Reusser nach Sturz ausgeschieden

Vollering stürmt in Oudenaarde zu ihrem ersten Ronde-Triumph

Von Marc Zeiringer

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Demi Vollering (FDJ United – Suez) hat erstmals in ihrer Karriere die Flandern-Rundfahrt der Frauen gewonnen. | Foto: Cor Vos

05.04.2026  |  (rsn) – Demi Vollering (FDJ United – Suez) hat erstmals in ihrer Karriere die Flandern-Rundfahrt der Frauen (1.WWT) gewonnen. Die Europameisterin aus den Niederlanden setzte sich über 164,5 Kilometer rund um Oudenaarde nach einer Attacke an der letzten Überquerung des Oude Kwaremont durch und sicherte sich ihren 60. Sieg als Radprofi mit 42 Sekunden Vorsprung auf die Französin Pauline Ferrand-Prévot (Visma – Lease a Bike). Die Vorjahreszweite verwies im Sprintduell Vollerings Landsfrau Puck Pieterse (Fenix – Premier Tech) auf Rang drei.

Den Sprint der nächsten Verfolgerinnen gewann mit 1:04 Minuten Rückstand die belgische Titelverteidigerin Lotte Kopecky (SD Worx – Protime), die damit Vierte wurde vor der Britin Zoe Bäckstedt (Canyon – SRAM – zondacrypto) und der Niederländerin Karlijn Swinkels (UAE – Team ADQ).

Die Deutsche Meisterin Franziska Koch (+1:58) belegte als Vollerings Edelhelferin den starken zehnten Platz, die Schweizerin Noemi Rüegg (EF Education – Oatly) wurde zeitgleiche Zwölfte.

Ihre Landsfrau Marlen Reusser (Movistar), vor dem Rennen als eine der Top-Favoritinnen gehandelt, musste nach einem Sturz aufgeben. Informationen über ihren Gesundheitszustand liegen noch nicht vor.

“Es ist verrückt. Mir fehlen ein bisschen die Worte. Es war super hart heute. Ich habe nur daran gedacht, dass ich so schnell wie möglich fahren muss, damit das Leiden so schnell wie möglich aufhört“, kommentierte die 29-jährige Vollering im Flash-Interview ihren Solosieg, den sie mit ihrer Attacke am Oude Kwaremont rund 17 Kilometer vor Schluss vorbereitet hatte – übrigens wie es im Männerrennen auch Tadej Pogacar (UAE – Emirates –XRG) gelungen war.

“Ich habe von diesem Moment so viele Male geträumt. Ich wusste, dass der Kwaremont der längste Anstieg ist und dass er mir am besten liegt. Ich habe alles gegeben, ohne zurückzuschauen. Als ich die Kopfsteinpflaster hinter mir hatte, habe ich erste bemerkt, dass ich allein bin“, schilderte sie ihre unwiderstehliche Attacke, nach der sie noch den Paterberg bewältigen musste. “Vom Paterberg bis ins Ziel ist es ein weiter Weg. Es hat sich angefühlt, als ob es nie enden wird. Ich hab es davor schon in anderen Positionen erlebt, aber heute war es ganz anders an der Spitze. Diese Position war die, die am meisten Spaß gemacht hat“, fügte sie an.

So lief die Flandern-Rundfahrt 2026 der Frauen:

Es dauerte etwa 15 Kilometer, bis die ersten Attacken zu Erfolgen führten. Anastasiya Kolesava (Canyon Sram – zondacrypto), Teuntje Beekhuis (Uno-X Mobilty), Allison Mrugal (Mayennen - Monbana - My Pie) und Sophie Von Berswordt (VolkerWessels) bildeten schließlich die Gruppe des Tages, auf die vier Verfolgerinnen Jagd machten.

Das Feld lag nach 60 Kilometern rund vier Minuten hinter den Ausreißerinnen, zu denen Caroline Wreszin (St. Michel – Preference Home – Auber93) und Yonna Van Dam (Citymesh – Customm Pro) aus der zweiten Gruppe heraus aufschließen konnten. Nur kurze Zeit später ereignete sich in Oudenaarde ein schwerer Massensturz im Feld. Einige Fahrerinnen versuchten, eine Parkbucht zum Überholen zu nutzen und übersahen dabei das Verkehrsschild.

Im weiteren Verlauf des Rennens kam das Peloton immer weiter an die Spitzengruppe heran, die sich schließlich wieder auf vier Fahrerinnen reduzierte, da van Dam und Mrugal bei den nächsten beiden Kopfsteinpflasterpassagen das Tempo nicht mitgehen konnten. Vor dem Molenberg wurde das Tempo im Peloton dann stark angezogen und im Anstieg testete Reusser zum ersten Mal ihre Gegnerinnen. Es gingen zunächst einige Lücken auf, doch alle Favoritinnen und viele weitere Fahrerinnen schafften es im Anschluss wieder heran. 60 Kilometer vor dem Ende hatte damit die Ausreißerinnengruppe nur noch zwei Minuten Guthaben auf das heranrasende Feld.

Das Streckenprofil der 23. Flandern-Rundfahrt der Frauen | Foto: Veranstalter

Der Eikenberg 50 Kilometer vor dem Ende war nicht der große Scharfrichter, doch wenig später gab es die erste Vorentscheidung im Rennen. Die Spitzengruppe hatte sich bereits aufgelöst und nur Kolesava lag noch vorm Peloton, als der nächste Massensturz weitere Opfer hinterließ: Reusser und Kim Le Court (AG Insurance – Soudal) mussten das Rennen beenden.

Kurz danach dünnte der Koppenberg die Liste der Sieganwärterinnen weiter aus. Initiiert von Koch bildete sich nach einer Tempoverschärfung eine 18-köpfige Spitzengruppe mit den Favoritinnen Vollering, Ferrand-Prévot, Kopecky, Pieterse und Elisa Longo Borghini (UAE – ADQ).

Am Taaienberg gab es kaum Änderungen in der Spitzengruppe, doch der Oude Kruisberg sollte für einige Fahrerinnen zum Problem werden. Erneut zog Koch das Tempo für Vollering an. Zunächst konnten nur Pieterse, Kopecky und Ferrand-Prévot den beiden Teamkolleginnen folgen. Einige Kilometer später kam eine Verfolgerinnengruppe mit Longo Borghini wieder heran.

Vollering unwiderstehlich am Oude Kwaremont

Die Entscheidung fiel dann am Oude Kwaremont. Koch bereitete wieder mustergültig eine Attacke von Vollering vor. Die Niederländerin setzte sich prompt von allen Kontrahentinnen ab. Nach dem Paterberg hatte sie bereits einen Vorsprung von 30 Sekunden auf Pieterse und Ferrand-Prévot. Dahinter versuchten Kopecky und Longo Borghini mit einer Gruppe nochmal an das Duo heranzufahren.

Dies gelang aber nicht, womit bereits zehn Kilometer vor dem Ende das Podest praktisch feststand. Der Kampf um Platz zwei hinter der überragenden Vollering blieb jedoch noch bis zur Ziellinie in Oudenaarde spannend. Ferrand-Prévot eröffnete den Sprint zuerst und erwischte Pieterse auf dem falschen Fuß, die nicht mehr nachsetzen konnte und damit hinter der Französin Dritte wurde.

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