Evenepoel stürzt nach Husarenritt mit Vingegaard

Godon staubt Etappensieg in Katalonien ab

Von Sebastian Lindner

Foto zu dem Text "Godon staubt Etappensieg in Katalonien ab"
Dorian Godon (Ineos Grenadiers) hat die 3. Etappe der Katalonien-Rundfahrt gewonnen. | Foto: Cor Vos

25.03.2026  |  (rsn) – Es sollte mehr oder weniger ein ruhiger Tag werden für die Klassementfahrer unmittelbar vor der ersten Bergankunft der 105. Katalonien-Rundfahrt. Doch Red-Bull-Kapitän Remco Evenepoel und Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) machten aus den letzten 30 Kilometern der 3. Etappe ein Spektakel, aus dem am Ende aber Dorian Godon (Ineos Grenadiers) als Sieger hervorging.

Während der Franzose nach 159,4 Kilometern von Mont-roig del Camp nach Vila-seca mit mehr als einer Radlänge seinen zweiten Tagessieg den Briten vor Ethan Vernon (NSN) und Noah Hobbs (EF Education – EasyPost) feiern konnte, erreichte Evenepoel mit zerrissenem Trikot und hängendem Kopf das Ziel. 500 Meter zuvor war er bei der Einfahrt in den letzten Kreisverkehr gestürzt.

Zu diesem Zeitpunkt lag Evenepoel gemeinsam mit Vingegaard rund zehn Sekunden vor dem Feld. Das Duo hatte sich knapp 30 Kilometer vor dem Ziel auf Initiative des Belgiers aus der Spitzengruppe gelöst, nachdem Red Bull zuvor mit Vollgas über den letzten Anstieg und auch in die Abfahrt geknallt war und im Flachen dann das Feld auf die Windkante nahm. Unter anderem hatte Joao Almeida (UAE – Emirates – XRG) den Zug verpasst.

Während das Hauptfeld den Sprung zu den Verfolgern später wieder schaffte, fuhren sich Evenepoel und Vingegaard wie in einem Paarzeitfahren bis zu 25 Sekunden heraus, wobei der Zeitfahrweltmeister dabei die treibende Kraft war. Als zehn Kilometer vor dem der Abstand aber wieder halbiert war, verzichte Vingegaard auf weitere Führungsarbeit. Evenepoel ärgerte sich, nahm raus – und zog dann doch nochmal voll durch.

Die Verfolger konnten darauf nicht mehr reagieren, Evenepoel und Vingegaard hätten den Sieg unter sich ausgemacht – wäre nicht der verhängnisvolle Sturz gewesen. “Ich weiß nicht, was beim Crash mit Remco passiert ist. Er ist einfach über den Lenker geflogen und ich hoffe er ist okay. Es sah sehr verrückt aus“, sagte Vingegaard am Eurosport-Mikrofon, nachdem er selbst den Sturz noch vermeiden konnte. “Ich wollte aus dieser Situation aber keinen Vorteil ziehen und habe einfach aufs Feld gewartet.“

Und somit war der Weg frei für Godon, der keine Probleme hatte, den Sprint für sich zu entscheiden. Von den Szenen davor habe er aber nichts mitbekommen, sagte er im Siegerinterview: “Ich habe mich nur auf den Sprint konzentriert. Nach der gestrigen Etappe war ich nicht so glücklich, heute wollte ich wieder gewinnen. Wir wollten heute nicht zu viel riskieren, in den Echelons waren wir aber gut positioniert. Dann sah ich Remcos Attacke mit Vingegaard, das Team hat aber einen super Job gemacht, um die Lücke zu schließen.“

Evenepoel büßt im Klassement keine Zeit ein

In der Gesamtwertung führt Godon nun mit elf Sekunden vor Evenepoel, der das Ziel zwar deutlich nach dem Feld erreichte, aber von der Fünf-Kilometer-Regel profitierte und somit zeitgleich gewertet wurde. Hinter Tom Pidcock (Pinarello – Q36.5 / +0:16) ist Vingegaard neuer Vierter mit 18 Sekunden Rückstand.

Godon ist nach seinem Sieg wieder Führender der Punktewertung. Die hatte vor dem Tag Baptiste Veistroffer (Lotto – Intermarché) inne – genau wie die Führung in der Bergwertung. In der konnte der Franzose seinen Vorsprung ausbauen, war er doch auch am dritten Tag in der Ausreißergruppe des Tages dabei.

