Nach katastrophalem Frühjahr Comeback bei Rund um Köln

De Kleijn von Jugendlichen beleidigt und k.o. geschlagen

Von Kevin Kempf

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Arvid de KLeijn (Tudor) | Foto: Cor Vos

14.05.2026  |  (rsn) – Arvid de Kleijn (Tudor) hat schon jetzt eine Saison zum Vergessen, die er wohl aber kaum so schnell vergessen können wird. Nachdem er 2025 nach einem schweren Sturz bei der UAE Tour (2.UWT) bereits ein halbes Jahr ohne Renneinsatz geblieben war und im Oktober bei seinem Comeback bei der Tour de Langkawi (2.Pro) noch zwei Etappensiege einfahren konnte, stand der Sprinter 2026 bislang auf noch keiner Startliste.

Dafür gab es verschiedene Gründe, die auf den offiziellen Kanälen unter Verschluss gehalten wurde. Am Mittwoch brachte der Niederländer im Gespräch mit der Tageszeitung De Telegraaf nun aber die Ursachen an die Öffentlichkeit. Zentral stand in dem Interview der letzte von drei Gründen: De Kleijn war von Jugendlichen zusammengeschlagen worden. 

Der Zwischenfall ereignete sich Anfang April in der Woche vor dem Scheldeprijs (1.Pro), bei dem de Kleijn seine Rückkehr feiern wollte. Zuvor war er selbst - mit einigen, nicht weiter genannten Komplikationen - Vater geworden und sein Vater war an Krebs verstorben, wie der Tudor-Profi erklärte.

De Kleijn trainierte in der Umgebung von Sint Oedenrode, wo zu der Zeit das Musikfestival Paaspop stattfand, worüber er sich aber nicht bewusst war. “Ich fuhr an einer Gruppe von zehn Jungs vorbei, die etwa 15, 16 oder 17 Jahre alt waren. Sie warfen mir Beleidigungen an den Kopf und benutzten dabei die Krankheit, an der mein Vater gestorben war“, erinnerte er sich. 

In den Niederlanden ist es gebräuchlich, verschiedene Krankheiten in Beleidigungen und Flüche einzubauen. Die Verwendung des Begriffs von “Krebs“ wird dabei gesellschaftlich allerdings als vollkommen inakzeptabel gesehen. Trotzdem wird es gerade von Jugendlichen häufig benutzt.

Für ihn sei das ein Trigger gewesen, so de Kleijn. “Ich drehte mich um und versuchte, ein Gespräch mit ihnen anzufangen. Ich fragte, warum sie ausgerechnet dieses Wort als Beleidigung verwenden mussten – und warum sie sich überhaupt so benahmen? Als ich sie bat aufzuhören – weil mein Vater genau an dieser Krankheit gestorben war –, nahm die Situation eine immer schlimmere Wendung“, berichtete er.

“Sie hatten wohl getrunken und standen vielleicht auch noch unter dem Einfluss anderer Substanzen. Es war absolut unmöglich, vernünftig mit ihnen zu reden. Als ich beschloss, davon zu radeln, fingen sie an, nach mir zu greifen“, beschrieb der 32-Jährige die Situation, die dann vollends eskalierte. “Rechts hinter mir saß ein Typ auf einem Fatbike, der in einer einzigen, schnellen Bewegung zuschlug und mich bewusstlos schlug“, so de Kleijn, der sich bei der Auseinandersetzung die Nase brach.

Nach schwerer Zeit bereit für die Rückkehr ins Feld

Passanten hätten die Misshandlung beobachtet und seien eingeschritten. “Neun von den Jungs wurden festgenommen. Leider floh die Person, die mich schlug, rasch vom Tatort und konnte bislang noch nicht ausfindig gemacht werden. Bedauerlicherweise wird sich das Verfahren noch eine Weile hinziehen, doch bin ich froh darüber, dass die Täter nicht einfach ungeschoren davonkommen werden“, erzählte de Kleijn.

Nachdem er monatelang über die Geburt und die schwere Zeit danach, sowie die Krankheit und den Tod seines Vaters und die Misshandlung geschwiegen hatte, habe er nun die Kraft gefunden, darüber zu sprechen. Zudem sei er mental und physisch bereit, wieder ins Feld zurückzukehren – und das soll am 17. Mai bei Rund um Köln (1.1) geschehen. 

“Ich glaube, dass ich konkurrenzfähig sein kann. Ich möchte wieder gewinnen – für mich selbst, für das Team und für alle, die mich in dieser Zeit unterstützt haben“, kündigte de Kleijn an.

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