Baskenland bejubelt ersten Heimsieg

Aranburu gewinnt das Spektakel am Schlussanstieg

Von Sebastian Lindner

Foto zu dem Text "Aranburu gewinnt das Spektakel am Schlussanstieg"
Alex Aranburu (Cofidis) hat die 4. Etappe der Baskenland-Rundfahrt gewonnen. | Foto: Cor Vos

09.04.2026  |  (rsn) – Er kann es nur mit Spektakel. Alex Aranburu (Cofidis) hat die 4. Etappe der Baskenland-Rundfahrt gewonnen. Nach drei französischen Tagessiegen gab der 30-Jährige den heimischen Fans nun erstmals Grund zum Jubel. Nach 167 Kilometern rund um Galdakao siegte der Baske auf der extrem steilen Zielgerade im Sprint vor Tobias Halland Johannessen (Uno-X Mobility) und Christian Scaroni (XDS – Astana). Das Trio war Teil einer mehr als 30 Fahrer starken Ausreißergruppe, die sich nach rund 60 Kilometern vom Feld abgesetzt hatte.

Als Vierter überquerte Aranburus Teamkollege Ion Izagirre den Zielstrich. Der zweite Baske bei Cofidis hatte sich in der letzten Abfahrt ans Hinterrad des Gesamtführenden Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM) geklemmt, der einmal mehr mit einer waghalsigen Aktion bergab große Teile der Klassement-Favoriten hinter sich ließ. Nachdem das Spitzenduo Aranburu/Johannessen auf dem letzten Kilometer pokerte und Schlängellinien fuhr, kam nicht nur die erste Verfolgergruppe um Scaroni zurück, sondern eben auch der furiose Seixas, der sich im Bergaufsprint allerdings nicht mehr vollends verausgaben wollte. Anders als Izagirre.

Denn der hätte um ein Haar nicht nur den Etappensieg geholt, sondern auch Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) von Rang drei in der Gesamtwertung verdrängt. Lipowitz kam wie sein Teamkollege Primoz Roglic und das Gros der restlichen Top 10 genau 34 Sekunden hinter dem Tagessieger an. Izagirre fehlten sieben Sekunden. Damit trennt Lipowitz, der jetzt 2:28 Minuten hinter Seixas Dritter ist, nur noch eine Sekunde vom viertplatzierten Basken.

Der andere Cofidis-Baske, Aranburu, hatten seinen bis dato letzten Sieg auf den Tag genau vor einem Jahr feiern können. Damals war es die 3. Etappe der Baskenland-Rundfahrt. Kurios: Aranburu war damals als Solosieger ins Ziel gekommen. Dabei hatte er allerdings einen Kreisverkehr in der letzten Abfahrt in der falschen Richtung durchfahren, woraufhin ihm die Jury den Sieger wieder aberkannte. Noch ein paar Minuten später hieß der Sieger dann doch wieder Aranburu. Insgesamt stammen nun drei seiner insgesamt zehn Siege aus dem Baskenland, sieben von spanischem Boden.

Nach dem verpassten Sieg vom Vortag klappt es diesmal

“Alle meine Siege im Baskenland sind etwas ganz Besonderes. Gestern war ich sehr traurig und frustriert über mich selbst, aber jetzt bin ich überglücklich“, sagte Aranburu, der schon am Vortag zu den Favoriten gezählt hatte, da aber den Sprung in die letztlich siegreiche Ausreißergruppe verpasst hatte, im Siegerinterview.

“Am Anstieg habe ich versucht, alle abzuhängen, aber Johannessen war ganz nah dran und holte in der Abfahrt wieder auf. Also beschloss ich, zu versuchen, mich wieder an ihn ranzuhängen. Im Finale habe ich es dann gut gemacht. Als ich Ion auf der rechten Seite sah, war ich ziemlich überrascht, aber wir kennen diese Zielankunft, also war es eigentlich perfekt für uns“, sagte er.

