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01.04.2026 | (rsn) – Es hätte wie im Märchen werden können für Wout van Aert (Visma | Lease a Bike), die große Chance, das Debakel aus dem Vorjahr vergessen zu machen. Doch dann kam Filippo Ganna (Ineos Grenadiers) und das 80. Dwars door Vlaanderen (1.UWT) wurde für den Visma-Star zum Albtraum. Denn nach langer Fahrt als Ausreißer wurde van Aert vom Italiener in Waregem auf den letzten 150 Metern vor dem Ziel noch abgefangen und musste sich wie schon 2025 mit dem zweiten Platz zufriedengeben.
Ganna war gut drei Kilometer vor dem Ziel aus der Verfolgergruppe herausgefahren und hatte den Abstand zum Führenden sukzessive verkürzt. Nach der letzten Kurve saugte er sich im Windschatten an van Aert heran und zog am Belgier vorbei.
Es war der erste Frühjahrsklassiker, den Ganna für sich entscheiden konnte. Und dabei hatte er unterwegs mehrere Rückschläge zu verkraften. “Ich musste heute ziemlich tief gehen. Über den Tag verteilt hatte ich einiges an Pech. Schon im ersten Teil, nach dem ersten Hügel, ist mir das Vorderrad gebrochen. Ich musste das Rad wechseln, und auch der Lenker war beschädigt“, sagte Ganna im Flash-Interview. “Am Ende konnte ich mich ein bisschen erholen, das Team hat einen tollen Job gemacht und ich kann mit dem Sieg etwas zurückgeben.“
Für seinen großen Konkurrenten des Tages hatte er viel Lob übrig. “Wout war extrem beeindruckend. Ihn wieder einzuholen, war alles andere als einfach. Aber meine Beine haben bis zur Ziellinie gehalten. In der letzten Kurve wusste ich, dass es sich ausgehen kann.“ Davon wird der 31-Jährige aber nichts wissen wollen. Vor einem Jahr ging sein Visma-Team mit einer 3:1-Überzahl gegen Neilson Powless (EF Education – EasyPost) ins Dwars-Finale. Am Ende siegte trotzdem kein Gelber. Van Aert wurde auch da Zweiter.
Wegen Ganna ging aber auch der andere Ansatz nicht auf. Am Eikenberg 40 Kilometer vor dem Ziel attackierte van Aert aus dem Feld heraus und schaffte so den Sprung zur Ausreißergruppe. In Niklas Larsen (Unibet – Rose Rockets) schüttelte er seinen letzten Begleiter zehn Kilometer vor dem Ziel am Nokereberg ab. Der Rest war ein beeindruckendes Solo, das er aber nicht krönen konnte. “Es wäre natürlich schön gewesen, wenn das Rennen 150 Meter kürzer gewesen wäre. Ich habe alles versucht und war am Schluss wirklich leer, so sind eben Radrennen“, nahm van Aert die Niederlage im Flash-Interview vergleichsweise gelassen.
Schon kurz hinter van Aert sprintete dann auch schon die Hauptgruppe um den verbliebenen Platz auf dem Podium. Der ging an Sören Waerenskjold (Uno-X Mobility). Vierter nach 185 Kilometern von Roeselare nach Waregem über zwölf Hellinge und fünf zusätzliche Kopfsteinpflasterpassagen wurde Biniam Girmay (NSN) vor dem Neuseeländer Laurence Pithie (Red Bull – Bora – hansgrohe). Mads Pedersen für Lidl – Trek sprintete auf Rang zehn. Jasha Sütterlin (Jayco – AlUla) beendete das Rennen als bester Deutscher auf Rang 40 in der großen Verfolgergruppe.
Trotz zahlreicher Attacken blieb das Feld für die ersten 75 Kilometer des Tages beisammen. Erst nach Berg Ten Houte konnte sich eine Gruppe lösen. Und die hatte es in sich. Matthew Brennan und Christophe Laporte (Visma – Lease a Bike), Paul Magnier (Soudal – Quick-Step), Mads Pedersen und Mathias Vacek (beide Lidl – Trek), Florian Vermeersch (UAE – Emirates – XRG), Tobias Lund Andresen (Decathlon - CMA CGM), Mick van Dijke (Red Bull – Bora – hansgrohe), Waerenskjold und Jonas Abrahamsen (Uno-X Mobility) gehörten zu den 18 Mann, die sich spät lösen konnten.
84 Kilometer vor dem Ziel wurde die Lücke erstmal wieder geschlossen. Doch an der Onderbossenaarstraat löste sich eine weitere große Gruppe, wieder mit Pedersen, Laporte und Vermeersch. Aber kurz vor der zweiten Überquerung von Berg Ten Houte war auch die Gruppe, die durch van Aert initiiert wurde, wieder gestellt.
Danach beruhigte sich das Geschehen ein wenig, an den nächsten Hellingen gab es keine aussichtsreichen Angriffe. Erst vor der zweiten Überfahrt der Mariaborrestraat 50 Kilometer vor dem Ziel ging ein Trio, bestehend aus Romain Grégoire (Groupama - FDJ), Niklas Larsen (Unibet - Rose) und Thomas Garchignard (TotalEnergies).
Das Streckenprofil des 80. Dwars door Vlaanderen | Foto: Veranstalter
Über den Eikenberg knallte dann wieder van Aert, der damit in Windeseile vorne bei Gregoire und Larsen war. Das Trio fuhr sich über die nächsten Kilometer 45 Sekunden auf das Feld heraus. Tim van Dijke (Red Bull – Bora – hansgrohe) und Magnus Sheffield (Ineos Grenadiers) bildeten zunächst ein Verfolgerduo und später ein -trio, als Vermeersch dazukam, doch den Anschluss schafften die Verfolger nicht.
Am Nokereberg gut 20 Kilometer vor dem Ziel fiel Grégoire zurück. Kurz darauf war dann auch Schluss für die Verfolger, die von der Hauptgruppe zurückgeholt wurden. Zehn Kilometer vor dem Ziel ging es zum zweiten Mal über den Nokereberg. Dort stellte van Aert Larsen ab, aber der Vorsprung ging auf 15 Sekunden runter.
Doch der Belgier gab sich nicht geschlagen. Und er hätte es wahrscheinlich nach Hause gebracht, wenn sich dreieinhalb Kilometer vor dem Ziel nicht Ganna und erneut Florian Vermeersch aus dem Feld gelöst hätten. Während der UAE-Profi seine Aktion nicht durchziehen konnte, hatte Ganna bis zur letzten Kurve nur noch 50 Meter Rückstand. Beim Rausbeschleunigen saugte sich der Italiener im Windschatten an den Führenden heran und zog 100 Meter vor dem Ziel an van Aert vorbei vorbei, um den Sieg perfekt zu machen.
Kurz hinter van Aert sprintete aus dem Feld heraus Waerenskjold vor Girmay auf Rang drei.
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