RSNplusLidl - Trek glänzte bei der Tour als Team

Grün ist abgehakt! Jetzt jagt Pedersen ein Monument

Von Paul Grosch

Foto zu dem Text "Grün ist abgehakt! Jetzt jagt Pedersen ein Monument"
Mads Pedersen (Lidl -Trek) gewann auch Dank seiner Kletterfähigkeiten das Grüne Trikot der Tour de France. | Foto: Cor Vos

27.07.2026  |  (rsn) – Mit zwei Zielen war Lidl – Trek zur Tour de France 2026 gereist: Etappensieg(e) und Grünes Trikot für Mads Pedersen! Der Däne bekam dazu fast ein ganzes Team an Helfern abgestellt. Der Plan ging voll auf, und am Ende wurden beide Ziele souverän erreicht. Außerdem sicherte sich das deutsche Team die Teamwertung. GC-Fahrer Juan Ayuso hingegen brach in den Bergetappen der Schlusswoche ein.

Bereits im Trainingslager im Januar hatte Lidl – Trek das Grüne Trikot als Ziel ausgegeben, nachdem im Vorjahr Teamkollege Jonathan Milan erfolgreich gewesen war. Obwohl die zu gewinnenden Punkte auf reinen Flachetappen von 50 auf 70 erhöht wurden und Pedersen nicht für extreme Schnelligkeit in Massensprints bekannt ist, gewann er die Sonderwertung am Ende mit 84 Punkten Vorsprung vor Jasper Philipsen (Alpecin – Premier Tech). ___STEADY_PAYWALL___

“Ein Ziel meiner Karriere habe ich nun erreicht. Es ist unglaublich, jetzt einen Schlussstrich unter dieses Kapitel zu setzen“, sagte der Däne im Flash-Interview am Samstag in Alpe d’Huez. Auf der Königsetappe sicherte sich Pedersen den Zwischensprint und damit rechnerisch schon einen Tag vor Paris das Grüne Trikot. Außerdem bewies er erneut seine außergewöhnlichen Kletterfähigkeiten, als er am 24 Kilometer langen Col de Croix de Fer nur eine Minute auf die Ausreißergruppe mit zahlreichen Bergspezialisten verlor und in der Abfahrt wieder Anschluss fand, um die danach folgende Zwischenwertung zu gewinnen.

Mads Pedersen (Lidl – Trek) gewann die 4. Etappe und erfüllte sich damit das erste seiner beiden Ziele bei der Tour de France | Foto: Cor Vos

“Ich habe jetzt nicht sehr viel Spaß daran, in den Bergen zu fahren. Aber es war eine Aufgabe, die ich erledigen musste“, sagte Pedersen in der Mixed Zone und scherzte danach: “Ich hatte es meinen Sportlichen Leitern versprochen, dass ich über den Croix de Fer kommen werde und das Grüne Trikot sichern werde. Das war vielleicht ein bisschen arrogant.“ Hier meinte der Weltmeister von 2019 sicherlich auch Luca Guercilena, der Lidl – Trek nach der Frankreich-Rundfahrt verlassen wird.

Vor der Schlussetappe in Paris wollte Pedersen den Italiener deshalb noch einmal hervorheben. “Ich freue mich am meisten, mit meinen Teamkollegen auf dem Podium stehen zu können – und mit Luca. Das ist das letzte Rennen mit ihm als Teamchef. Ich glaube, das ist das perfekte Abschiedsgeschenk für ihn“, sagte ein stolzer Pedersen. “Aber nicht nur wegen des Grünen Trikots. Er kann auch mit uns auf das Podium gehen, weil wir die Teamwertung gewonnen haben. Das wird für uns alle ein besonderer Moment.“

Guercilena hatte 15 Jahre lang die Geschicke von Lidl – Trek geleitet. Ab dem 1. August stellt sich das deutsche Team mit Andy Schleck und Grischa Niermann neu auf. Mit seiner letzten Chance gelang es Pedersen, seine Trikotsammlung der Punktewertungen aller Grand Tours unter Guercilena zu vervollständigen. Der Däne gewann 2022 und 2025 jeweils das Grüne Trikot bei der Vuelta a Espana. Hinzu kam das Lila Trikot des Punktebesten beim Giro d’Italia 2025.

