Dwars door Vlaanderen: Nooijen fast mit Sensation

Sprintkrimi: Reusser schlägt Vollering in Waregem

Von Matthias Seng

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Marlen Reusser (Movistar, li.) gewinnt das 14. Dwars door Vlaanderen knapp vor Demi Vollering (FDJ United - Suez). | Foto: Cor Vos

01.04.2026  |  (rsn) - Marlen Reusser (Movistar) hat nach fast zweimonatiger Verletzungspause ein perfektes Comeback gefeiert. Die 34-jährige Schweizerin entschied in einem bis zur Ziellinie spannenden Rennen das 14. Dwars door Vlaanderen WE (1.WWT) über 128,8 Kilometer rund um Waregem knapp vor der Niederländerin Demi Vollering (FDJ United – Suez) für sich. Dritte wurde deren Landsfrau Lieke Nooijen (Visma – Lease a Bike), der gegen die Favoritinnen um ein Haar eine Sensation gelungen wäre.

Nachdem sich die beiden Spitzenreiterinnen angesichts eines scheinbar komfortablen Vorsprungs von rund 20 Sekunden auf der Zielgerade belauert hatten, schaffte Nooijen aus der Gruppe der Verfolgerinnen heraus nach der letzten Kurve den Anschluss an das sichtlich überraschte Duo, zog direkt durch und musste Reusser und Vollering erst kurz vor der Linie noch passieren lassen.

“Ich bin etwas überrascht, weil ich das nicht erwartet hatte, ich bin so glücklich“, strahlte Reusser im Flash-Interview nach ihrem ersten Saisonsieg, auf den zu Beginn nicht viel hindeutete. “Am Anfang des Rennens hatte ich echt Probleme mit der Positionierung, aber ich bin zuversichtlich geblieben, auch um dem Team zu helfen. Wir haben ein super starkes Team, und es war ein tolles Gefühl zu wissen, dass Liane (Lippert) und Cat (Ferguson) in der Gruppe hinter mir waren. Sie sind so schnell, dass wir, selbst wenn wir es nicht schaffen, mit ihnen wahrscheinlich trotzdem noch ein gutes Ergebnis erzielen können.“

Von Nooijens später Konterattacke zeigte sich die Zeitfahrweltmeisterin überrascht. “Ich dachte nur: ‚Was zum Teufel?‘. Ich hatte es im Radio gehört, aber das Fernsehbild ist verzögert, also hörte ich nur: ‘Visma kommt sehr schnell‘, und ich dachte: ‘Ja, das sehe ich auch.‘ Ich dachte, versuchen wir’s. Ich hatte echt Glück mit dem Sprint, weil ich ja diese Verletzung hatte und mein Sprint momentan nicht so toll ist, aber ich konnte so lange im Windschatten bleiben“, fügte Reusser an.

Mit sieben Sekunden Rückstand sicherte sich die Britin Zoe Bäckstedt (Canyon – SRAM – zondacrypto) den vierten Platz vor der Niederländerin Eline Jansen (VolkerWessels) und ihrer Landsfrau Cat Ferguson (Movistar). Die Deutsche Meisterin Franziska Koch stellte sich in den Dienst ihrer Teamkollegin Vollering und wurde schließlich Achte, Liane Lippert (Movistar) war zeitgleich auf Rang 19 zweitbeste deutsche Fahrerin.

Titelverteidigerin Elisa Longo Borghini (UAE – Team ADQ) ließ im Finale viele Körner bei der Verfolgung von Reusser und Vollering, die sich rund 24 Kilometer vor dem Ziel gelöst hatten, und musste sich 1:35 Minuten hinter der Siegerin mit Platz 22 begnügen.

So lief Dwars door Vlaanderen der Frauen:

Rund zwei Stunden nach den Männern nahmen die Frauen ihr Dwars door Vlaanderen in Angriff – allerdings in Waregem, wo sich auch das Ziel befand. Die fast 129 Kilometer lange Strecke beinhaltete acht Anstiege und sechs Kopfsteinpflasterabschnitte, das Finale mit den beiden Runden über den Nokereberg und den beiden Kopfsteinpflasterpassagen der Herlegemstraat war identisch mit dem der Männer.

Eine siebenköpfige Spitzengruppe wurde vom aufmerksamen Feld an der kurzen Leine gehalten und frühzeitig wieder gestellt. Am Eikenberg 40 Kilometer vor dem Ziel bereitete die Deutsche Meisterin Franziska Koch eine Attacke ihrer Teamkollegin Vollering vor. Der Europameisterin folgen konnten nur Puck Pieterse (Fenix – Premier Tech), Fleur Moors (Lidl – Trek) und Letizia Borghesi (AG Insurance – Soudal), das Quartett wurde allerdings schnell wieder gestellt.

Vollering war nach zahlreichen weiteren Attacken dann aber aufmerksam, als Reusser 24 Kilometer vor dem Ziel davonzog. Das Duo fuhr sich rund 20 Sekunden auf die von UAE angeführten Verfolgerinnen heraus. Schnell aber musste Vorjahressiegerin Longo Borghini selbst in den Wind, Reussers Teamkolleginnen Lippert und Ferguson hielten sich an ihrem Hinterrad.

Das Streckenprofil des 14. Dwars door Vlaanderen der Frauen | Foto: Veranstalter

Nachdem die Italienerin über mehrere Kilometer hin im Wind gefahren war, ohne dass der Rückstand sich verringert hätte, ließ Longo Borghini sich elf Kilometer vor dem Ziel wieder einige Positionen zurückfallen. Dennoch betrug der Abstand zwischen beiden Gruppen an der letzten Überquerung des Nokereberg nur noch fünf Sekunden. Doch die beiden Ausreißerinnen arbeiteten gut zusammen, so dass die Lücke zu den nur noch rund 20 Verfolgerinnen auf wieder fast 20 Sekunden aufging.

Auch als Mischa Bredewold (SD Worx – Protime) und Pieterse die Verantwortung übernahmen, schlug das Pendel nicht mehr um, zumal die beiden Deutschen Lippert und Koch für ihre beiden Kapitäninnen erfolgreiche “Störarbeit“ leisteten,

Vollering führt das Duo auf den Schlusskilometer, wo die beiden zu pokern begannen. Nooien hatte sich derweil aus der Gruppe der Verfolgerinnen davongemacht und holte nach der letzten Kurve Vollering und Reusser, die sich belauerten, tatsächlich noch ein und zog 300 Meter vor dem Ziel an den Favoritinnen vorbei. Die reagierten spät, aber gerade noch rechtzeitig, sprinteten links und rechts auf den letzten Metern noch an der Visma-Fahrerin vorbei, wobei sich Reusser ganz knapp gegen Vollering durchsetzte.

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