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10.04.2026 | (rsn) – Für die deutschen Profis ist Paris-Roubaix (1.UWT) seit langer Zeit der Klassiker, bei dem sie die besten Resultate einfahren. John Degenkolb (Picnic – PostNL) hat 2015 gewonnen, Nils Politt (UAE – Emirates – XRG) wurde 2019 Zweiter, Maximilian Walscheid (Lidl – Trek) überquerte 2023 den Zielstrich als Achter und im letzten Jahr lieferte Jonas Rutsch (Lotto – Intermarché) dem Publikum eine Riesenshow. Aus der Gruppe des Tages heraus kam er bis ins Finale hinein und hielt sich dann hartnäckig in der Verfolgergruppe von Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) und Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG).
Zwar konnte er dann Mads Pedersen (Lidl – Trek), Wout van Aert (Visma – Lease a Bike) und Florian Vermeersch (UAE – Emirates – XRG) nicht mehr folgen, den Sprint seiner Dreiergruppe entschied er aber für sich, was letztlich Platz sechs bedeutete. ”Hin und wieder denke ich da auf jeden Fall dran zurück“, erzählte er RSN am Freitagmorgen zwei Tage vor der "Königin der Klassiker", kurz bevor er zum Recon nach Frankreich aufbrach.
___STEADY_PAYWALL___Trotz des Erfolgs von 2025 soll seine Herangehensweise an das dritte Monument nun aufgrund der zu erwartenden Umstände anders werden. “Es wird wohl ein anderes Radrennen geben, soweit ich das analysiert habe. Wenn man sich das gesamte Frühjahr anguckt, wird von Anfang an mit dem Brecheisen gefahren. UAE hat mit Abstand das stärkste Team in der Summe, würde ich behaupten wollen", erzählte Rutsch und fügte an: "So wie die Lage aktuell aussieht, werden wir tendenziell eine Schiebekante haben und der Anfang des Rennens ist ein wenig anders. Die Sektoren kommen frequentierter. Dementsprechend würde ich ein Szenario wie 2022 nicht kategorisch ausschließen wollen."
Jonas Rutsch kam letztes Jahr im trikot von Intermarché - Wanty in Roubaix als Sechster ins Ziel. | Foto: Cor Vos
Vor vier Jahren riss das Peloton bereits 210 Kilometer vor dem Ziel in zwei Teile. Van der Poel und van Aert verpassten den Cut, kamen zwar noch zurück zur Spitze, konnten letztendlich aber den Sieg von Dylan van Baarle (damals Ineos Grenadiers) nicht mehr verhindern.
Mit dem dreimaligen Roubaix-Sieger van der Poel rechnet Rutsch auch in diesem Jahr. Der große Konkurrent ist aber anders als damals nicht mehr van Aert. “Weil es die zwei Großen - van der Poel und Pogacar - gibt, braucht sich keiner Illusionen zu machen, dass er im Finale großartig mit denen mitfahren oder sie gegebenenfalls sogar abhängen kann. Das wird zwischen den beiden ausgetragen werden. Das wissen die und das weiß der Rest des Feldes. Dementsprechend wollen auch viele Leute vor die Geschichte kommen“, vermutete der Lotto-Profi.
Doch Rutsch gehört wegen der anderen Umstände nicht dazu, auch wenn ihm die Konstellation bei der letzten Ausgabe außerordentlich gut gefallen hat. “Es wird viel Nervosität im Feld geben und dann muss man gucken, wie die Gegebenheiten sind. Wenn ich mir das frei aussuchen könnte, dann war letztes Jahr ideal. Es war stressreduzierter, aber auch mit mehr Investment, was die physische Arbeit angeht.“
Ebenfalls nicht in die Gruppe will höchstwahrscheinlich Arnaud De Lie, der nominelle Kapitän der Lotto-Mannschaft. Der Belgier hat, nachdem er im Herbst 2025 zu alter Stärke zurückgefunden hatte, eine schwierige erste Saisonphase, wobei ihm vor allem Anstiege zu schaffen machen scheinen. Davor muss De Lie in Roubaix allerdings keine Angst haben.
Sein deutscher Teamkollege aber könnte die Nummer 2 der belgischen Equipe werden. “Es hat sich wohl niemand den Namen Jonas Rutsch aufgeschrieben. Aber letztes Jahr habe ich gezeigt, dass ich für eine vordere Platzierung gut sein kann, wenn alles zusammen kommt“, sagte der 28-Jährige.
Rutsch verlässt die Trouée d'Arenberg mit den Ausreißern. | Foto: Cor Vos
“Bis jetzt war ich die gesamte Saison in der Helferrolle zu finden und habe die Arbeit früh im Rennen erledigt. In Roubaix wird sich das ein bisschen ändern. Ich hoffe auf eine freie Rolle“, meinte Rutsch vor der Teambesprechung für Sonntag. Doch die Aufgabenverteilung ist für Paris-Roubaix besonders kompliziert – oder sogar sinnlos. “Das ist das schwierigste Rennen, um einzuteilen, wer was macht. Man kann sich immer einen großen Plan machen, aber es ist kein Mailand-Sanremo, wo es nur drei bis fünf Punkte gibt, an denen man vorn sein muss. In Roubaix muss das den ganzen Tag über der Fall sein.“ Und vom Pech verschont bleiben sollte man außerdem.
Wenn man den ganzen Tag vorn dabei war und der Materialhexe erfolgreich ausgewichen ist, braucht man nur noch eins: gute Form! “Die Beine waren – gerade letzte Woche – nicht so schlecht. Allerdings war mein Start in die Saison mit meinem Sturz in Australien etwas holprig. Infolgedessen hatte ich im Höhentrainingslager in Kolumbien eine Entzündung in der Wunde", erzählte Rutsch. "Da musste ich Antibiotika nehmen und dann darauf reagiert. Ich hatte mit der Geschichte lange Probleme. Das war nicht ohne und ich hätte nicht gedacht, dass mich dass eineinhalb Monate kosten würde, auch wenn das schon ein relativ harter Sturz war in Down Under.“
Bei der Flandern-Rundfahrt verrichtete Rutsch Helferdienste. | Foto: Cor Vos
Davon hat sich Rutsch inzwischen aber erholt, auch wenn die Ergebnisse ausblieben. “Wenn man als Helfer früh in den Rennen Kraft investiert, hat man mit dem Rennausgang nichts zu tun. Das wird am Sonntag nicht anders sein für die, die da zu Beginn wie verrückt in die Gruppe zu springen versuchen werden“, erklärte er. “Was meine physische Verfassung angeht, bin ich aber guter Dinge. Die Beine sind auf keinen Fall schlechter als im letzten Jahr. Das ist so!“, betonte er nochmals.
Die guten Beine wird er ab Montag dann erstmal hochlegen. “Ich bin aus Australien direkt weitergeflogen nach Kolumbien. Ich glaube, ich war seit Beginn des Jahres etwas mehr als zwei Wochen daheim. Ich brauche jetzt fünf Tage ohne Rad, an denen ich die Systeme runterfahren kann. Am Sonntag heißt es aber noch einmal all-in“, kündigte er an.