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23.02.2026 | (rsn) – Als Sprinter hat man es dieser Tage nicht gerade gleicht. Immer mehr flache Rennen verschwinden aus dem Rennkalender oder werden so modifiziert, dass sie eben keine mehr für die schnellen Männer sind. Bestes Beispiel dafür ist die Schlussetappe de Tour de France in Paris, die seit neuestem über den Montmartre führt und der Sprintelite auch dort die Chance nimmt, sich auf der ganz großen Bühne zu zeigen. Für das Fernsehen braucht es mehr Spektakel – 30 Sekunden Massensprint reichen da nicht, wenn vorher nur eine Ausreißergruppe einsam ihre Runden zieht und von einem Feld nach immer gleichem Muster ein paar Kilometer vor dem Ziel gestellt wird.
Bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften gilt dieses Motto schon wesentlich länger. Im Zeichen der Ringe war Olaf Ludwig 1988 für die DDR der letzte reine Sprinter, der die Goldmedaille gewann. Und selbst er entschied das Rennen nicht im Massensprint für sich, sondern kam als Solist ins Ziel. Dafür braucht es nochmal mehr als 20 Jahre Reise in die Vergangenheit. Und auch beim Blick auf Weltmeisterschaften bedarf es schon eines besseren Gedächtnisses, um sich an den letzten Sieger im Massensprint zu erinnern. Das war 2017 Peter Sagan im norwegischen Bergen. Wirklich flach war der Kurs dort aber auch nicht. Das war ein Jahr zuvor in Doha jedoch der Fall, als ebenfalls Sagan triumphierte.
Nach dem Wüstenrennen in Bahrain wurde so die nächste Wüsten-WM zum großen Hoffnungsschimmer für die Sprinter, mal wieder eine Chance auf den Titel zu bekommen, denn der Kurs für Kanada 2026 ist bereits bekannt und auch die Strecke im Jahr darauf durch die französischen Alpen wird kaum sprinterkompatibel sein. 2028 aber geht die WM in Abu Dhabi über die Bühne. Dort, wo am Sonntag die UAE Tour mit einem Massensprint zu Ende ging, den Jonathan Milan (Lidl – Trek) für sich entschied. In diesen Tagen rückte dabei aber auch wieder ein ganz anderer Gedanke in den Vordergrund. Abu Dhabi – UAE – Team UAE – Tadej Pogacar! Der Slowene ist aktuell zwar unbestritten der beste und vielseitigste Fahrer auf dem Planeten, doch im Massensprint gegen Milan, Tim Merlier (Soudal – Quick-Step) oder Jasper Philipsen (Alpecin – Premier Tech) würde wohl auch er nichts ausrichten können.
Dass mit Geld viel möglich ist, um Ziele zu erreichen, wird vor allem in den Ölstaaten schon lange demonstriert. Und da passt es ins Bild, dass in der Nähe von Abu Dhabi seit einer Weile ein künstlicher Berg gebaut wird: der Wathba Artificial Hill. Aktuell soll er eine Länge von 1400 Metern und Steigungsprozente bis zu neun Prozent aufweisen, fand die spanische Marca heraus. Doch das soll noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Zielstellung sind 3,8 Kilometer mit 6,5 Prozent im Mittel und Spitzen bis zu 13. Als Merlier Endes letztes Jahres davon Wind bekam, sagte er den Belgiern von Sporza, dass jede Sprintergeneration wenigstens einmal die Möglichkeit bekommen sollte, um den WM-Titel zu fahren. “Aber ich befürchte, dass diese Chance für mich nie kommen wird.“
Untermauert wurde das durch Fabrizio D`Amico, der für RCS die UAE Tour leitet. Der italienischen Zeitschrift Tuttobici sagte er: “Dieses Projekt wurde bereits vor der Vergabe der Weltmeisterschaften an Abu Dhabi ins Leben gerufen. Die Idee ist, den Fahrern, die hier trainieren, eine Strecke mit Höhenunterschieden zu bieten, damit sie nicht jedes Mal anderthalb Stunden fahren müssen, um einen Anstieg zu finden.“ Heiß wurden dann der nächste Satz: “Wer weiß, vielleicht wird der Hügel auch bei den Weltmeisterschaften nützlich sein.“
Merlier, der nach Knieproblemen in diesem Jahr noch kein Rennen absolviert hat und auch die UAE Tour absagen musste, wird das auch mitbekommen und sich bestätigt gefühlt haben. Und doch gibt es Hoffnung für den 33-Jährigen, denn Sporza hatte daraufhin nochmal bei der UCI nachgehakt. Und deren Sportdirektor Peter Van Den Abeele sagte: ”Die flachen Weltmeisterschaften kommen. Es wird definitiv eine für die Sprinter. Es war der Wunsch von Präsident David Lappartient, ein Sprinter-Festival aus dieser WM zu machen.“
Der künstliche Hügel, so Van Den Abeele, sei laut seinen Informationen einer für den Radtourismus. Vielleicht, so Merliers Landsmann, werde es eine “100-Meter-Anstieg auf der Strecke geben, aber mehr auch nicht“. Entsprechende kleinere Hügel sollen ebenfalls bereits im Bau sein. Und zwar auf Hudayriyat Island, dem Ort, an dem in den vergangenen Jahren immer das Einzelzeitfahren der Rundfahrt stattfand. Auch die WM-Strecke führt gerüchtehalber über die Insel, die über eine Brücke an das Festland angebunden ist. Doch Van Den Abeele untermauerte die UCI-Position: “Es ist schon zu lange her, dass Sprinter mit einem Regenbogentrikot auf dem Podium standen. Die flachen Weltmeisterschaften stehen vor der Tür, und die Sprinter können beruhigt schlafen.“
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