Brite opferte für Bernal wohl seine Siegchance

Turner war der heimliche Held der 4. Giro-Etappe

Von Kevin Kempf

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Ben Turner (Netcompany – Ineos) kommt im grauen Trikot als Vierter ins Ziel der 4. Etappe. | Foto: Cor Vos

13.05.2026  |  (rsn) – Der heimliche Held der 4. Etappe des Giro d'Italia war Ben Turner (Netcompany – Ineos). Nicht deshalb, weil der Vuelta-Etappensieger von 2025 im Gegensatz zu fast allen endschnellen Männern bei der Movistar-Offensive nicht ins Hintertreffen geraten war. Auch nicht deshalb, weil Turner im Sprint Tagesvierter geworden war, sondern weil der Sprint- und Klassikspezialis tseinem Kapitän Egan Bernal am Berg und in der Abfahrt zur Hilfe eilte, als der in Problemen steckte.

“Er war großartig. Er hat mir enorm geholfen. Er hätte die Etappe gewinnen können, wenn er mir nicht geholfen hätte. Aber das Team hat die Entscheidung getroffen“, erzählte Bernal selbst vor dem Start der 5. Etappe am Eurosport-Mikrofon.

Der Kolumbianische Meister konnte dem am einzigen Berg des Tages von Movistar angeschlagenen Tempo 45 Kilometer vor dem Ziel nicht mehr folgen. Turner ließ sich zurückfallen und führte den Tour- und Giro-Sieger vergangener Tage wieder an die Spitzengruppe heran. Allerdings dauerte das 30 Kilometer, teilweise bergauf, teilweise bergab und zum Schluss in der Ebene.

Dabei hatte Turner logischerweise viel Kraft verbraucht, die im Schlussspurt dann fehlte. “Es fühlt sich nach einer ziemlich großen Enttäuschung an. Ich hatte gute Beine. Aber ich bin froh, dass wir mit Egan keine Zeit verloren zu haben“, sagte der Brite direkt nach dem Zieleinlauf zu Eurosport. Dort trat auch er einen Tag später wieder zum Gespräch an und fügte nach einer Nacht Schlaf noch an: “Das ist mein Job und dafür werde ich bezahlt. Es war nötig, deswegen ist es gut so.“

Wie seine Chancen gestanden hätten, hätte er nicht warten und arbeiten müssen, darüber wollte sich der 26-Jährige nicht auslassen. “Es waren nicht mehr so viele Leute da. Aber es ist schwer zu sagen, ob es ohne die Hilfe ein anderes Ergebnis geworden wäre. Es ist auf jeden Fall gut zu wissen, dass die Form da ist“, urteilte Turner vorsichtig. 

Deutlicher wurde Bernal, der das Finale als 27. aus dem Hintergrund betrachtete. “Als ich ihn sprinten sah, wusste ich sicher, dass er gewonnen hätte. Aber Radsport ist ein Teamsport“, meinte er.

Bernal hofft, “dass es das wert war“

Und so rettete der Teamplayer Turner den Teamkapitän Bernal vor Zeitverlust – und der zeigte sich dementsprechend dankbar. “Wir sind Freunde. Wir sind nicht nur Teamkollegen. Und man will das Beste für seine Freunde“, ärgerte sich der Südamerikaner über seine eigene Schwäche, die bei Netcompany aber vorerst kein Kopfzerbrechen zu verursachen scheint.

“Ich mache mir keine Sorgen um Egan. Nach dem Ruhetag und den einfachen Etappen sind vielleicht seine Beine ein bisschen blockiert. Aber das ist kein großes Ding. Es war ein verrückter und superschwerer Tag. Wir müssen da nicht zu viel reininterpretieren“, analysierte Turner.

Auch Bernal gab sich zuversichtlich: “Ich hoffe, dass ich in der Endabrechnung vorn dabei bin, damit es das wert war.“

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