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06.02.2026 | (rsn) - Einen ungewöhnlichen Start ins Jahr 2025 gönnte Pinarello - Q36.5 einem Teil seiner Mannschaft. Sieben Fahrer um Aushängeschild Tom Pidcock verbrachten einen Monat im Trainingslager in Chile, um sich in der Höhe auf die Saison vorzubereiten. Ein logistischer und finanzieller Aufwand, den sich das Team aber offenbar leisten kann.
Seit diesem Jahr ist neben dem Bekleidungshersteller Q36.5 auch Pinarello als Namens- und Materialsponsor an Bord. Ein logischer Schritt, denn Ivan Glasenberg, Großaktionär bei Q36.5, ist ebenso Miteigentümer der italienischen Radmarke.
Rund 4,5 Millionen Euro Jahresgehalt soll Pidcock verdienen, für ein ProTeam ein stolzes Gehalt. Es konzentrierte sich 2025 kaum eine Mannschaft so stark auf einen Fahrer wie die Equipe auf den Briten. Er brachte nicht nur Aufmerksamkeit, sondern Einladungen zu Rennen, die für den Schweizer Rennstall bisher außer Reichweite lagen. Erstmals stand man am Start des Giro d’Italia und der Vuelta a España und auch sportlich lieferte der Neuzugang früh.___STEADY_PAYWALL___
Bei der AlUla Tour gewann Pidcock zwei Etappen und die Gesamtwertung. Das Frühjahr verlief solide, bei der Giro-Premiere blieb die Auswahl aber eher hinter den Erwartungen und konnte keine nennenswerten Erfolge feiern. Im Spätsommer fand Pidcock wieder zu alter Stärke. Nach seinem Sieg beim Arctic Race of Norway holte allerdings ein anderer den bislang einzigen WorldTour Sieg der Mannschaft. Rory Townsend gewann die Cyclassics in Hamburg als Ausreißer hauchdünn vor den Sprintern.
Ohne Tom Pidcock konnte man bei der AlUla Tour dieses Jahr nicht an die Ergebnisse des letzten Jahres anknüpfen. | Foto: Cor Vos
Die Vuelta a Espana verlief zwar sieglos, aber dennoch erfolgreich. Pidcock bewies, dass er über drei Wochen auf Gesamtklassement fahren kann und wurde Dritter in Madrid. Für den angeblich viertbestbezahlten Fahrer im Peloton blieb die Bilanz zwar überschaubar, immerhin schloss er die Saison auf dem siebten Platz des UCI-Rankings ab. Auch wenn er keinen WorldTour-Sieg holte, setzte Pidock ein klares Signal in Richtung Klassement.
Für das ambitionierte Team von Douglas Ryder war es eine solide Saison, geprägt von wichtigen Erkenntnissen und Aufbauarbeit, weniger von großen Momenten. Im Jahresranking belegte der Rennstall Rang 19. Selbstbewusst bewarb man sich dennoch um eine WorldTour Lizenz, der Antrag blieb jedoch erfolglos. 2026 folgt trotzdem der nächste Schritt. Zum ersten Mal steht Pinarello - Q36.5 auf der Startliste der Tour de France.
Bei der Tour of Norway holte Pidcock seinen einzigen Straßensieg in der zweiten Saisonhälfte. | Foto: Cor Vos
Es liegt also nahe, dass dies das große Ziel der Saison sein wird. Vermutlich wird Pidcock in Frankreich versuchen, auf Gesamtwertung zu fahren. Sollte er aber im Klassement früh Zeit verlieren, ist dem Briten, der 2022 die Alp-d’Huez-Etappe gewann, auch eine erfolgreiche Etappenjagd zuzutrauen.
Für das Debüt in Frankreich wurde der Kader deutlich verstärkt. Fünf Fahrer verließen das Team, vier beendeten ihre Profikarriere, Townsend wechselte zu den Unibet - Rose - Rockets. Zehn Neuzugänge kommen, die insgesamt ein recht ausgewogenes Bild zeichnen. Neben den Rundfahrten bleiben die Klassiker ein wichtiger Baustein des Rennkalenders.
Nach zwei Jahren auf Scott sind die Fahrer dieses Jahr auf Material von Pinarello unterwegs. | Foto: Cor Vos
Die Hälfte der Zugänge verstärken Pinarello - Q36.5 das Team für das Hochgebirge und verleihen mehr Optionen für Rundfahrten. Gleichzeitig kommen mehrere Fahrer dazu, deren Stärken Bei hügeligen und anspruchsvollen Eintagesrennen liegen. Der prominenteste Transfer, Sam Bennett, ist hingegen ein klassischer Sprinter. Der Ire gehörte vor einigen Jahren zur Weltspitze der endschnellen Männer, zuletzt reichte es nur noch für Siege bei kleineren Rennen. In den großen Sprints fehlten die entscheidenden Prozent.
Nun hofft Bennett aber, die Ursache dafür gefunden zu haben. Im November wurde bei ihm ein Vorhofflimmern diagnostiziert, durch eine Katheterablation konnte die Herzrhythmusstörung beseitigt werden. Die Hoffnung ist, dass damit die fehlende Explosivität zurückkehrt.
