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06.05.2026 | (rsn) – Nachdem bei der Italien-Rundfahrt 2025 noch zehn Deutsche dabei gewesen waren, ist die Tendenz diesmal rückläufig. Acht deutsche Profis werden beim am 8. Mai beginnenden 109. Giro d’Italia (UWT) am Start stehen. 2024 waren es noch zwölf, 2023 und 2022 jeweils elf.
Mit Pascal Ackermann (Jayco – AlUla) und Nico Denz (Red Bull – Bora – hansgrohe) haben zwei von ihnen bereits Giro-Etappen gewonnen. Erfahrenster Starter unter ihnen ist Giro-Experte Denz, der mit bisher sieben Teilnahmen im Gepäck zum Grande Partenza nach Bulgarien anreist. Tim Torn Teutenberg (Lidl – Trek) und Jonas Rutsch (Lotto - Intermarché bestreiten ihren ersten Giro, Teutenberg gibt sogar sein Grand-Tour-Debüt.
An 24 Renntagen dieser Saison ist der Pfälzer viermal unter die Top Ten gefahren. Mit dieser Bilanz gehört Ackermann bei der 109. Italien-Rundfahrt nicht zum Kreis der Favoriten auf einen Sprintsieg. Allerdings sprang der 32-Jährige in der Vergangenheit schon öfter wie Kai aus der Kiste und ärgerte die Großen ohne Vorwarnung. Bei der Bredene Koksijde Classic etwa verpasste er im März als Zweiter knapp seinen dritten Sieg.
Gerade bei Grand Tours taucht der Jayco-Sprinter gern aus der Versenkung auf, um plötzlich konstant vorn reinzufahren. Auf einen echten Zug muss Ackermann diesmal allerdings beim Giro verzichten. Sein Lieblings-Gregario Jasha Sütterlin ist nicht dabei und lediglich Andrea Vendrame und Robert Donaldson werden wohl überhaupt in der Lage sein, den Deutschen in den flachen Finals zu unterstützen.
An keinem seiner 23 Renntage als Einzelstarter kam Denz in dieser Saison unter den besten 25 ins Ziel. Der Routinier ist weder Sprinter noch Bergfahrer oder Zeitfahrspezialist und auch an Hügeln und auf Offroad-Segmenten gibt es deutlich bessere Fahrer als den 32-Jährigen. Wenn Denz aber - speziell beim Giro - in einer Gruppe sitzt und aufs Ziel zurast wachsen ihm regelrecht Flügel.
Und so ist beim Baden-Württemberger eher irrelevant, welche Ergebnisse er dieses Jahr eingefahren hat. Wenn er in einer Ausreißergruppe auftaucht, wird er Angst und Schrecken bei seinen Begleitern verbreiten. Zu hoffen ist, dass Denz trotz der GC-Doppelspitze bei Red Bull die Chance auf einen vierten Giro-Tagessieg bekommt.
Dass der Edelhelfer auch dieses Jahr über gute Beine verfügt, zeigte er zudem auch bereits mehrfach. Am sichtbarsten wurde es auf der 4. Etappe von Paris-Nizza (2.UWT), als er mit den van-Dijke-Brüdern Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) zum Etappensieg fuhr und dabei das Peloton im Wind in seine Einzelteile zerlegte.
Zuletzt schien der 25-Jährige sich immer mehr zum Bergfahrer zu entwickeln. Als solcher wird Engelhardt bei seinem zweiten Giro eher als Domestik für Klassementfahrer Ben O’Connor in Aktion treten.
Da Jayco aber im Gegensatz etwa zu Red Bull selten Interesse hat, die Last des Rennens zu tragen, werden sowohl Engelhardt als auch kletterstarke Teamkollegen wie Alan Hatherly oder Koen Bouwman sicher die Chance bekommen, auf Etappenjagd zu gehen. Und da Engelhardt noch immer einen guten Punch hat – sein sechster Platz zum Auftakt der Tour of the Alps hat es gezeigt – ist er auf mittelschweren Etappen durchaus ein Sieg-Kandidat.
Dreimal war der Hesse bei der Tour dabei, 2026 darf er seine Giro-Premiere geben. Viele Etappen für Fahrer seines Types sind bei Grand Tours meist nicht dabei und so wird sich der gern offensiv agierende Rutsch wohl vor allem in der Helferrolle wiederfinden.
Seine diesbezüglichen Qualitäten kann er auf verschiedensten Profilen in de Waagschale werfen, denn Lotto bringt seine zwei von anderen Teams umworbenen Stars mit nach Bulgarien: Arnaud De Lie hofft auf Sprintsiege Lennert Van Eetvelt soll die Gesamtwertung aufmischen.
