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13.05.2026 | (rsn) – Igor Arrieta (UAE – Emirates – XRG) hat die durch Dauerregen chaotische 5. Etappe des 109. Giro d'Italia (2.UWT) über 203 Kilometer von Praia a Mare nach Potenza gewonnen. Der 23 Jahre alte Baske siegte vor dem Portugiesen Afonso Eulalio (Bahrain Victorious), der das Rosa Trikot vom Italiener Giulio Ciccone (Lidl – Trek) übernimmt. Beide gehörten zur Ausreißergruppe des Tages und kamen mit mehr als sieben Minuten vor der Favoritengruppe ins Ziel.
Arrieta hatte das Rennen bereits gut 60 Kilometer vor dem Ziel scharf gemacht. Kurz vor dem schwersten Anstieg des Tages attackierte er aus einer 13-köpfigen Gruppe heraus. Bis zur Kuppe des steilen Berges hatte Eulalio wieder aufgeschlossen. War das Feld da noch halbwegs in Schlagdistanz gewesen, übernahm danach kein Team mehr die Führungsarbeit, weshalb klar war, dass der Sieger aus der Ausreißergruppe kommen würde.
Und bis auf die letzten 15 Kilometer kamen dafür nur Arrieta und Eulalio in Frage. Dann stürzte zunächst der UAE-Profi auf einer glitschigen Abfahrt. Als Eulalio dann wie der sichere Sieger aussah, verlor auch er in einer Bergabpassage die Kontrolle über sein Rad und stürzte ebenfalls, wodurch das Duo wieder zusammenfand. Die erste Verfolgergruppe um Christian Scaroni (XDS – Astana) konnten die Patzer aber nicht nutzen.
Gut 2000 Meter vor dem Ziel versteuerte sich Arrieta erneut und verpasste eine Kurve. Wieder schien der Sieg weg, doch erneut kam der Spanier zurück. 150 Meter vor dem Ziel auf leicht ansteigendem Terrain hatte er Eulalio wieder gestellt; der Portugiese leistete keinen Widerstand mehr und ließ den ein Jahr jüngeren UAE-Profi gewinnen.
“Ich weiß nicht wirklich, was ich sagen soll. Ich bin sehr glücklich über diesen Sieg, er bedeutet mir eine Menge, nachdem wegen des Crashs (auf der 2. Etappe) so viele Teamkollegen heimfahren mussten“, sagte er im Siegerinterview. Auch sein eigener Sturz brachte Arrieta dabei nicht aus dem Konzept. “Ich habe auch nach meinen Sturz noch an den Sieg geglaubt und wusste, dass ich es bis zum Ende versuchen muss. Nach dieser harten Etappe weiß man nie. Ich war im letzten Kilometer komplett leer, Eulalio ging es aber gleich. Wir hätten beide den Sieg verdient, am Ende habe ich es geschafft.“
Für Arrieta ist es der zweite Sieg als Profi, im vergangenen Jahr gewann er das spanische Eintagesrennen Prueba Villafranca. Eulalio steht noch ohne Karrieresieg da, wird sich aber mit Rosa und der Chance, es am Freitag sogar über den Blockhaus zu retten, trösten können. Denn der Vorsprung auf Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike), Giulio Pellizzari (Red Bull – Bora – hansgrohe) und die weiteren Klassementfavoriten beträgt über sechs Minuten.
“Im Moment kann ich es noch nicht fassen, es fühlt sich noch sehr unwirklich an. Der ganze Tag war verrückt, ich muss das erst verarbeiten“, sagte der neue Gesamtführende im Flash-Interview. “In Abwesenheit von Santiago (Buitrago, auf 2. Etappe ausgeschieden) hatte ich heute diese Chance, ich möchte das Trikot aber auch für ihn tragen, weil er heute nicht hier sein kann“, sagte er über seinen Teamkollegen. Dabei war Eulalio auch nicht ungeschoren davongekommen. “Im Finale wäre es ohne Crash natürlich besser gelaufen. Es war super hart, das Wetter, die Anstiege. Ich habe mich zeitweise schon sehr mies gefühlt, ich denke, es wird aber heute allen so gegangen sein“, fügte er an.