Seixas‘ Recon zahlt sich aus

Izagirre erwies sich dabei als das Zünglein an der Waage, wie Johannessen bei Eurosport erklärte: “Ich wusste, dass Aranburu in solchen Finals vielleicht einer der besten Fahrer der Welt ist. Als Izagirre von hinten kam, wusste ich, dass Aranburu nicht die Lücke zufahren würde. Also musste ich es probieren. Am Ende ist es Platz zwei“, mit dem sich der Norweger nicht wirklich arrangieren konnte. “Ich war wirklich hungrig auf einen Sieg, vor allem nach einem Tag wie heute, an dem wir das perfekte Teamwork hatten. Mir tut es ein bisschen leid für das Team und für mich selbst, dass ich die Chance verpasst habe. Aber ich musste einfach den Sprint starten und hoffen, dass Aranburu auf der letzten Rille war. So aber: Chapeau an ihm, aber ich bin natürlich enttäuscht.“

Dazu hatte der alte und neue Mann im Gelben Trikot überhaupt keinen Grund. “Ich bin zufrieden, dass ich etwa zwanzig Sekunden auf die anderen Gesamtklassement-Anwärter gutgemacht habe, denn Red Bull hat viel attackiert, früher als ich erwartet hatte“, ließ Seixas über sein Team wissen. “Ich habe in der Abfahrt attackiert, weil wir letzten Sonntag gemeinsam eine Erkundungstour gemacht hatten. Dadurch konnte ich auf dem Anstieg ruhig bleiben, da ich wusste, dass die Abfahrt kommen würde, und ich fühlte mich gut.“

Bis auf die Bergwertung führt Seixas weiterhin deutlich in allen Sonderwertungen. Joan Bou (Caja Rural – Seguros RGA) verteidigte das Gepunktete Trikot des besten Kletterers.

So lief die 4. Etappe der Baskenland-Rundfahrt:

Wie schon am Vortag wurde im ersten Teil des Rennens wild attackiert. Erst nach knapp 60 Kilometern, an der dritten von sieben Bergwertungen des Tages, kristallisierte sich dann eine konstante Rennkonstellation heraus. Und die hatte es durchaus in sich. Denn eine riesige Spitzengruppe bekam freie Fahrt vom Feld. Mehr als 30 Profis fuhren sich bis Rennhälfte drei Minuten Vorsprung heraus. Ihnen voraus fuhr dann noch ein Solist: Brandon McNulty (UAE – Emirates – XRG), dessen Kapitän Isaac Del Toro die Rundfahrt am Vortag nach einem Sturz hatte aufgeben müssen.

Der US-Amerikaner war davongezogen, bevor der große Pulk hinter ihm um das Red-Bull-Duo Haimar Exteberria und Luke Tuckwell, Quinn Simmons (Lidl – Trek), Ben Healy (EF Education – EasyPost), die Johannessen-Brüder Tobias und Anders und Magnus Cort (Uno-X Mobility), Alex Aranburu (Cofidis) oder Marc Soler und Felix Großschartner (UAE – Emirates – XRG) gestartet war. Die Gruppe schaffte es aber zunächst nicht, McNulty näher zu kommen. Im Gegenteil: 65 Kilometer vor dem Ziel hatte er zwei Minuten Vorsprung auf die Verfolger, vier Minuten aufs Feld.

Decathlon ließ es dennoch lange Zeit ruhig angehen und tat erst wieder mehr, als rund 50 Kilometer vor dem Ende Bahrain Victorious mit einstieg. Auch die Gruppe machte nun deutlich Zeit auf McNulty, der schließlich rausnahm und 35 Kilometer vor dem Ziel gestellt wurde. Das Feld war zu diesem Zeitpunkt noch anderthalb Minuten zurück.

Das Streckenprofil der 4. Etappe der Baskenland-Rundfahrt | Foto: Veranstalter

 

Am vorletzten Anstieg testete Lipowitz seine Konkurrenten, ohne damit aber wirklich Schaden anzurichten. Vorne waren es Soler und Tobias Johannessen, die das Tempo bestimmten und die Gruppe auf zehn Fahrer eindampften. Nach der Abfahrt griff Soler erneut an, Tuckwell ging mit. Beide wurden dann von Anders Johannessen übertrumpft, der 20 Sekunden Vorsprung mit in den letzten Anstieg nahm.

Der Erste oben war dann Aranburu, bei ihm nur noch Tobias Halland Johannessen. In der Abfahrt konnte sich der Spanier zwar etwas absetzen, doch im Flachen kam sein Begleiter zurück. Und auch Seixas war bergab wieder eine Klasse für sich und schüttelte viele seiner Klassement-Kontrahenten ab. Nur Izagirre und Bilbao blieben am Mann in Gelb dran.

Der letzte Kilometer wurde dann zum Spektakel. Denn nicht nur das Quartett um Scaroni kam aufgrund der Pokerspiele des Spitzenduos nochmal zurück. Auch die Seixas-Gruppe war plötzlich wieder dran. Und zunächst flog Izagirre an allen vorbei. Doch auf den steilen letzten 200 Metern machte sich die Aufholjagd dann doch bemerkbar, so dass letztlich doch Aranburu im Sprint den Sieg davontragen konnte.

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