RSNplusLegendäre Giro-Anstiege im Porträt

Blockhaus: Der Gigant der Abruzzen

Von Jan Zesewitz

Foto zu dem Text "Blockhaus: Der Gigant der Abruzzen"
Jai Hindley gewann beim Giro d´Italia 2022 die Bergankunft am Blockhaus. | Foto: Cor Vos

15.05.2026  |  (rsn) – Wer an die großen Anstiege des Giro d’Italia denkt, der blickt in Richtung Alpen und denkt an die großen Pässe der Dolomiten oder an die steilen Straßen in der Lombardei. Einer der ikonischsten Berge der italienischen Radsport-Geschichte liegt jedoch fast 1000 Kilometer südlich, im Appenin. Der Blockhaus schrieb in der Vergangenheit die Historie des Giro mit und auch bei der diesjährigen 109. Austragung verspricht er, der erste ganz große Test für die Favoriten auf den Gesamtsieg zu werden.

Zum neunten Mal steht der "Gigant der Abruzzen" im Programm der Italien-Rundfahrt – und damit natürlich weit seltener als andere, berühmtere Anstiege in den Alpen. Immer hatte er einen Einfluss auf den Ausgang des Rennens. Die ganz großen Namen feierten hier denkwürdige Siege: Der erste Gewinner am Blockhaus war kein Geringerer als Eddy Merckx. 1967 holte sich der Belgier bei seiner ersten Grand-Tour-Teilnahme im Appenin seinen ersten Giro-Etappensieg. ___STEADY_PAYWALL___

Der “Kannibale“ musste dort aber auch Niederlagen einstecken – 1972 verlor er bei einem Zeitfahren hinauf zum Blockhaus 2:36 Minuten auf José Manuel Fuente. Am Ende gewann Merckx trotzdem seinen dritten Giro vor dem Spanier. In der jüngeren Geschichte war der Anstieg 2017 und 2022 Teil der Route – jeweils gegen Ende der ersten Woche, wie 2026.

Der erste echte Test beim Giro 2026

Nairo Quintana feierte 2017 einen Solosieg, der am Ende nicht ausreichte, um die Trofea Senza Fine ein zweites Mal zu gewinnen. Tom Dumoulin hielt seinen Abstand am Blockhaus in Grenzen und gewann den Giro beim abschließenden Zeitfahren nach Mailand. 2022 triumphierte mit Jai Hindley - ebenfalls an einem 15. Mai - der spätere Gesamtsieger. Der “Titelverteidiger“ am Blockhaus wird wieder dabei sein. “Es war ein verdammt langer Anstieg, Mann“, sagte der Australier, der eine Zeit lang ganz in der Nähe lebte und am Blockhaus seine ersten Klettererfahrungen machte.

Der Anstieg zum Blockhaus im Detail | Grafik: Veranstalter

“Es wird superwichtig, der erste echte Test“, fügte er gegenüber cyclingnews.com mit Blick auf die diesjährige Austragung hinzu. Der Anstieg wird von seiner anspruchsvollsten Seite von Roccamorice in Anspruch genommen. Und das nach dem vielleicht härtesten Tag des Giro d’Italia 2026. 244 Kilometer ist die 7. Etappe lang, rund 4.600 Höhenmeter stehen auf dem Programm.

Zum Abschluss stehen 13,6 Kilometer bergauf an, wobei 1141 Höhenmeter bewältigt werden müssen. Das entspricht einer durchschnittlichen Steigung von 8,4 Prozent. “Der Blockhaus ist ein Anstieg, an dem man sich nicht verstecken kann“, sagte Topfavorit Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) vor der Etappe. “Es wird sicher einen Kampf der Klassement-Favoriten geben.“

Der italienische Mont Ventoux

Nicht nur aufgrund der Abgelegenheit von den anderen ikonischen Anstiegen des Landes gilt der Blockhaus als italienischer Mont Ventoux - wegen der dauerhaft steilen Steigung des Aufstiegs, aber auch wegen der Aufteilung in zwei Teile. Bei beiden Kletterpartien starten die Fahrer im Wald – den Wechsel gibt beim Ventoux das Chalet Reynard als Wegmarkierung an, beim Blockhaus ist es das Hotel Mamma Rosa. Von dort an ist das Terrain offen und der Wind und die Elemente greifen die Fahrer erbarmungslos an. Im Unterschied zum Giganten der Provence ist die Landschaft allerdings nicht karg und felsig, sondern von sattem Grün.

2026 wird der Blockhaus der Schauplatz des ersten großen Kampfes der Klassementfahrer. Am Ende des längsten Tages dieses Giro werden die Karten auf den Tisch gelegt. Nach Tag sieben wird man den Sieger der Rundfahrt noch nicht kennen, aber einen Eindruck von der Form der Topfahrer bekommen.

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