Eulalio führt die Gesamtwertung mit komfortablen 2:51 Minuten Vorsprung vor Arrieta an. Auf Rang drei folgt der Italiener Christian Scaroni (XDS – Astana / +3:34). Florian Stork büßte fünf Positionen ein, ist aber auf Rang acht (+6:16) weiterhin bester der acht deutschen Starter. Red-Bull-Kapitän Giulio Pellizzari (+6:18) fiel auf Rang elf zurück. Top-Favorit Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) hat als Fünfzehnter 6:22 Minuten Rückstand auf das Rosa Trikot.
Eulalio trägt Rosa, ihm gehört aber auch das Weiße Trikot. Die Bergwertung führt weiterhin Diego Sevilla (Polti – VisitMalta) an, Paul Magnier (Soudal – Quick-Step) ist nach wie vor Erster in der Punktewertung. Auf den Franzosen und alle anderen Sprinter wartet morgen in Neapel die nächste Chance, sich zu beweisen.
Über die erste Bergwertung des Tages in Prestieri (3. Kat.) formierte sich die Gruppe des Tages. Zwölf Profis fanden sich nach und nach zusammen. In Einer Rubio (Movistar) hatte der Beste von ihnen im Gesamtklassement lediglich zehn Sekunden Rückstand, was einer der Gründe dafür gewesen sein dürfte, dass die Ausreißer ihren Vorsprung nur langsam ausbauen konnten.
Ebenfalls dabei: Der frühere Mann im Rosa Trikot, Thomas Silva, Christian Scaroni (beide XDS – Astana), Victor Campenaerts (Visma – Lease a Bike) sowie auch Vortagessieger Jhonatan Narvaez (UAE – Emirates – XRG), sein Teamkollege Arrieta und Eulalio. Nach einigen Kilometern schaffte als Einzelkämpfer noch Darren Rafferty (EF Education – EasyPost) den Sprung nach vorn.
Rund zweieinhalb Minuten betrug der zwischenzeitliche Maximalvorsprung, der bei noch 100 Kilometern mal auf 90 Sekunden zusammenschrumpfte, in der Folge aber noch bis auf etwas mehr als drei Minuten anwuchs. Dann verabschiedete sich Lidl – Trek aus der Tempoarbeit, Red Bull übernahm, was den Abstand sofort wieder deutlich verringerte.
Das Streckenprofil der 5. Etappe des Giro d‘Italia | Foto: Cor Veranstalter
62 Kilometer vor dem Ziel ging Arrieta aus der Spitzengruppe heraus in die Attacke. Es dauerte ein paar Kilometer, bis sich die restlichen Verfolger wieder gesammelt hatten. Als es dann in den Anstieg zur steilen Bergwertung Montagna Grande di Viggiano (2. Kat.) ging, hatte er 40 Sekunden Vorsprung.
Vor der Kuppe schloss Eulalio zu Arrieta auf. Gut zwei Minuten nahm das Duo mit über den Berg. In der Folge zog sich Red Bull wieder aus der Nachführarbeit zurück, was den Abstand sprunghaft auf dreieinhalb Minuten anwachsen ließ. Und so musste Ciccone höchstpersönlich arbeiten. Dazu hatten sich Koen Bouwman (Jayco - AlUla), Johannes Kulset (Uno-X Mobility) und Andrea Raccagni (Soudal - Quick-Step) aus dem Hauptfeld gelöst.
Am Red-Bull-Kilometer holte sich Eulalio die sechs Bonussekunden. Das Hauptfeld hatte mehr als fünf Minuten Rückstand. Doch Silva, Scaroni, Gianmarco Garofoli (Soudal – Qucik-Step) und Lorenzo Milesi (Movistar) waren nur etwa 50 Sekunden zurück und damit vor der langen Abfahrt noch nicht ganz außer Reichweite.
14 Kilometer vor dem Ziel rutschte Arrieta in der Abfahrt in einer Kurve weg. Damit wäre der Tagessieg weg gewesen – hätte es 6,5 Kilometer vor dem Ziel nicht auch Eulalio erwischt. Und so waren dann beide für den finalen Anstieg wieder gemeinsam unterwegs.
Aber nur bis zwei Kilometer vor dem Ziel. Dort versteuerte sich Arrieta erneut, verpasste die Kurve und fuhr in ein Absperrband. Doch er blieb auf dem Rad und kam tatsächlich nochmal zurück zu Eulalio. 150 Meter vor dem leicht ansteigenden Zielstrich hatte er die Lücke wieder geschlossen. Beinahe kampflos ließ ihn der offensichtlich völlig entkräftete Portugiese dann vorbeifahren und gewinnen, während er selbst sich mit dem Rosa Trikot trösten konnte.
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