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23.02.2026 | (rsn) – In der noch jungen Saison gab es schon die eine oder andere Überraschung. Doch die Auftritte des neu gegründeten amerikanischen Teams Modern Adeventure dürften darunter zu den größten zählen. Einen Sieg bei internationalen Rennen – den Titel im Einzelzeitfahren bei den Südafrikanischen Meisterschaften durch Stefan de Bod ausgenommen – konnte das Team von Ex-Profi George Hincapie noch nicht feiern. Aber nah dran waren die Männer in den auffälligen, weinroten Rennanzügen durchaus schon.
Die AlUla Tour (2.Pro) beendete jener de Bod, der früher bei WorldTeams wie Astana oder EF Education fuhr, zuletzt aber nur noch auf Kontinental-Niveau unterwegs war, als Gesamtvierter. Sein Teamkollege und Landsmann Byron Munton, der bis zu dieser Saison noch keine Profierfahrungen sammeln konnte, war Zweiter des finalen und klassementrelevanten Teilstücks in Saudi Arabien.
Und der 27-Jährige lässt jetzt auch bei der UAE Tour aufhorchen. Die beiden Bergankünfte am Jebel Mobrah und am Jebel Hafeet beendete Munton als 14. und 13. und damit jeweils vor Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) oder allen deutschen Profis. Munton beendete die Rundfahrt auch als 14. “Wir sind in einem WorldTour-Rennen mit relativ unbekannten Fahrern konkurrenzfähig. Das hat unsere kühnsten Erwartungen übertroffen“, sagte so auch Teamchef Hincapie kürzlich zu Sporza. “Vor 13 Monaten haben wir beschlossen, dieses Projekt zu verfolgen, und jetzt sind wir hier.“
Aus dem Nichts überhaupt erstmal die Einladungen in die WorldTour zu bekommen, ist in der Regel schon kein Kinderspiel. Vor allem mit einem, wie es Hincapie selbst sagte, eher namenlosen Kader ohne junges Megatalent oder alternden Star. Neben de Bod dürfte der Kanadier Riley Pickrell, vormals bei Israel – Premier Tech unterwegs, noch der Bekannteste sein. Auch ihm gelangen in den Sprints bei der UAE Tour drei Top-10-Resultate.
Das Rennen durch die Wüste, das für manch kleineres Team vielleicht schon aufgrund der Logistik abschreckend ist, bleibt aber auch nicht die einzige WorldTour-Wildcard, die Modern Adventure bereits in der Tasche hat. Die Mannschaft darf bei Paris-Roubaix an den Start gehen. Bei einem der renommiertesten Rennen der Saison will jedes Team dabei sein. Es dürfen die wenigsten. “Roubaix war schon immer das Rennen meiner Träume“, sagte Hincapie. “Ich träume immer noch davon. Jetzt fahren wir mit unserem Team dorthin und versuchen, dieses Rennen zu einem Erfolg zu machen.“
Doch Roubaix ist nicht das einzige große Rennen in Frankreich, von dem Hincapie träumt. “Wir wollen zur Tour de France. Und wir geben uns dafür selbst fünf Jahre.“ Ambitioniert, aber mit Blick auf die Voraussetzungen, die das Team mitbringt keinesfalls unmöglich. Denn mindestens so wichtig wie die sportliche Rolle der Einladungsteams im Rennen ist für Veranstalter ASO der Markt, der damit erschlossen werden kann. Und der ist in den Vereinigten Staaten riesig. Aktuell geht in den USA radsporttechnisch nicht allzu viel. Die Maryland Classic (2.Pro), die 2026 von einem Eintagesrennen auf drei Etappen ausgebaut wird, und die wiederbelebte Philadelphia Classic (1.1) sind im Männerbereich in dieser Saison die einzigen beiden Rennen in höheren UCI-Kategorien. “Wir wollen auch den Radsport in den Vereinigten Staaten wiederbeleben. Wir wollen das amerikanische Team mit vielen amerikanischen Fahrern werden. Ich habe nicht alle Antworten darauf, wie wir den Radsport in den USA wiederbeleben können, aber hoffentlich wird dieses Projekt dabei helfen.“
Die ersten Erfolge der Mannschaft des 2012 geständigen Dopers dürften dazu beitragen. Ein Tour-Start umso mehr, waren es doch jenes Rennen und die mittlerweile aberkannten Erfolge von Lance Armstrong, zu denen auch Hincapie auf unredliche Weise beitrug, die den Radsport in den Staaten groß machten. Auf diese Weise will es der 52-Jährige aber nicht wieder schaffen. Modern Adventure ist der MPCC beigetreten, der Bewegung für einen glaubwürdigen Radsport.
Noch bevor die Bestätigung für die UCI-Lizenz vorlag, hatte sich das Team bei der MPCC beworben. Die Initiative, die 2007 nach reihenweise Dopingfällen vom damaligen Crédit-Agricole-Teamchef Roger Legeay gegründet wurde – Legeay gab das Präsidentenamt im Herbst 2025 an die Niederländerin Emily Brammeier, die ansonsten bei Picnic – PostNL Kommunikationschefin ist, ab – stellte Modern Cycling Anfang Februar nach tiefgehender Prüfung eine vorläufige Mitgliedschaft aus. “Dem MPCC beizutreten, ist mir wichtig, weil es um mehr geht als nur um unser Team – es geht um die Zukunft des Radsports“, wählte Hincapie dafür große Worte. “Die Sportart ist durch Doping beschädigt worden, und wir haben die Chance, beim Wiederaufbau von Vertrauen mitzuwirken. Ich habe den kulturellen Wandel im Peloton vor vielen Jahren aus nächster Nähe erlebt und gesehen, welchen Schaden Wegsehen anrichtet – und welchen Fortschritt möglich ist, wenn Athleten sich für Integrität entscheiden.“