--> -->
20.05.2026 | (rsn) – Jhonatan Narvaez (UAE – Emirates – XRG) hat die 11. Etappe des Giro d’Italia (2.UWT) gewonnen und damit seinen dritten Tagessieg bei dieser 109. Ausgabe gefeiert. Der Ecuadorianische Meister ließ über 195 Kilometer zwischen Porcari und Chiavari im Sprintduell dem Spanier Enric Mas (Movistar) keine Chance.
Mit acht Sekunden Rückstand sicherte sich der Italiener Diego Ulissi (XDS – Astana) aus der ersten Verfolgergruppe heraus den dritten Platz vor dem Australier Chris Harper (Pinarello – Q36.5) und dem Russen Aleksandr Vlasov (Red Bull – Bora – hansgrohe).
Narvaez‘ insgesamt fünfter Giro-Etappensieg war das Ergebnis harter Arbeit und anfangs deutete nichts darauf hin, dass er angesichts des turbulenten Rennverlaufs gelingen würde. Als er seine Chance bekam, wusste er sie allerdings cvever zu nutzen
“Es war den ganzen Tag schwer. Unser Ziel war es, in die Ausreißergruppe zu kommen, wir haben aber die erste Gruppe verpasst. Dann haben wir auch die zweite Gruppe verpasst. Nach zwei Stunden hartem Rennen habe ich dann versucht, den Anschluss an die Spitzengruppe zu schaffen. Enric Mas war der Stärkste in den Anstiegen und ich wusste, ich muss mein Spiel spielen“, erläuterte der 29-Jährige seine Taktik und wurde dann philosophisch. “Ich habe mich dann an ein Buch erinnert, das ich lese. Dort steht, dass du dir dein eigenes Spiel machen kannst. Man wird nie Michael Phelps laufen sehen. Er hat seine Stärken im Wasser. Ich habe einfach versucht, in den Kletterpassagen zu überleben“, fügte Narvaez an.
Als das Duo auf die Ziellinie kam, musste der UAE-Profi, dessen Team seit den Stürzen zu Beginn dieses Giro zu fünft für Furore sorgt, dann nochmals zittern, wie er eingestand. “Ich hatte Angst im Sprint, denn als er angezogen hat, hätte er mir beinahe den Weg abgeschnitten und ich war nah an der Bande. Ich war heute am Limit. Es war den ganzen Tag Vollgas, nicht nur bergauf, sondern auch bergab“, sagte Narvaez abschließend.
“Wie ihr sehen konntet, war es am Ende ein aussichtsloses Szenario. Es ist im Sprint nicht gut gelaufen. Ich wusste, dass er schneller ist. Ich habe mein Bestes gegeben und versucht, ihn abzuhängen“, erklärte Mas im Ziel gegenüber Eurosport und zog dennoch ein positives Fazit. “Heute war mein bester Tag in diesem Giro. Ich fühle mich immer besser.“
Weil die Favoriten defensiv fuhren, gab es an der Spitze des Gesamtklassements keine Änderungen. Der Portugiese Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) behauptete das Rosa Trikot mit 27 Sekunden Vorsprung auf den Dänen Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) und dem Niederländer Thymen Arensman (Netcompany – Ineos). Vierter bleibt der Österreicher Felix Gall (Decathlon – CMA CGM) vor dem Australier Ben O’Connor (Jayco – AlUla).
Narvaez verbesserte sich in der Punktewertung auf Rang zwei hinter dem Franzosen Paul Magnier (Soudal – Quick-Step), Vingegaard behauptete das Blaue Bergtrikot, Eulalio bleibt weiterhin auch im Besitz des Weißen Trikots des besten Nachwuchsfahrers.
Vor der Haustür einer bekannten Papierfabrik und Hauptsponsor des Giro begann die 11. Etappe etwas ungewöhnlich mit einem stehenden Start. Sofort wurden heftige Attacken lanciert, woraus sich eine erste 15-köpfige Spitzengruppe mit Giulio Ciccone (Lidl – Trek) und Christian Scaroni (XDS – Astana) entwickelte. Das Peloton und vor allem UAE -Emirates – XRG war mit dieser Konstellation nicht zufrieden. Deshalb wurde konsequent nachgefahren, weiter attackiert und schließlich die Gruppe in einer Steigung nach etwas mehr als 30 Kilometern wieder gestellt.
Nach 50 Kilometern konnte sich eine weitere Gruppe vom Peloton absetzen. Harper, Andreas Leknessund (Uno-X Mobility) und Mattia Bais (Polti – VisitMalta) bildeten ein Spitzentrio und erreichten mit 1:10 Minuten Vorsprung den Zwischensprint nach 68 Kilometern in Luni, wo Bais die vollen zwölf Punkte mitnahm.
