RSNplusBei Unibet Giro-Vorfreude statt Tour-Frust

Neoprofi Peter: “Niveau schon im Januar und Februar extrem hoch“

Von Kevin Kempf

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Jannis Peter (Unibet - Rose Rockets) beim Mannschafts-Trainingslager | Foto: Unibet - Rose Rockets

17.03.2026  |  (rsn) – Seit 76 Tagen ist Jannis Peter offiziell Berufsradfahrer, acht davon verbrachte er in drei verschiedenen Ländern. Bei Unibet – Rose Rockets begann der 25-Jährige vergleichsweise spät mit seiner Profikarriere, nachdem er zuvor sieben Saisons in der deutschen und österreichischen KT-Szene unterwegs war. 

RSN fragte den gebürtiger Geraer rund 24 Stunden vor dessen neuntem Renntag, wie er sich inzwischen bei seinem französischen Arbeitgeber mit starkem niederländischen Einschlag und deutschem Co-Sponsor eingelebt hat.

“Natürlich gibt es einen Unterschied, der teilweise auch spürbar ist. Es war sehr angenehm, den Winter über durchgeplante Trainingslager zu haben, ohne sich selbst um ein privates kümmern zu müssen oder in gar keins zu gehen. Man merkt, dass in allen Bereichen noch mal ein paar Leute und finanzielle Mittel mehr involviert sind“, erzählte Peter, der aber auch das Niveau seines vorherigen Teams Vorarlberg lobte. 

“Ich hatte tolle erste Monate; das kann ich schon mal sagen. Ich habe viele neue Leute kennengelernt und dabei auch Spaß gehabt“, fasste er die ersten Erfahrungen bei den Unibet - Rose Rockets zusammen

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Jannis Peter (Unibet – Rose Rockets) als Ausreißer bei der Tour de la Provence | Foto: Xavier Pereyron

Bei Vorarlberg hatte er schon vor dem Wechsel ins Profilager an großen Rennen teilnehmen können – und dabeisein war nicht alles, wie drei Top-Ten-Gesamt-Platzierungen bei 2.1-Rundfahrten und der Etappensieg bei der Czech Tour (2.1) beweisen. 

Doch Wettkämpfe, die 2025 noch Highlights für Peter waren, sind nun der Regelfall. “Die letzten Jahre bereitete man sich einen Teil des Jahres auf solche Rennen vor und wollte dort super performen. Nun fährt man die nur noch, aber das ist ja jedem bewusst, der sich für diesen Weg entscheidet und das sollte ja auch das Ziel sein“, meinte er.

Erste Erfolge in Frankreich

Seine erste Profisaison begann er Ende Januar mit zwei 1.1-Events in Spanien, dann folgte die dreitägige Tour de la Provence (2.1) sowie Ende Februar und Anfang März insgesamt drei 1.Pro-Rennen. Bergig oder zumindest hügelig ging es dabei immer zu. “Man merkt, dass das Niveau in jedem Rennen schon im Januar und Februar extrem hoch ist. Aber für mich ist das, denke ich, perfekt. Das ist der beste Weg, um noch mal einen Schritt nach vorne zu machen und natürlich kann man nicht bei jedem Rennen immer ganz vorne mitspielen. Aber für die weitere Entwicklung bin ich damit happy“, so Peter.

Einmal konnte er sogar schon unter die besten Zehn fahren. Bei der Tour de la Provence war er auf der Abschlussetappe einer der Ausreißer des Tages, die es bis ins Ziel schafften. “Nach kalten und harten Tagen war es toll, die letzte Etappe mit einem Top-Ten-Platz zu beenden und mit einem guten Gefühl nach Hause zu fahren. Die Etappe war von Beginn an Vollgas, bis sich im bergigen Part eine gute Gruppe löste, mit der wir es zum Glück bis ins Ziel geschafft haben. Mit einer Gruppe durchzukommen, gibt auch immer ein tolles Gefühl“, blickte er zurück.

Die Etappe sicherte sich der Franzose Axel Laurance (Ineos Grenadiers), Peter  kam mit dem Rest der Ausreißer vier Sekunden später ins Ziel und belegte Rang acht.

Der Tour-Enttäuschung folgte die Giro-Freude

Doch in den ersten Monaten bei Unibet gab es nicht nur Jubel, Trubel, Heiterkeit. Als die ASO die Wildcards für die Tour de France bekannt gab, fehlte Peters Arbeitgeber zur Überraschung aller. “Natürlich war das ein Dämpfer für uns, da das das große Ziel war“, gab er zu. 

Sein Teamchef Bas Tietema hatte schon 2022, als er – damals noch ausschließlich als Youtuber bekannt – das Team gegründet hatte, erklärt, dass man die Tour-Teilnahme anstrebe. 2027 war dabei ursprünglich das Ziel, für das Tietema belacht wurde. Doch der Niederländer baute in kurzer Zeit einen ernst zu nehmenden Profi-Rennstall auf, der inzwischen unter französischer Lizenz agiert und starke Fahrer verpflichtet hat. So wurde die "Mission Tour 2027" um ein Jahr vorverlegt.

Peter bei der Tour de la Provence | Foto: Xavier Pereyron

Nur die ASO spielte nicht mit und schickte die letzte Wildcard nach Spanien; an Caja Rural – Seguros RGA. “Trotzdem gab es nicht lange hängende Köpfe, da wir ja alle noch viel vor uns haben und andere Highlights in der Saison auf jeden warten. Nach einer kurzen Zeit gab es dann ja auch positive News mit dem Giro und anderen hochkarätigen Eintagesrennen, auf die es sich zu freuen gilt“, berichtete Peter. 

Die “positiven News vom Giro“ bedeuten, dass Unibet – Rose Rockets von RCS Sport eine Wildcard erhalten hat – und das Grand-Tour-Debüt des Rennstalls sogar noch früher stattfinden wird als gehofft.

Und darauf, wie es in Italien zugeht, kann die Mannschaft sich schon morgen einstellen. Denn dann startet Peter mit sechs Teamkollegen beim 106.  Mailand-Turin (1.Pro), das an der Basilika von Superga endet. “Das wird das nächste harte, stark besetzte Rennen in Italien. Ich freue mich, solche Rennen fahren zu können, denn genau die bringen mich voran“, erklärte er. 

Doch während er inzwischen elfmal bei x.Pro-Rennen am Start stand, steht der erste Einsatz auf WorldTour-Niveau noch aus. “Wann genau mein erstes WT-Rennen sein wird, ist noch nicht ganz klar. Mit Sicherheit freue ich mich, wenn der Tag kommt. Allerdings ist das Niveau bei den meisten x.Pro-Rennen zum Beispiel genauso hoch. Da spielt die Kategorie eher eine untergeordnete Rolle in meinen Augen“, sagte Peter abschließend.

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