RSNplusRSN-Rangliste, Platz 8: Fabio Christen

Saisonziel erster Profisieg schon früh im Jahr erreicht

Von Peter Maurer

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Fabio Christen (Q36.5) im Leadertrikot bei der Slowenien-Rundfahrt | Foto: Cor Vos

24.12.2025  |  (rsn) – Fabio Christen stammt aus einer radsportbegeisterten Familie. Der ältere Bruder von Jan Christen (UAE Emirates – XRG) hat bei Q36.5 Pro Cycling seine sportliche Heimat gefunden und vertritt seine Familie damit in dritter Generation im Radsport. 2025 lief es für ihn auch sportlich sehr gut, Christen gewann seine ersten Rennen und zeigte oft sein Potenzial, vor allem bei Eintagesrennen, die seinen Rhythmus vor allem in der ersten Saisonhälfte prägten.

“Der Start in die Saison war mega gut“, erzählte der 23-Jährige im Gespräch mit radsport-news.com und gab an, dass es sein großes Ziel gewesen sei, seinen ersten Profisieg zu erzielen. Auf diesen musste er nicht lange warten, schon Mitte Februar gewann er die Vuelta a la Region de Murcia in Spanien. “Ich wusste, dass die Form gut war und dass es so schnell geklappt hat, war megaschön“, erinnerte er sich. ___STEADY_PAYWALL___

Fabio Christen (Q36.5) ist ein Fahrer, auf den man bei den Klassikern achten muss | Foto: Cor Vos

Hügelige Rennen liegen dem Schweizer perfekt, was er zuvor auch schon bei seinem Saisoneinstand in Mallorca zeigte, wo er dreimal in den Top 20 landete: “Wäre ich nicht zweimal gestürzt bei der Trofeo Tramuntana, hätte ich wohl schon dort gewonnen.“ Bis in den Juni hinein bestritt Christen lediglich Eintagesrennen, fuhr fast alle Klassiker in Belgien, aber auch die italienischen Frühlingsrennen wie Strade Bianche oder Mailand-Sanremo und war am Ende auch noch in den Ardennen aktiv.

“Am Ende war das nicht die beste Lösung, weil ich ab März und im April nicht wirklich mehr so performt habe, wie ich das wollte. Wie gut eine Pause tut, merkte ich dann beim Pfeil von Brabant, wo ich Sechster wurde“, so der Schweizer, der nach der Flandern-Rundfahrt für einige Tage rausnahm und dann wieder stark zurückkehrte.

Zweiter Saisonsieg in der ersten Rundfahrt des Jahres

“Generell ist das schon sehr belastend während der Klassiker, weil du ja andauernd vor Ort bist und nur mehr zwischen Erholung und Rennen umschaltest. Wenn du aus einem Trainingslager kommst, dann bist du frischer und hast gute Form. Wenn du jedes Rennen fährst, dann kannst du halt nicht trainieren und musst versuchen, die Form zu halten, oder du verlierst sie halt“, erinnerte sich Christen, der seine Saisonplanung für 2026 anders angehen will, den ersten Fokus vor allem aber auf die belgischen Klassiker legen will.

Bei seinem Team hat er für zwei weitere Jahre unterschrieben: “Wir sind auf dem aufsteigenden Ast und wirklich richtig gut aufgestellt. Das Team hat immer mehr Vertrauen in mich und das Umfeld ist mir bekannt. Deshalb gab es auch keine andere Entscheidung für mich", sagte er.

Mit einem 14. Platz bei Eschborn-Frankfurt verabschiedete sich Christen in die erste Saisonpause, kehrte einen Monat später bei der Slowenien-Rundfahrt in starker Form zurück. An den ersten Tagen mischte er sich unter die Ausreißer und konnte die 2. Etappe für sich entscheiden.

Mehr als ein guter Allrounder – Der Schweizer ist fast auf jedem Terrain ganz vorne zu finden | Foto: Cor Vos

Die Gesamtwertung musste er am vierten Tag bei der Bergankunft in Golte zwar abschreiben, dennoch beendete der 23-Jährige die Rundfahrt in den Top fünf und gewann sowohl die Berg- als auch die Punktewertung. “Eigentlich stand ich dort nur am Start um die Beine zu öffnen nach der Höhe, am Ende lief es richtig gut und ich bin dort geflogen“, meinte Christen, der auch bei der dann folgenden Tour de Suisse auf einen Etappensieg hoffte.

In Schwarzsee vermieste Vincenzo Albanese (EF Education – EasyPost) ihm den erhofften Tageserfolg im Sprint der 2. Etappe, obwohl Christen seine Vielseitigkeit zeigte, verfügt er doch auch über eine gute Endschnelligkeit. “Die kommt wohl noch von meiner Bahnzeit, wo ich gerne die Ausdauerrennen gefahren bin. Das meiste macht in Finale die Position aus und das kann ich“, grinste er.

Bei der Vuelta als Helfer für Pidcock und die Sprinter

Nach den Nationalen Titelkämpfen auf der Straße, Christen wurde hier Achter, begann für ihn die Vorbereitung auf seine erste GrandTour, die Vuelta a Espana, wo sein Team vor allem mit dem Briten Tom Pidcock um die Gesamtwertung fahren wollte. Bei der Burgos-Rundfahrt schlüpfte Christen in die Leaderrolle, beendete diese in den Top 20 und zeigte seine ansteigende Form auch beim Circuit Franco-Belge als Zehnter sowie mit Rang 15 bei den ADAC Cyclassics in Hamburg.

In Spanien waren dann vor allem Helferdienste gefragt, Christen bekam aber zumindest für die Sprintetappen seine Freiheiten und landete damit viermal in den Top Ten des Tages. “Vielleicht hatte ich ein bisschen zu viel Stress mit den Rennen vor der Vuelta und die Rundfahrt wurde somit zum Überlebenskampf für mich. Ich versuchte, Tom es so gut es ging zu helfen und bekam meine Freiheiten in den Sprints, was für den Kopf auch sehr wichtig war“, erinnerte er sich.

Nach dem ersten Profisieg 2025 will Fabio Christen 2026 auch auf WorldTour -Niveau jubeln. | Foto: Cor Vos

Bei der Weltmeisterschaft in Ruanda zählte er zum Schweizer Aufgebot und gehörte, wie auch der Deutsche Marius Mayrhofer (Tudor Pro Cycling), zu den ersten Ausreißern im Straßenrennen der Elite. “Das war leider eine der unglücklichsten Fluchtgruppen bei Weltmeisterschaften“, befand Christen, nachdem auf dem Straßenkurs in Kigali die Spitzengruppe nie wirklich einen größeren Vorsprung erhielt und schon früh auf der Sonderschleife um den Mont Kigali, wo auch die Vorentscheidung des Rennens fiel, eingeholt wurde: “Wir sind volles Rohr gefahren und haben nie viel Vorsprung bekommen. Das war schade, denn dass sie die Gruppe so gar nicht fahren lassen, ist selten bei Weltmeisterschaften.“

Christen ließ die Saison bei den italienischen Herbstklassikern ausklingen und landete bei Gran Piemonte auf Rang vier. Seine Saisonplanung für 2026 hat er mit dem Team etwas verändert. Er wird in Portugal starten und sich dann über ein Höhentrainingslager für die belgischen Klassiker in Topform bringen. Nach dem abgehakten ersten Profisieg in diesem Jahr hat er ein weiteres großes Ziel für 2026: “Nun will ich es auch auf der WorldTour mit einem Sieg zeigen.“

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