Die Favoriten beim Giro d’Italia 2026

Vingegaard will das Grand-Tour-Triple perfekt machen

Von Kevin Kempf

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Jonas Vingegaard (Visma - Lease a Bike) bei der Giro-Teampräsentation. | Foto: Cor Vos

07.05.2026  |  (rsn) – Nach aktuellem Stand haben 19 aktive Radprofis mindestens eine Grand-Tour-Etappe gewonnen. An der Spitze steht Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) mit 30 Tageserfolgen. Weiter unten auf der Liste trifft man auch auf zwei Deutsche; John Degenkolb (Picnic – PostNL) mit zwölf und Lennard Kämna (Lidl – Trek) mit insgesamt drei Siegen. 

Es fehlt: Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike). Der Däne will beim 109. Giro d’Italia nicht nur diese Sammlung komplettieren – bei der Tour und der Vuelta stand er schon ganz oben auf dem Etappenpodest – Vingegaard will auch gleich das Grand-Tour-Triple mit Gesamtsiegen bei allen drei dreiwöchigen Rundfahrten perfekt machen.

Da Chris Froome im Winter kein neues Team gefunden hat, hat kein aktiver Profi Giro, Tour und Vuelta in seinem Palmares stehen. “Es wäre etwas ganz Besonderes, das zu schaffen. Denn das ist bisher nur sieben Fahrern gelungen“, erzählte der Visma-Kapitän bei der Team-Präsentation der Italien-Rundfahrt. 

Jacques Anquetil war 1963 der Erste, dem das gelang, drei Jahre folgte ihm Felice Gimondi, 1973 stieß Eddy Merckx in den Kreis vor, Bernard Hinault 1980 und dann dauerte es bis 2008, als Alberto Contador in einer Saison Giro und Vuelta für sich entschied. Nach dem Spanier vervollständigten noch Vincenzo Nibali 2014 und Froome 2018 ihre Sammlung.

Nun schickt sich Vingegaard an, aus der Siebener- eine Achtergruppe zu machen. Die Tour gewann er 2022 und 2023, die Vuelta sicherte er sich letztes Jahr. Kaum ein Zweifel besteht daran, dass er nun auch die nächste dreiwöchige Rundfahrt dominieren wird. Zu klar sind die Kräfteverhältnisse im Radsport momentan - und mit Pogacar, dessen Teamkollegen Isaac Del Toro und Joao Almeida, Red Bulls Florian Lipowitz, Remco Evenepoel und Primoz Roglic, Juan Ayuso (Lidl – Trek) sowie Shootingstar Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM) fehlen die potenziell gefährlichsten Herausforderer allesamt.

An Vingegaards Mannschaft soll es auch nicht liegen, denn Visma bringt sein A-Team – oder zumindest einen Großteil davon. Der frühere Vuelta-Sieger Sepp Kuss wird beim Giro und der Tour an der Seite seines Kapitäns fahren. Mit dem Vorjahresvierzehnten Davide Piganzoli steht ein weiterer Topkletterer im Aufgebot. In die zweite Reihe ist inzwischen der diese Woche noch schwer gestürzte Wilco Kelderman abgerutscht. In der stehen außerdem Bart Lemmen, Tim Rex und Victor Campenaerts. Timo Kielich wird sich vor allem auf Arbeit im Flachen freuen dürfen.

Holen die Roten Bullen Rosa?

Den größten Widerstand darf Visma wohl von Red Bull – Bora – hansgrohe erwarten. “Wir starten in diesen Giro mit einem klaren GC-Fokus und mit zwei Fahrern, die unterschiedliche Stärken in dieses Ziel einbringen“, meinte Sportchef Zak Dempster in einer Pressemitteilung. Gemeint sind Jai Hindley, der die Italien-Rundfahrt 2022 gewann, und Giulio Pellizzari, der zuletzt die Tour of the Alps (2.Pro) auf dem höchsten Podest beendete und dort die Konkurrenz, die teilweise auch in Bulgarien starten wird, deutlich in Schach hielt.

Dazu gehörte sowohl das Netcompany-Ineos-Duo Thymen Arensman und Egan Bernal (Giro-Sieger von 2021), das in Italien eine Doppelspitze bilden und für die Top 5 in Frage kommen wird. Die beiden Tudor-Profis Michael Storer und Mathys Rondel fuhren in den Alpen ebenfalls stark und sind beim Giro zu beachten, auch wenn sie sich in der Hierarchie der Favoriten hinter den Klassementfahrern von Red Bull, Netcompany und Visma einordnen müssen.

In diese Riege gehört noch Adam Yates (UAE – Emirates – XRG), der zuletzt den O Gran Camino (2.1) dominierte, seit der Tour 2024 aber nicht mehr bei einer dreiwöchigen Rundfahrt auf Gesamtwertung gezielt hat. Es ist nicht auszuschließen, dass der 33-jährige Brite mit seinem Team auch beim Giro vor allem Etappen jagen wird. 

Und das ist dafür perfekt aufgestellt, Jay Vine etwa  hat bei der Vuelta 2025 zwei Tagessiege und das Bergtrikot gewonnen. Jan Christen, Igor Arrieta, Antonio Morgado, Jhonatan Narvaez und Marc Soler können in den Bergen ebenfalls aus jeder Gruppe heraus Erfolge einfahren - wenn es bei Yates nach der Absage von Kapitän Joao Almeida nichts in der Gesamtwertung wird.

Große und (noch) kleine Namen

Weitere bekannte Namen mit großen GT-Meriten sind Giulio Ciccone, Derek Gee-West (beide Lidl – Trek), Enric Mas (Movistar), das Bahrain-Duo Santiago Buitrago und Damiano Caruso, Ben O’Connor (Jayco – AlUla) und sein ehemaliger Teamkollege Felix Gall (Decathlon – CMA CGM), die allesamt eine unauffällige Vorbereitung absolviert haben, in Topform aber auch aufs Podium fahren können.

Bei Juan Pedro Lopez (Movistar) und seinem Teamkollegen Einer Augusto Rubio, beide schon in den Top Ten der Italien-Rundfahrt, scheint dieses Jahr der Wurm drin zu sein. Beide lassen verheißungsvolle Vorleistungen komplett vermissen.

Ganz anders sieht das bei den beiden Italienern Filippo Zana (Soudal – Quick-Step) und Alessandro Pinarello (NSN) aus, die um die Top Ten mitkämpfen könnten. Auch Afonso Eulalio (Bahrain Victorious), Markel Beloki (EF Education – EasyPost), und MTB-Weltmeister Alan Hatherly (Jayco – AlUla) könnten für eine Überraschung gut sein. 

Gleiches gilt für Lennert Van Eetvelt (Lotto – Intermarché) und Aleksandr Vlasov (Red Bull – Bora – hansgrohe). Beide haben schon gezeigt, dass sie ganz vorn mitfahren können, zuletzt allerdings nicht mehr. Während beim Belgier dafür Krankheiten und Verletzungen verantwortlich waren, hatte der Russe ein Formtief, das er dieses Frühjahr aber überwunden zu haben scheint.

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