Nachdem ihm letzte Saison zum zweiten Mal in seiner Profikarriere der Durchbruch gelungen war, kam der 29-Jährige 2026 zunächst nicht in Fahrt. Doch das änderte sich Mitte April schlagartig. Der als nicht sonderlich explosiv geltende Stork sprintete zum Auftakt der Tour of the Alps (2.Pro) auf den dritten Platz und bestätigte seine guten Beine anschließend mit zwei weiteren Top-Ten-Platzierungen.
Bei Eschborn-Frankfurt (1.UWT) war Stork Teil der Spitzengruppe und wurde dort von Pinarello – Q36.5 als gefährlichster Sprint-Konkurrent für Tom Pidcock ausgemacht. Das war Stork dann zwar nicht, aber mit Rang neun erreichte er erstmals die Top Ten eines WorldTour-Rennens.
In Italien ist Michael Storer der Tudor-Kapitän und die Schweizer haben bei der TotA gezeigt, dass sie gern für ihren australischen Kletterer fahren. Sie haben allerdings – Lennart Jasch als Beweis – auch bewiesen, dass auf ein anderes Pferd gesetzt wird, wenn Plan A nicht aufgeht. Dass Storer in Sachen Klassement Jonas Vingegaard & Co. Paroli wird bieten können, ist unwahrscheinlich – und so wird sich für Stork die eine oder andere Tür öffnen.
Im zweiten Jahr als Berufsradfahrer erreicht der Sohn von Lars Teutenberg das, was sein Vater in seiner kurzer Profikarriere nie geschafft hat: eine Teilnahme an einer Grand Tour. Bis zu den sieben GT-Auftritten von Onkel Sven Teutenberg, der bei allen dreiwöchigen Rundfahrten Top-Fünf-Ergebnisse stehen hat, ist es aber noch ein weiter Weg.
Mit Spitzenresultaten ist beim Giro nicht zu rechnen. Teutenberg tut sich in seiner zweiten Lidl-Saison schwerer als in der ersten und in Italien wird er sich wie Max Walscheid voll und ganz in den Dienst von Sprinter Jonathan Milan stellen. Mit Simone Consonni und den beiden Deutschen hat der Topsprinter auf dem letzten Kilometer zweifelsohne die beste Unterstützung im gesamten Feld.
Mit dem Wechsel von Jayco - AlUla nach zum deutschen Team Lidl - Trek hat der Heidelberger einen großen Teil seiner persönlichen Ambitionen begraben. Während er im Sprint als Helfer für Jonathan Milan agierte, hat Walscheid beim Auftaktzeitfahren von Tirreno-Adriatico (2.UWT) seine Qualitäten im Kampf gegen die Uhr wiedergefunden. Bei den Klassikern lief es vor allem mit Rang elf bei Paris-Roubaix (1.UWT) ausgesprochen gut.
Walscheid wird seine Stärken auf Kopfsteinpflaster in Italien nicht aussipelen können, zumindest im Zeitfahren wird er einmal aufdrehen können und zwar auf den 42 flachen Kilometern der 10. Etappe. Ansonsten wird er sich in den Zug von Jonathan Milan eingliedern – und solange der Italiener im Rennen ist, wird es bei dieser Rolle bleiben, da der fast zwei Meter große Deutsche auch am Berg nicht besser ist als der Italiener.
Der treue Berghelfer steht bei seiner fünften Grand Tour zum zweiten Mal beim Giro am Start. Bei seiner ersten Teilnahem 2022 gewann Bora - hansgrohe die Rundfahrt mit Jai Hindley, der auch diesmal wieder dabei ist. Mit Giulio Pellizzari hat Red Bull aber noch einen zweiten Kapitän dabei, der sehr stark einzuschätzen ist. Der Italiener sicherte sich auch mit Zwiehoffs Hilfe den Gesamtsieg bei der Tour of the Alps.
Da Pellizzari das Führungstrikot schon am zweiten Tag übernahm - Zwiehoff wurde da starker 16. und hatte lange die Top Ten des Klassements im Blick - und Lorenzo Finn verletzt ausschied, blieb viel Arbeit am Essener hängen. Vor allem mit Giovanni Aleotti ließ der 32-Jährige trotzdem nie den Eindruck aufkommen, dass er und sein Team die Lage nicht unter Kontrolle hätten. Die Form stimmt und da Red Bull gern im Wind fährt, wird Zwiehoff sicher oft zu sehen sein.
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