Lipowitz Vierter hinter Gall und Martinez

Vingegaard auf Katalonien-Königsetappe eine Klasse für sich

Von Sebastian Lindner

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Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) hat die 5. Etappe der Katalonien-Rundfahrt gewonnen. | Foto: Cor Vos

27.03.2026  |  (rsn) – Auch wenn Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) konkurrenzlos den Schlussanstieg der 5. Etappe der Katalonien-Rundfahrt hinaufstürmte – es lag nicht an ihm, dass auch die Königsetappe am Coll de Pall im Skigebiet La Molina windbedingt leicht verkürzt werden musste.

Am Ausgang des 153,1 Kilometer langen Teilstücks änderte das aber nichts – höchstens an der Deutlichkeit der Ergebnisse. Doch auch so war klar: Vingegaard ist mit Abstand der stärkste Kletterer in Katalonien. Der Däne distanzierte seinen ersten Verfolger, den Österreicher Felix Gall (Decathlon – CMA CGM), um 51 Sekunden und übernahm damit auch die Gesamtführung.

Gall seinerseits hatte sich 400 Meter vor dem Ziel nochmal zehn Sekunden auf seine Begleiter Lenny Martinez (Bahrain Victorious) und Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) herausgefahren. Dessen Teamkollege Remco Evenepoel verlor den Anschluss an Vingegaard und die erste Verfolgergruppe, zu der auch noch Valentin Paret-Peintre (Soudal – Quick-Step) zählte, als Vingegaard sechs Kilometer vor dem Ziel die Spitze des Rennens übernahm und den Rest abstellte.

Evenepoel 1:38 Minuten hinter Vingegaard

Evenepoel kam mit 1:38 Minuten Rückstand auf Vingegaard als Sechster ins Ziel. Die Top 6 des Tages stellen in dieser Reihenfolge nun auch die Spitze in der Gesamtwertung da. Doch ganz vorne thront nach seinem vierten Saisonsieg der 29-jährige Däne: “Zu Beginn habe ich mich nicht so gut gefühlt, beim letzten Anstieg war es aber viel, viel besser“, sagte Vingegaard, während er sich auf der Rolle die aber anscheinend nicht allzu große Anstrengung aus den Beinen fuhr. “Ich hätte nicht unbedingt erwartet, dass ich mir so einen Vorsprung herausfahren kann. Aber ich habe mich dann richtig stark gefühlt. Ich kann nur glücklich über diesen Vorsprung sein.“

Zufrieden war auch Gall, sogar “superglücklich“, wie er am Eurosport-Mikrofon verriet. “Im Finale wollte ich einfach nur aggressiv und offensiv sein und mit dem Gegenwind so früh wie möglich im Anstieg ausreißen, um der Gruppe hinter mir aus dem Weg zu gehen“, beschrieb er seine Taktik. “Ich war etwas frustriert, dass ich beim Pacing die meiste Arbeit leisten musste – das hat mich sehr viel Energie gekostet. Aber natürlich bin ich happy. Jonas war sowieso auf dem Weg zum Etappensieg, also habe ich mich darauf konzentriert, zumindest den Anderen Zeit abzunehmen. Den zweiten Platz zu holen, stimmt mich wirklich glücklich.“

Das gelang, besonders aber mit Blick auf einige Profis, die vor der Etappe noch mit größeren Chancen im Klassement unterwegs waren. Tom Pidock (Pinarello – Q36.5), einer der Aktivposten der bisherigen Rundfahrt, kam mit fast einer halben Stunden Rückstand ins Ziel. Der Brite war in der letzten Abfahrt gestürzt. Genau wie Joao Almeida (UAE – Emirates – XRG), der früh im Schlussanstieg nicht mehr mithalten konnte und zwei Minuten kassierte. Auch Georg Steinhauser (EF Education – EasyPost) war zu Fall gekommen, hätte aber auch ohne Unfall nicht zu den Favoriten gezählt.

Während Martinez der neue Führende in der Nachwuchswertung ist und 42 Sekunden vor Uijtdebroeks rangiert, hat sich in den weiteren Sonderwertungen nichts getan. Der zweimalige Etappengewinner Dorian Godon (Ineos Grenadiers) führt weiterhin die Punktewertung an, Baptiste Veistroffer (Lotto – Intermarché) das Berg-Ranking. Giulio Ciccone (Lidl – Trek), der über die Gruppe des Tages reichlich Zähler sammelte und als letzter Ausreißer in dem Moment gestellt wurde, als Vingegaard zum Solo ansetzte, ist ihm aber gefährlich nahe gekommen.

