt. “Er fährt extrem konstant dieses Jahr. Scheinbar wird er sogar noch besser. Lipowitz fährt ein Wahnsinnsrennen hier. Das ist natürlich super auch für die deutschen Fans. Ich wünsche ihm alles Gute. Klar, er ist ein Konkurrent. Ich hoffe auf ein faires Rennen, aber ich hoffe natürlich, dass Remco schneller ist.“

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