“Keine Sorgen wegen Positionskämpfen“

“Heiland“ Evenepoel will Ostern beim Hochamt den Bann brechen

Von Kevin Kempf

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Remco Evenepoel (Red Bull - Bora - hansgrohe) bei der Pressekonferenz | Foto: Cor Vos

04.04.2026  |  (rsn) – “Einmal werden wir noch wach, heißa, dann ist Rondetag.“ So oder so ähnlich könnte die Stimmung in Belgien am Vorabend der 110. Flandern-Rundfahrt (1.UWT) beschrieben werden. Seit Philippe Gilberts Triumph 2017 wartet die Nation auf einen Heimsieg, Tom Boonen war 2012 der letzte Flame auf dem höchsten Podest. Es wird also Zeit, dass der Bann bei der “Vlaamse Hoogmis“ - dem “Flämischen Hochamt“ - endlich wieder gebrochen wird. Und könnte es dafür einen passenderen Zeitpunkt als den Ostersonntag geben?

Nach Frank Vandenbroucke, der in seiner Heimat auch gern “Gott“ genannt wurde - “God is back“ stand zu seinen Zeiten oftmals auf den Rennstrecken geschrieben - ist es nun an Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe). Er wird von vielen Belgiern jedenfalls schon seit seinen Juniorenzeiten als heilandähnliche Figur verehrt, der nach Lucien Van Impe vor genau 50 Jahren endlich wieder einen Toursieg einfahren soll. Doch über dieses Fernziel spricht diese Woche niemand, denn der 26-Jährige gibt sein Debüt bei “Vlaanderens Mooiste“.

Und wie seine Fans kann es auch Evenepoel kaum erwarten. “Ich freue mich auf den gesamten Tag; vom Aufstehen bis zum hoffentlich nicht schlafen gehen müssen“, deutete er auf der Pressekonferenz eine potenziell rauschende Siegesfeier an. “Die Fans werden mir einen Adrenalinkick geben“, fügte er vor seiner Premiere an. Seine Erfahrungen auf flämischen Straßen beschränken sich auch nach sieben Profijahren auf kaum zehn Renntage, bei denen er trotzdem einige Erfolge eingefahren hat.

Und nicht nur das! “Ich schöpfe Selbstvertrauen aus dem Amstel, auch wenn das ein anderes Rennen ohne Kopfsteinpflaster ist", so der  Doppelolympiasieger weiter. In Berg en Terblijt wurde er letztes Jahr Dritter hinter Überraschungssieger Mattias Skjelmose (Lidl – Trek) und Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG). 

Doch auch wenn die beiden Rennen auf den ersten Blick vergleichbar scheinen – es gibt viele kurz steile Anstiege und in den Zwischenpassagen geht es meist über schmale kurvige Straßen – liegen große Unterschiede ebenfalls auf der Hand. Zum einen wäre da natürlich das erwähnte Kopfsteinpflaster. Zum anderen werden in den Niederlanden rund 3.000 Höhenmetern bei 250 Kilometern Renndistanz absolviert. Bei der Flandern-Rundfahrt sind es etwa 1.000 weniger bei einer ungefähr 20 Kilometer längeren Strecke.

“Ich würde mich sowieso unter ihnen ansiedeln“

So bleibt das zweite Monument doch ein Experiment für den Belgier. “Mathieu, Tadej und Wout haben schon oft genug bewiesen, dass sie hier ganz vorn landen können. Für mich ist es neu, auf so einem Parcours Rennen zu fahren. Das ist etwas anderes als Training. Meine Kapazitäten sind ganz nah an denen von ihnen, aber weil mir die Erfahrung fehlt, würde ich mich sowieso hinter ihnen ansiedeln“, machte Evenepoel seine eigene Favoritenliste auf. 

Und das, was ihm in der Vergangenheit oft Probleme bereitete, beschert ihm nun keine schlaflosen Nächte: “Ich mache mir keine Sorgen über die Positionskämpfe. Die Unterschiede werden an den Steigungen forciert und danach kann man nicht viel schneller fahren als die Konkurrenz, weil das Terrain so schwierig ist“, lautete Evenepoels Prognose.

Zum Schluss ging er auch noch auf das Katz-und-Maus-Spiel mit den Medien ein. Seit dem Winter brodelte die Gerüchteküche, dass der Red-Bull-Neueinkauf in Flandern starten würde. Das wurde von Teamseite immer wieder verneint, was den Gerüchten allerdings keinen Einhalt gebot. "Ich hätte lieber eher gesagt, dass ich starte, aber Mittwoch war der abgemachte Termin. Wenn wir im Winter gesagt hätten, dass der Flandern-Start eine Option sei, wäre das für euch sowieso ein ’Ja‘ gewesen. Wir wollten aber den Aufbau und Katalonien abwarten. Nächstes Jahr wisst ihr im Dezember alles“, versprach Evenepoel.

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