So lief die 3. Etappe der Katalonien-Rundfahrt 2026

Wer, wenn nicht Veistroffer, sollte am Tag, der am ehesten für Ausreißer gemacht war, seine Chance in der Offensive suchen. Der Mann im Trikot des besten Punktesammlers, der auch die Bergwertung anführte, hatte in Reuben Thompson erneut einen Teamkollegen zur Unterstützung dabei. Auch Diego Uriarte (Kern Pharma) und Josh Burnett (Burgos – Burpellet – BH) waren schon auf den ersten Etappen in den Fluchtgruppen dabei gewesen und gehörten auch dieses Mal zu dem Sextett, das den schweren Etappenstart für sich nutzen wollte.

Erwartungsgemäß sicherte sich Veistroffer am Alt de la Mussara (1. Kat.) nach etwas mehr als 30 Kilometern zehn Bergpunkte. Zwei Minuten Vorsprung hatte die Gruppe dort noch. Gut 15 Kilometer später am zweiten Berg (2. Kat.) war es wieder Veistroffer, der die meisten Punkte einsammelte. Damit war der topografisch anspruchsvolle Teil des Tages absolviert.

In der anschließenden Abfahrt schrumpfte der Abstand der Ausreißer auf unter eine Minute, was ein Durchkommen unwahrscheinlich machte. Und nachdem Veistroffer sich auch den ersten Zwischensprint gesichert hatte, sank die Motivation unter den Ausreißern noch weiter. Nach einer von Groupama – FDJ lancierten Attacke 70 Kilometer vor dem Ziel war das Feld schon auf 15 Sekunden an ihnen dran, doch die Lücke ging in der Folge wieder auf.

Das Streckenprofil der 3. Etappe der Katalonien-Rundfahrt | Foto: Veranstalter

Der Vorsprung wuchs auch deshalb, weil auf der Abfahrt einige Fahrer stürzten, unter ihnen Jay Vine (UAE – Emirates – XRG), der das Rennen nicht fortsetzen konnte. 60 Kilometer vor dem Ziel standen dann wieder 70 Sekunden zu Buche. An der letzten Bergwertung des Tages (3. Kat.), die sich wieder Veistroffer sicherte, waren es dann 30 Sekunden bei noch gut 40 zu fahrenden Kilometern.

Mit dem Ende der Abfahrt gut 30 Kilometer vor dem Ziel stellte Red Bull, das sowohl mit Vollgas in den Anstieg wie in den abschüssigen Teil gegangen war, die Ausreißer dann aber. Doch damit war die Aktion nicht beendet. In der Ebene zog das Team gemeinsam mit Visma durch – und nach etwa 30 Fahrern riss das Feld auseinander. Vorne nicht dabei war unter anderem Joao Almeida (UAE – Emirates – XRG).

Und dann setzte Evenepoel noch einen drauf. Aus der großen Gruppe löste sich der Belgier – und nur Vingegaard konnte auf flachem Terrain folgen. 22 Kilometer vor dem Ziel hatten Almeida und das Hauptfeld die Lücke zu den Verfolgern geschlossen – Evenepoel und Vingegaard bauten ihren Vorsprung dagegen zunächst auf 25 Sekunden aus.

Evenepoel gibt nicht auf – und stürzt wie aus dem Nichts

Über den Zwischensprint führte Evenepoel das Spitzenduo mit leicht geschrumpftem Abstand auf die letzten zehn Kilometer. Weil Vingegaard dann nicht mehr mitarbeitete, schien auch ein kopfschüttelnder Evenepoel nicht mehr weiterfahren zu wollen. Als die beiden rund fünf Kilometer vor dem Ziel dann schon die Beine hochgenommen hatten, zog der Olympiasieger im Zeitfahren aber nochmal an.

Offenbar überraschte er damit auch das Feld, denn die bekamen die Lücke nicht mehr geschlossen. Es schien, als würde das Duo den Sieg doch unter sich ausmachen können. Aber nur bis zum letzten Kreisverkehr 500 Meter vor dem Ziel. Dort stürzte Evenepoel wie aus dem Nichts bei der Einfahrt in den Kreisel. Ein verdutzter Vingegaard ließ nur noch ausrollen, so dass am Ende doch noch Godon den Sieg für sich verbuchen konnte.

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