Der erfahrene Belgier präsentierte sich in den letzten Jahren zwar nicht als klassischer Siegfahrer, lieferte für Alpecin - Deceuninck jedoch zahlreiche Top-Ten-Platzierungen bei Eintagesrennen ab. Sein zweiter Platz bei Lüttich - Bastogne - Lüttich liegt zwar vier Jahre zurück, zeigt aber, dass Hermans bei großen Eintagesrennen vorne mitfahren kann. Ihm liegen dieselben hügeligen Klassiker wie Pidcock, entsprechend dürfte er in einer herausgehobenen Helferrolle eingeplant sein und könnte ein wichtiger Faktor werden.
Spannend wird mit seiner Verpflichtung außerdem das Thema Gravel, denn Pidcock fuhr zuletzt ebenfalls mehrere Schotterrennen und schloss die Saison beim Gravel-Etappenrennen Nedbank Gravel Burn ab. Auch Hermans beendete sein Radsportjahr auf losem Untergrund und gewann das Serenissima Gravel. 2024 stand er bei der Gravel-WM auf dem Podium. Möglich also, dass die beiden gemeinsam bei Gravel-Rennen am Start stehen werden.
Nach dem Rücktritt von Jannik Steimle gibt es keinen deutschen Profi mehr im 30-köpfigen Aufgebot. Mit Matteo Badilatti und Fabio Christen finden sich auch nur zwei Eidgenossen im Team, das über eine Schweizer Lizenz verfügt . Letzterer setzte in der vergangenen Saison mit je einem Etappensieg bei der Tour of Slovenia und bei der Vuelta a la Región de Murcia deutliche Ausrufezeichen.
Auf der zweiten Etappe der Tour de Suisse war nur Vincenzo Albanese schneller als Fabio Christen. | Foto: Cor Vos
Der ältere Bruder von Jan Christen fühlt sich vor allem auf hügeligem Terrain wohl und absolvierte im Vorjahr eine ausgedehnte Frühjahrs- und Herbstklassikerkampagne. Mit 70 Renntagen war sein Programm dabei eher umfangreich. "Wenn du jedes Rennen fährst, kannst du nicht trainieren. Du musst versuchen, die Form zu halten, oder du verlierst sie“, sagte Christen rückblickend. 2026 soll die Planung mit klarem Schwerpunkt auf die belgischen Klassiker gerichtet sein.
Das Ziel ist klar formuliert. Nach zwei Erfolgen in diesem Jahr will Christen nun auf WorldTour-Niveau Siege feiern. Ein Anspruch, der nicht nur für ihn gilt, sondern für die gesamte Mannschaft.
Das Aufgebot:
Xabier Mikel Azparren (Spanien / 26), Matteo Badilatti (Italien / 33), Sjoerd Bax (Niederlande / 30), Sam Bennett (Irland / 35), Walter Calzoni (Itaien / 24), Marcel Camprubí (Spanien / 24), Fabio Christen (Schweiz / 23), Aimé De Gendt (Belgien / 31), David De la Cruz (Spanien / 36), Mark Donovan (England / 26), Eddie Dunbar (Irland / 29), Frederik Frison (Belgien / 33), Thomas Gloag (England / 24), David González (Spanien / 29), Chris Harper (Australien / 31), Quinten Hermans (Belgien / 30), Emmanuel Houcou (Frankreich / 22), Damien Howson (Australien / 33), Em?ls Liepi?š (Litauen / 33), Kamil Ma?ecki (Polen / 30), Xandro Meurisse (Belgien / 34), Matteo Moschetti (Italien / 29), Nicolò Parisini (Italien 7 25), Joseph Pidcock (England / 23), Thomas Pidcock (Italien / 26), Milan Vader (Niederlande/ 29), Brent Van Moer (Belgien / 28), Harm Vanhoucke (Belgien / 28), Fred Wright (England / 26), Nickolas Zukowsky (Kanada / 27)
Davon Neuzugänge:
Sam Bennett (Decathlon AG2R La Mondiale Team), Aimé De Gendt (Cofidis), Eddie Dunbar (Team Jayco AlUla), Thomas Gloag (Team Visma | Lease a Bike), Chris Harper (Team Jayco AlUla), Quinten Hermans (Alpecin – Deceuninck), Emmanuel Houcou (Arkéa – B&B Hôtels Continentale), Xandro Meurisse (Alpecin – Deceuninck), Brent Van Moer (Lotto), Fred Wright (Bahrain – Victorious)
Teamleitung:
Manager: Douglas Ryder
Sportdirektor: Alexandre Sans Vega
Sportliche Leiter: Daan van den Berg, Daniele Nieri, Danijel Kvasina, Gabriele Missaglia, Gianluca Brambilla, Jens Zemke, Joaquin Sobrino, Kurt Bogaerts, Laurent Pichon, Michael Albasini, Piotr Wadecki, Théo Ouvrard
Material:
Rahmenhersteller:Pinarello
Gruppe: SRAM
Laufräder: Zipp
Reifen: Vittoria
Trikot: Q36.5
Helm: Abus