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28.03.2026 | (rsn) – Wer sind die Favoritinnen und Favoriten für das nächste große Rennen? Auf wen sollte man sonst noch achten? In der Redaktion bei radsport-news.com gehen die Meinungen vor den Saison-Highlights oft auseinander – auch wenn die Top-Favoriten manchmal auf der Hand liegen, weicht der eine oder andere mitunter gerne vom Offensichtlichen ab und wagt Außenseitertipps. In der Saison 2026 werden wir uns vor den Highlights virtuell aus dem Fenster lehnen und unsere Prognosen wagen, um uns dann am Ende auslachen zu lassen, wenn es wieder ganz anders gekommen ist.
Matthias Seng:
In einem denkwürdigen Finale, in dem er von der fehlenden Entschlossenheit seiner Verfolger profitierte, hat sich Mathieu van der Poel quasi auf der letzten Rille seinen dritten E3-Sieg in Serie gesichert. Doch die fast 70 Kilometer lange Flucht vom Freitag hat viel Kraft gekostet – und die wird van der Poel am Sonntag bei In Flanders Fields – From Middelkerke to Wevelgem fehlen. Dagegen wird Wout van Aert ausgeruht an den Start gehen, da der Belgier auf die E3 Classic verzichtet hatte. Der Belgier muss zudem keinen – langen - Soloritt erzwingen, sondern kann sich in Wevelgem auf seinen Sprint verlassen.
Zwar hat Lorena Wiebes zuletzt einige unerwartete Niederlagen einstecken müssen. So kam sie als jeweilige Titelverteidigerin sowohl beim Sanremo Women (6.) als auch bei der Ronde van Brugge (9.) auf für ihre Verhältnisse enttäuschenden Plätzen ins Ziel. Dafür wird die beste Sprinterin der Welt auf Revanche sinnen – und die Gelegenheit dazu bietet sich ihr am Sonntag bei In Flanders Field – In Wevelgem, wie das frühere Gent-Wevelgem nun heißt. Mit den Hügeln und den Naturstraßen sollte Wiebes keine Probleme haben, auf den letzten 35 Kilometern wird ihr stark besetztes Team das Feld zusammenhalten, ehe die Kapitänin wie in den beiden vergangenen Jahren die Italienerin Elisa Balsamo (Lidl – Trek) im Sprint auf Rang zwei verweisen wird.
Kevin Kempf:
Was van der Poel schon in Harelbeke fast zum Verhängnis wurde, könnte ihm in Wevelgem endgültig das sportliche Genick brechen: Die Konkurrenz ist nicht stark genug. Der Niederländer muss wegen des flachen Finales früh antreten. Wenn er das aber tut, kann niemand folgen. Daraus resultiert dann ein langes Solo, was in Wevelgem noch schwerer zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen ist als bei der E3 Classic. Van der Poel attackiert, wird aber von einem kleinen Peloton eingeholt - Tobias Lund Andresen (Decathlon - CMA CGM) gewinnt dessen Sprint.
Ist Lorena Wiebes noch die schnellste Sprinterin? Sehr wahrscheinlich ja, aber Carys Lloyd (Movistar) war in Brügge absolut beeindruckend. Über den Kemmelberg wird sie aber nicht kommen, so bahnt sich ein Duell zwischen der Niederländerin und Elisa Balsamo an, das die SD-Worx-Fahrerin für sich entscheiden wird.
Jens Claussen:
Auch wenn sich der Name des Rennens geändert hat, werden die üblichen Verdächtigen auf der langen Zielgerade in Wevelgem um den Sieg kämpfen. Wie schon in den Vorjahren wird der Streckenverlauf zu einer Selektion der Allerstärksten führen, zu denen neben Mathieu van der Poel auch Christophe Laporte und dessen Teamkollege Wout van Aert gehören werden. Und nach dem Verletzungs- und Krankheitspech der vergangenen Monate wird der Klassikerjäger nach Platz drei bei Mailland-Sanremo das Glück auf seiner Seite haben. Durch das Auslassen der E3 Saxo Classic zwei Tage zuvor hat van Aert das entscheidende Korn mehr in den Beinen und kann im finalen Spurt einer kleinen Gruppe seine Sprintqualitäten für einen zweiten Erfolg nach 2021 ausspielen.
Die Streckenverkürzung von 170 auf 135 Rennkilometer dürfte auf den ersten Blick den Sprinterinnen um Lorena Wiebes, Elisa Balsamo, Charlotte Kool und Lara Gillespie in die Karten spielen. Wenn da nicht das Team von FDJ United - Suez wäre, das mit seinem Line-Up einen ganz anderen Plan verfolgen könnte, als alles auf einen Sprint einer größeren Gruppe zu setzen. Mit Elise Chabbey und Franziska Koch hat die Equipe zwei angriffslustige und tempofeste Akteurinnen dabei, die schon frühzeitig versuchen werden, das Feld zu zerpflücken. So wird das FDJ-Duo mit einer kleineren Gruppe Wevelgem erreichen, wo sich Franziska Koch durch einen explosiven Antritt mit einem Sieg für ihren starken Saisonstart belohnen wird.
Guido Scholl:
Die Abwesenheit von Mads Pedersen ändert alles – der große Favorit im Sprint eines dezimierten Feldes ist deshalb mal wieder Wout van Aert. Der Belgier hat bei den Eintagesrennen eine lange Durststrecke hinter sich. Und die wird er nun beenden. Das kann auch Alpecin – Premier Tech nicht verhindern, weil Mathieu van der Poel seine Lehren aus dem Finale der E3 Saxo Classic ziehen und keine Soloflucht probieren wird und Jasper Philipsen bei der letzten Kemmelberg-Passage klar distanziert wird. Visma – Lease a Bike bläst dann zum Angriff und führt van Aert zum Sieg.
Diesmal wird die erfolgsverwöhnte Lorena Wiebes leer ausgehen. Dafür sorgt allerdings keine schnellere Sprinterin, sondern eine Ausreißerin: Zoe Bäckstedt setzt sich am Kemmelberg allein ab und legt danach ein langes Solo hin. Im Feld schauen dann alle auf die Teams SD Worx – Protime und Lidl – Trek um Wiebes beziehungsweise Elisa Balsamo. Doch die schieben die Verantwortung jeweils der anderen Equipe zu – Bäckstedt jubelt dann als lachende Dritte.
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