In der Verfolgung befand sich eine neunköpfige Gruppe mit unter anderem Nico Denz, Valsov (beide Red Bull – Bora – hansgrohe), Jasper Stuyven (Soudal – Quick-Step), Alberto Bettiol und Ulissi, die zwei Kilometer später zum Spitzentrio aufschloss. Eine stabile Rennsituation gab es dennoch nicht, denn Lidl - Trek fuhr weiter Tempo und versuchte, die Gruppe wieder einzuholen.
Das Streckenprofil der 11. Etappe des Giro d‘Italia | Foto: Cor Veranstalter
Zu Beginn der Hügelzone war das Peloton, aus dem bereits mehrere Sprinter herausgefallen waren, bis auf eine Minute herangekommen. Nicht mehr dabei war zu diesem Zeitpunkt nach einem Sturz Davide Ballerini (XDS – Astana), Gewinner der 6. Etappe in Neapel. Die nächsten Attacken ließen nicht lange auf sich warten, zunächst fuhren Mas und Lennart Van Eetvelt (Lotto – Intermarché) weg, ehe es dann erneut Ciccone mit Teamkollege Matteo Sobrero und weiteren Fahrern ergebnislos versuchte.
Auf dem Weg zum Passo del Termine (3. Kat.) entwickelte sich im Hauptfeld ein Ausscheidungsrennen, und auch die Spitze wurde kleiner. Dahinter hatten sich zwei Gruppen gebildet. Neben Mas und Eetvelt, die den Anschluss herstellen konnten, war das weitere Verfolgergruppe mit Narvaez, Warren Barguil (Picnic – PostNL) und Scaroni, aus der zunächst nur der Ecuadorianer nach einer Attacke 3,5 Kilometer vor dem Gipfel den Anschluss herstellen konnte. Der Rest der Gruppe schloss kurz vor der Bergwertung auf, womit 80 Kilometer vor dem Ende 17 Fahrer mit 1:45 Minuten Abstand vor dem Peloton lagen. Die erste von drei Bergwertungen des Tages holte sich Bais vor seinem Teamkollegen Ludovico Crescioli.
Im Anstieg zum Colle di Guaitarola (2. Kat.), dem längsten Berg des Tages, dünnte die Spitzengruppe deutlich aus, wobei Narvaez immer aufmerksam und bei den Attacken dabei war. An der Bergwertung, die erneut Bais gewann, lag er mit Mas und acht weiteren Begleitern an der der Spitze. Vlasov und Denz waren hier nicht mehr mit dabei. Das Peloton ließ es relativ ruhig angehen, so dass der Rückstand auf rund vier Minuten anwuchs.
Vlasov und Stuyven schafften in der Abfahrt wieder den Anschluss und konnten sich sogar gemeinsam mit Narvaez von den übrigen Kontrahenten absetzen. Ausschlaggebend dafür war auch ein Sturz von Van Eetvelt, Zana und Scaroni auf dem letzten Kilometer des Bergabstücks. Alle drei setzten allerdings das Rennen wieder fort.
Am Colle de Scioli bildete sich wieder eine achtköpfige Spitzengruppe, doch 30 Kilometer vor dem Ziel attackierte Ulissi zum wiederholten Mal und dezimierte die Gruppe auf nur noch sechs Mann. Narvaez, Harper, Mas, Vlasov und Crescioli konnten dem Italiener folgen und formierten somit an der Bergwertung das neue Spitzenquintett.
Der Anstieg zum Red-Bull-Kilometer dünnte die Gruppe der Anwärter für den Etappensieg weiter aus. 16,5 Kilometer vor dem Ziel setzte Mas eine Attacke, der zunächst nur Narvaez folgen konnte. Als Harper gerade wieder den Anschluss an das Duo schaffte, attackierte der Movistar-Kapitän erneut und schüttelte damit den Australier wieder ab.
Von da an war es ein Duell zwischen Narvaez und Mas um den Etappenerfolg. Zwar konnten Harper, Ulissi und Vlasov auf den letzten drei Kilometern nochmals auf 15 Sekunden herankommen, doch der Abstand erwies sich letztlich als zu groß. Den finalen Sprint eröffnete Mas, doch gegen den favorisierten Ecuadorianer war er erwartungsgemäß chancenlos. Wenige Sekunden später entschied Ulissi den Sprint um Platz drei vor Harper und Vlasov für sich.
Results powered by FirstCycling.com