So lief die 5. Etappe der Katalonien-Rundfahrt:

Die Königsetappe, die auch mit 2,2 Kilometern weniger noch ihrem Namen gerecht wurde, war zunächst durch wilde Attacken geprägt. Den Auftakt machte einmal mehr Veistroffer in der Hoffnung, noch ein paar Zähler für das Bergtrikot abstauben zu können. Doch sein Versuch wurde schnell unterbunden. Etappensieg oder Hilfe für die Kapitäne hatten heute Vorrang.

Und so waren auch einige prominente Namen dabei, als in der Anfahrt zur ersten Bergwertung des Tages (1. Kat.) bei Kilometer 32 heftig angegriffen wurde. Neben den drei Deutschen Felix Engelhardt (Jayco – AlUla), Georg Steinhauser (EF Education – EasyPost) und Lipowitz waren auch Ben O’Connor (Jayco – AlUla), Andreas Leknessund (Uno-X Mobility), Sepp Kuss (Visma – Lease a Bike) und Matthew Riccitello (Decathlon – CMA CGM) dabei. Insgesamt versuchten mehr als 20 Fahrer den Sprung in die Gruppe des Tages.

Letztlich schafften es aber nur fünf Profis, sich nachhaltig abzusetzen: Giulio Ciccone (Lidl – Trek), Marc Soler (UAE – Emirates – XRG), Einer Rubio (Movistar), Junior Lecerf (Soudal – Quick-Step) und Davide Piganzoli (Visma – Lease a Bike). Langsam, aber stetig wuchs ihr Vorsprung an, nach etwa 60 Kilometern und zwei Bergwertungen knackte er erstmal die Zwei-Minuten-Marke.

Das Streckenprofil der 5. Etappe der Katalonien-Rundfahrt | Foto: Veranstalter

Über den dritten Berg des Tages (1. Kat.) verlor Lecerf den Anschluss an seine Fluchtgefährten, kurz darauf war er eingeholt. 40 Kilometer vor dem Ziel hatten die übrigen Verfolger im Anstieg zum vierten Anstieg des Tages (1. Kat.) noch eine Minute Vorsprung auf das Feld, das in erster Linie von Red Bull angeführt wurde. Vorne musste dann auch Rubio die Segel streichen. Oben angekommen war wieder Ciccone als Erster und sicherte sich damit auch die vierte Bergwertung, was ihn auf vier Zähler an Veistroffer heranbrachte.

In den mehr als 16 Kilometer langen Schlussanstieg ging Ciccone als Solist mit noch 50 Sekunden Vorsprung auf die Klassementfavoriten. Die eröffneten das Finale kurz vor der Zehn-Kilometer-Marke durch Mikel Landa (Soudal – Quick-Step). Dabei war Lipowitz, der losgeschickt wurde, um die ersten Attacken zu kontern, auch die folgende von Gall.

Mehr als sieben Kilometer vor dem Ziel musste sich bereits Joao Almeida (UAE – Emirates – XRG) aus der Favoritengruppe verabschieden. Der soll aber – wie auch Georg Steinhauser (EF Education – EasyPost) und Tom Pidcock (Pinarello – Q36.5) gestürzt sein.

Niemand kann Vingegaards Attacke folgen

6,6 Kilometer vor dem Ziel attackierte dann Vingegaard, schon kurze Zeit später war er an der Seite von Lipowitz, Gall, Martinez und Paret-Peintre, die ihrerseits Ciccone eingeholt hatten. Und der Däne hielt sich dort nicht lange auf, startete sein Solo sechs Kilometer vor dem Ziel.

Das unverändert hohe Tempo hatte zur Folge, dass Evenepoel reißen lassen musste. Hinter Vingegaard bildeten sich zwei neue Gruppen. Die ersten Verfolger waren die, die schon zuvor in die Offensive gegangen waren. Dahinter gruppierten sich Evenepoel, Skjelmose, Matthew Riccitello (Decathlon – CMA CGM), Lorenzo Fortunato (XDS – Astana) und Cian Uijtdebroeks (Movistar).

An den Konstellationen änderte sich wenig – nur die Abstände wurden mit schrumpfender Distanz größer. Gall erwies sich unter den ersten Verfolgern als der Stärkste und holte auf den letzten 400 Metern nochmal zehn Sekunden auf Lipowitz & Co. heraus. In der Gruppe dahinter hatte Evenepoel noch das meiste im Tank und sprintete vor den anderen über den Strich.

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