Lidl - Trek wurde als beste Mannschaft der Tour 2026 ausgezeichnet.| Foto: Cor Vos

Es war nicht Pedersens erster Versuch, sich die Punktewertung bei der Frankreich-Rundfahrt zu sichern. Vor zwei Jahren musste er sturzbedingt bereits in der ersten Woche aufgeben. Sein Team zeigte diesmal auf dem Weg zu einem Wertungstrikot erneut eine geschlossene Leistung, bei der Fahrer ihre eigenen Ambitionen zurückstellten. Quinn Simmons oder Mathias Vacek wären wohl stark genug gewesen, um selbst auf Etappenjagd zu gehen.

Deutlich wurde das bei Pedersens Sieg auf dem vierten Tagesabschnitt. Simmons und Vacek brachten ihren Kapitän über die letzte Bergwertung und hielten die Ausreißergruppe auf dem flachen Weg ins Ziel dann zusammen. Eine ähnliche Taktik hatte Lidl – Trek bei der Tour de France 2023 gezeigt. Damals gewann Giulio Ciccone das Bergtrikot. Pedersen, Mattias Skjelmose und der Rest des Teams hatten daran einen großen Anteil. Sie halfen dem Italiener dabei, in die Ausreißergruppen zu gelangen und kontrollierten diese dann. Dabei bleibt oft wenig Zeit für weitere Ziele.

Ayuso mal wieder nicht konstant genug

Trotzdem brachte Lidl - Trek in diesem Jahr mit Juan Ayuso einen GC-Kapitän zur Tour, mit Skjelmose als Edelhelfer und Joker. In den ersten beiden Wochen lieferte sich das Lidl-Duo ein Duell mit der Red-Bull-Doppelspitze Remco Evenepoel und Florian Lipowitz. Vor allem im Zentralmassiv waren Ayuso und Skjelmose gut unterwegs. Nach der 10. Etappe übernahm der Spanier für drei Tage das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers.

Am Ende der zweiten Tour-Woche zeigte Ayuso dann jedoch deutliche Schwächen, Simmons musste ihn zum Plateau de Solaison hinauf regelrecht schleppen. Ein Grund, warum der US-Amerikaner den Preis für den besten Teamkollegen der Tour erhielt. Vor der Alpen-Trilogie lag Ayuso noch komfortabel auf dem fünften Gesamtrang. Zwei Tage später verlor er an den 21 Kehren nach Alpe d’Huez 6:26 Minuten auf Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) und fiel auf den siebten Platz zurück.

Am Tag darauf versuchte er sich in der Ausreißergruppe und konnte so seinen Platz in den Top Ten festigen. Skjelmose hingegen verbesserte sich sogar und landete einen Rang vor seinem Kapitän. Ayuso konnte damit nicht die Erwartungen erfüllen, die nach seinem Transfer im Winter in ihn gesetzt wurden. Der Spanier ist bei den Grand Tours, wie auch noch beim UAE-Team, über drei Wochen noch nicht konstant genug. Mit erst 23 Jahren ist seine Entwicklung aber sicher noch nicht abgeschlossen.

Pedersen hingegen kündigte vor Kurzem an, seine Karriere mit der Saison 2029 beenden zu wollen. In drei Jahren wird in Dänemark noch einmal eine Weltmeisterschaft in der Heimat stattfinden. Seine Laufbahn wird der Däne bei Lidl – Trek beenden, wo er im vergangenen Jahr einen Vertrag auf Lebenszeit unterschrieb. Bis dahin dürfte sein großes Ziel der Gewinn eines Monuments sein. Auch dabei wird er wieder die Unterstützung des ganzen Teams brauchen.

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