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12.05.2026 | (rsn) – Giulio Ciccone (Lidl – Trek) hat beim Giro d’Italia im Grunde schon alles erlebt. Etappensiege, drei an der Zahl oder den Gewinn des Bergtrikots 2019. Der Italiener hat bei der Grand Tour durch seine Heimat aber auch schon die andere Seite kennengelernt. Von acht bisher gefahrenen Giros – aktuell nimmt er die Rundfahrt zum neunten Mal unter die Räder – hat Ciccone nur jede zweite beendet. Auch im letzten Jahr war nach einem Massensturz auf der 14. Etappe Schluss.
Das Einzige, was ihm noch fehlte, war das Rosa Trikot. Auch wenn das für einen Mann seines Formats komisch klingt: Ciccone war noch nicht mal nah dran. 2021 lag er zur Mitte der Italien-Rundfahrt für zwei Tage auf Rang vier, weiter nach vorne ging es nie. Weder im Zwischenfazit, erst recht nicht zum Ende des Rennens. Ciccone hat den Giro noch nie unter den Top 15 beendet, weil sein Fokus immer eher auf der Etappenjagd denn auf dem Gesamtklassement lag. ___STEADY_PAYWALL___
Doch jetzt, mit 31 Jahren, ist der Bann gebrochen. Ciccone hat auf der 4. Etappe nach Cosenza das Maglia Rosa übernommen. Weil er sowohl am Red-Bull-Kilometer als auch im Tagesziel Dritter wurde, hat er sich insgesamt sechs Bonussekunden erkämpft, die reichten, um Jan Christen (UAE – Emirates – XRG) und Florian Stork (Tudor) um vier Sekunden auf Distanz zu halten.
Giulio Ciccone (Lidl – Trek, 2. v.l.) im Zielsprint der 4. Giro-Etappe | Foto: Cor Vos
“Als ich mit dem Radsport begonnen habe, war es mein Traum, einmal dieses Trikot zu tragen“, sagte Ciccone in der Mixed-Zone von Cosenza. “Heute kann ich sagen: Er hat sich erfüllt.“ Pünktlich zum Jubiläum übrigens: Es war seine 150. Giro-Etappe.
2019 trug Ciccone bereits ein anderes Führungstrikot einer Grand Tour. An der Planche des Belles Filles hatte er das Maillot Jaune der Tour de France von Julian Alaphilippe übernommen, es auf den Etappen 6 und 7 getragen. “Als ich Gelb hatte war ich wirklich jung. Ich hatte das damals nicht erwartet. Aber klar: Es ist eines der schönsten Trikots der Welt, es war etwas Besonderes. Aber das ist auch Rosa für mich.“
Das weiß auch sein gesamtes Team. Obwohl sich Sprintkapitän Jonathan Milan vor der “50:50-Etappe“ – einige Profis und Teams hatten durchaus auf einen Massensprint gehofft, doch das wurde durch das hohe Movistar-Tempo am Cozzo Tunno vereitelt – durchaus Chancen ausgerechnet hatte, die letztlich doch aber klar enttäuscht wurden, sagte er bei Eurosport: “Immerhin ist Giulio jetzt in Rosa. Das ist super. Ich freue mich sehr für ihn.“
Ciccones neuer Teamkollege Derek Gee-West stellte sich auf der 4. Etappe der in Dienste des Italieners. | Foto: Cor Vos
Und auch Derek Gee-West, der bei Lidl eigentlich für das Klassement-Ergebnis sorgen soll, äußerte sich ähnlich. Doch die netten Worte des Kanadiers schickte Ciccone postwendend zurück. “Ich muss mich wirklich bei ihm bedanken. Er ist ein Held. Er ist vor ein paar Tagen hart gestürzt, heute hatte er einen Platten. Im Finale hat er mir dann mit Matteo Sobreo geholfen. Er hat Ambitionen im GC und mir trotzdem geholfen“, freute sich der neue Giro-Spitzenreiter.
“Ich hoffe, ich kann ihm etwas zurückgeben. Wir kennen ihn – er ist wie ein Diesel. Er braucht ein bisschen Zeit, um seine beste Leistung zu erreichen. Ich werde mein Bestes geben, um ihm zu helfen", kündigte er bereits jetzt Helferdienste für den Lidl-Neuzugang an.
Endlich: Zehn Jahre nach seinem Giro-Debüt trägt Giulio Ciccone das Führungstrikot seiner Heimat-Rundfahrt. | Foto: Cor Vos
Zunächst aber wird der Mann aus Chieti selbst noch im Fokus stehen. Denn rettet er das Trikot noch über die erste Bergankunft am Blockhaus auf der 7. Etappe, startet er den tags darauf in seiner Heimatstadt in Rosa. Aber das ist noch ein langer Weg. “Erstmal kommt noch eine schwere Etappe am Mittwoch“, sagte Ciccone. “Dann wäre es wirklich schön, wenn ich den Blockhaus am Freitag in Rosa hinauffahren könnte.“
Es wäre ein weiterer Traum. “Aber ich fühle mich gut und wir werden definitiv versuchen, das Trikot zu verteidigen", so Ciccone abschließend