RSNplusDie deutschen KT-Teams 2026: Wheel Divas

“Gar nicht so unbekannt“: Mix aus Erfahrung und Potenzial

Von Judith Krahl

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Nach acht Jahren als Amateurteam beantragten die Wheel Divas die KT-Lizenz. | Foto: Mario Stiehl/ Wheel Divas

28.03.2026  |  (rsn) - Die Wheel Divas gehen 2026 erstmals als UCI-Kontinental-Team an den Start — ein Schritt, der das Ende einer erfolgreichen Amateurphase markiert und gleichzeitig neue Perspektiven eröffnet. 2017 gegründet und in Berlin beheimatet, hat sich der Rennstall in den vergangenen Jahren kontinuierlich nach oben gearbeitet. Spätestens mit dem Gewinn der Bundesliga-Einzelwertung durch Corinna Lechner 2024, Rang zwei im Jahr darauf sowie dem Sieg der Teamwertung 2024 war klar, dass national kaum noch eine Steigerung möglich war.

Die Entscheidung für die Kontinentallizenz fiel nach intensiver Abstimmung mit dem bestehenden Kader. Viele Fahrerinnen wurden übernommen und gemeinsam wurde ausgelotet, ob der richtige Zeitpunkt bereits gekommen sei. Nach dem Titelgewinn stellte sich erstmals die Frage, wie es weitergehen könne, denn auf nationaler Ebene war das Maximum erreicht. "Kontinental-Lizenz: ja oder nein?", beschrieb Teamchefin Sina Päske die Phase der Neuorientierung im Gespräch mit RSN.___STEADY_PAYWALL___

Zunächst entschied man sich bewusst fürs Warten, um den Schritt nicht zu früh zu gehen. Erst der erneute Erfolg 2025 bestätigte nachhaltig, dass die Leistungen kein Zufall gewesen waren. Für die Teamchefin war das ein entscheidender Moment: "Man muss sich ja auch weiterentwickeln und das geht nur im Ausland und dann muss man sich mit anderen großen Team dort messen." Gleichzeitig erschwert die wachsende Zahl professioneller Teams den Zugang zu hochklassigen Rennen für Clubmannschaften - die Lizenz wurde damit zur notwendigen Eintrittskarte in internationale Wettbewerbe.

Eingespieltes Team: Viele Fahrerinnen aus dem letztjährigen Kader wurden übernommen. | Foto: Mario Stiehl/ Wheel Divas

 

Trotz des neuen Status' verfolgen die Wheel Divas einen vorsichtigen Ansatz bei der Rennplanung. Ein überladener Kalender soll vermieden werden, stattdessen setzt man auf ausgewählte Einsätze, die sportlich sinnvoll sind und die Fahrerinnen nicht überfordern. Überraschend kamen bereits früh Einladungen zu Rennen, mit denen das Team selbst nicht gerechnet hatte. "Vielleicht sind wir gar nicht so unbekannt", ordnete Päske die Situation erfreut ein.

Gleichzeitig bleibt der Schutz der Athletinnen oberstes Gebot, denn eine zu hohe Belastung könnte den langfristigen Erfolg gefährden. "Wir wollen die Fahrerinnen auch nicht kaputt machen", betonte sie. Parallel dazu bleibt die deutsche Bundesliga ein wichtiger Bestandteil des Programms; alle Rennen sollen weiterhin bestritten werden, auch um die nationale Szene zu stärken und jungen Fahrerinnen eine Bühne zu bieten.

Romy Kasper und Corinna Lechner führen vielseitiges Team an

Sportlich vereint das Team Erfahrung und Entwicklungspotenzial. Mit Corinna Lechner, die bereits UCI-Siege vorweisen kann und der ehemaligen WorldTour-Fahrerin Romy Kasper verfügen die Wheel Divas über zwei prägende Figuren, die Stabilität und Routine einbringen. Gleichzeitig setzt die Teamleitung bewusst auf Nachwuchs und Perspektivfahrerinnen.

Freude am zweiten Renntag der Saison: Lechner erreichte das Podium in Kroatien. | Foto: Team

 

Besonders am Berg gelten Inka Tulowitzki und Stephanie Meder als starke Optionen, während die deutsch-australische Nachwuchsfahrerin Madeleine Wasserbaech nach Europa gekommen ist, um hier gezielt Rennen zu bestreiten. Obwohl der Standort Berlin ist, lebt mit Dieke Hendriks nur eine Fahrerin direkt in der Hauptstadt - die Niederländerin wohnt dort aufgrund ihres Studiums.

Auch über die Straße hinaus denken die Verantwortlichen an zusätzliche Projekte. Ein Start bei den Deutschen Bahn-Meisterschaften ist geplant, sofern sich ein konkurrenzfähiger Vierer formieren lässt. Insgesamt formulieren die Fahrerinnen ein gemeinsames Ziel für die neue Phase: UCI-Punkte sammeln, Erfahrung auf höchstem Niveau gewinnen und sich langfristig im Profibereich etablieren.

Organisation durch Ehrenamt

Organisatorisch bleibt das Projekt außergewöhnlich. Viele Aufgaben werden weiterhin ehrenamtlich erledigt, getragen von persönlichem Engagement statt von professionellen Vollzeitstrukturen. Die Sponsoren unterstützten den Schritt in den KT-Bereich geschlossen, zusätzlich konnten weitere kleinere Partner gewonnen werden. Zu den wichtigsten Förderern zählen Stadler, Campana & Schott und M4 Energy, während Ausrüster Scott ebenfalls maßgeblich zum Projekt beiträgt.

Fahrerinnen, Staff und das jüngste Mitglied: Lechners Tochter, die im April 2025 zur Welt kam. | Foto: Team

 

Trotz wachsender Professionalität möchte das Team seine Identität bewahren und sich nicht vollständig von kommerziellen Interessen bestimmen lassen. Päske macht deutlich, dass der Name für sie mehr ist als ein Sponsorentitel. "Wir haben unseren Namen noch nicht verkauft, ich bin aber auch nicht mit ihm verheiratet", erläuterte sie schmunzelnd. Zugleich bleibt sie pragmatisch - die Marke Wheel Divas habe inzwischen einen eigenen Wert entwickelt und soll möglichst erhalten bleiben.

Fakten zur Saison 2026:

Aufgebot: Anna Maria Borger (19/ Deutschland), Malin Bruhns (21/ Deutschland), Fenja Gerpott (32/ Deutschland), Paula Gloning (18/ Deutschland), Dieke Hendriks (25/ Niederlande), Romy Kasper (37/ Deutschland), Corinna Lechner (31/ Deutschland), Stephanie Meder (30/ Deutschland), Clara Sophie Nitschmann (21/ Deutschland), Stefanie Paul (39/ Deutschland), Inka Tulowitzki (28/ Deutschland), Madeleine Wasserbaech (18, Australien)

Neuzugänge: Paula Gloning, Romy Kasper, Stephanie Meder, Madeleine Wasserbaech

Teamleitung: Sina Päske

Sportliche Leiter: Niklas Reinhardt, Marius Hofmann, Paul Rölz

Material:
Rahmenhersteller: Scott
Komponenten: Mavic, Stadler, Power2Max
Bekleidung: Castelli, Macron (Freizeit)

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