Giro-Ausreißercoup in Verbania

Bettiol triumphiert vor der Familie in seinem zweiten Zuhause

Von Marc Zeiringer und Matthias Seng

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Alberto Bettiol (XDS – Astana) hat die 13. Etappe des Giro d´Italia gewonnen. | Foto: Cor Vos

22.05.2026  |  (rsn) – Alberto Bettiol hat beim 109. Giro d’Italia (2.UWT) für den bereits dritten Tagessieg von XDS – Astana gesorgt. Der 32-jährige Italiener entschied die 13. Etappe über 189 Kilometer von Alessandria nach Verbania als Solist für sich und feierte seinen zweiten Etappengewinn bei einer Italien-Rundfahrt.

Bettiol war 15 Kilometer vor dem Ziel kurz vor dem Gipfel des letzten Anstiegs an Andreas Leknessund (Uno-X Mobility) vorbeigezogen und erreichte das Ziel 26 Sekunden vor dem Norwegischen Meister, dem wie bereits auf dem achten Teilstück nur der zweite Platz blieb.

Im Sprint der ersten Verfolgergruppe setzte sich mit 44 Sekunden Rückstand der Belgier Jasper Stuyven (Soudal – Quick-Step) durch und holte sich Rang drei vor dem Dänen Michael Valgren (EF – Education – Easy Post), dem Briten Mark Donovan (Pinarello – Q36.5) sowie dem Neuseeländer Josh Kenc (Groupama – FDJ United).

“Heute hatte ich schon vor dem Start gewonnen, weil ich meine ganze Familie hier habe. Auch meine zweite Familie, weil meine Freundin und ihre Familie aus Verbania kommen. Das ist mein zweites Zuhause. Auch mein Bruder und meine Eltern waren da. Aber hier auch noch so zu gewinnen, ist etwas, dass für immer bei mir bleiben wird“, strahlte Bettiol im Flash-Interview nach seinem ersten Sieg sei fast zwei Jahren, als er Italienischer Meister geworden war.

“Es ist egal, dass ich jetzt das erste Mal seit zwei Jahren wieder gewonnen habe. Wenn ich auf diese Art gewinne, bin ich bereit, immer nur alle zwei Jahre zu gewinnen“, betonte der ehemalige Gewinner der Flandern-Rundfahrt, der bei seinem erst neunten Profisieg von seinen Streckenkenntnissen profitierte, wie er anfügte: “Ich kannte jede Kurve auf den letzten 50 Kilometern, weil ich manchmal hier trainiere.“ Diesen Vorteil gegenüber Leknessund spielte Bettiol vor allem in der letzten Abfahrt aus, die er mit traumwandlerischer Sicherheit absolvierte.

Leknessund dagegen hatte schon zuvor alles in die Waagschale geworfen, weil er einem Sprint aus dem Weg gehen wollte, wie er im Ziel gegenüber Eurosport erklärte. “Vielleicht habe ich zu früh attackiert. Aber Bettiol war bergauf gleich stark wie ich. Falls ich mit ihm ins Ziel gekommen wäre, wäre es schwierig gewesen, gegen ihn zu gewinnen. Deswegen musste ich versuchen, eine größtmögliche Lücke aufzureißen. Ich weiß nicht, wie ich anders hätte gewinnen können“, so der 27-Jährige, der damit zum bereits dritten Mal in seiner Karriere eine Giro-Etappe auf dem zweiten Platz beendete.

Das Feld mit den Favoriten hat 13 Minuten Rückstand

Vor der nächsten schweren Bergetappe am Samstag hielten sich die Giro-Favoriten zurück. Das Feld, in dem auch Lokalmatador Filippo Ganna (Netcompany – Ineos) mitrollte, erreichte mehr als 13 Minuten nach Bettiol das Ziel, ohne dass das Rosa Trikot von Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) in Gefahr geraten wäre. 

Der Portugiese führt das Klassement unverändert mit 33 Sekunden Vorsprung auf den Dänen Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) an. Dritter bleibt der Niederländer Thymen Arensman (Netcompany – Ineos / +2:03) vor dem Österreicher Felix Gall (Decathlon – CMA CGM / +2:30) und dem Australier Ben O’Connor (Jayco – AlUla / +2:50). Dessen Landsmann Jai Hindley folgt als bester Red-Bull-Profi auf Rang sechs (+3:12).

Paul Magnier (Soudal – Quick-Step) behauptete das Maglia Ciclamino des besten Sprinters, Vingegaard bleibt im Blauen Bergtrikot, Eulalio ist weiterhin auch im Besitz des Weißen Trikots des besten Nachwuchsprofis.

So lief die 12. Etappe des Giro d’Italia:

Auf den ersten flachen Kilometern wurde das Rennen durch unzählige Attacken sehr schwer gestaltet. Eine erste sechsköpfige Gruppe mit Larry Warbasse (Tudor), Leknessund (Uno-X Mobility), Johan Jacobs (Groupama – FDJ United), Donovan, Diego Pablo Sevilla (Polti – VisitMalta) und Valgren setzte sich nach 20 Kilometern vom Hauptfeld ab.

Dahinter bildete sich ein Verfolgerquintett mit Mikkel Bjerg (UAE – Emirates – XRG), Francesco Busatto (Alpecin – Premier Tech), Mirco Maestri (Polti – VisitMalta), Bettiol und Stuyven, das nach 45 gefahrenen Kilometern 30 Sekunden vor dem Feld und 30 Sekunden hinter der Spitzengruppe lag. Das Peloton ließ danach aber locker, so dass der Abstand nach 50 gefahrenen Kilometern auf zweieinhalb Minuten anwuchs. Kurz zuvor hatten sich noch Axel Huens, Kench (beide Groupama – FDJ United), Toon Aerts (Lotto – Intermarché) und Markus Hoelgaard (Uno-X Mobility) gelöst und waren zur Spitze vorgestoßen.

Wenige Kilometer später schlossen sich zuerst die ersten beiden Gruppen zusammen, ehe nach 60 Kilometern Fahrstrecke auch die dritte Gruppe herangefahren kam. Damit lagen zu diesem Zeitpunkt bei 3:30 Minuten Vorsprung auf das Peloton 15 Fahrer an der Spitze des Rennens. Danach wuchs der Vorsprung immer weiter an – bis auf mehr als elf Minuten 50 Kilometer vor Schluss.

Das Streckenprofil der 12. Etappe des Giro d‘Italia | Foto: Cor Veranstalter

Am Zwischensprint in Stresa sicherte sich Sevilla zwölf Punkte, ehe Groupama – FDJ United mit Jacobs Tempo bolzte und die Gruppe über die erste Bergwertung des Tages führte. Danach bereitete Huens die Attacke von Kench vor, der im Anstieg nach Ungiasca beschleunigte 2,5 Kilometer vor dem Gipfel antrat, ohne hier allerdings Bettiol, Leknessund und Valgren abschütteln zu können.

Stattdessen konterte der Norweger konterte kurz darauf im zehn Prozent steilen oberen Abschnitt. Ihm konnte nur Bettiol folgen - und nicht nur das: 200 Meter vor der Bergwertung zog er unwiderstehlich an Leknessund vorbei und jagte mit einem Vorsprung von rund 20 Sekunden in die Abfahrt hinein, ging dort hohes Risiko und ließ sich damit seinen zweiten Etappensieg im Rahmen einer Italien-Rundfahrt nicht mehr nehmen.

Fast eine halbe Minute betrug in Verbania Bettiols Vorsprung, so dass er schon 200 Meter vor dem Ziel jubeln konnte. Dahinter gewann Stuyven den Sprint um Platz drei.

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