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22.05.2026 | (rsn) - Der eine Local Hero hat auf der 13. Giro-Etappe nicht abliefern können. Filippo Ganna (Netcompany – Ineos), im Zielort Verbania geboren, verpasste die 15-köpfige Fluchtgruppe. Der andere, Alberto Bettiol, war nicht nur drin. Er setzte sich auf der letzten Kuppe auch ab und erreichte als Solist das Ziel.
"Alberto kommt nicht weit von hier, aus der Nähe der Schweizer Grenze. Er kennt die Straßen hier perfekt", freute sich sein Sportlicher Leiter Mario Manzoni gegenüber RSN. Auch aufgrund der Streckenkenntnis hatte er volles Vertrauen zu seinem Fahrer.
Bettiol ging in der Pressekonferenz noch mehr ins Detail: “Ich bin das Finale zuletzt drei Mal abgefahren. Die Familie meiner Freundin, die in Verbania wohnt, hat mit vor ein paar Tagen noch einmal ein Video von der Abfahrt geschickt. Ich denke, all das hat mir geholfen. Ich wusste, dass nach dem Anstieg noch einmal ein kurzes Flachstück kommt und dann erst die Abfahrt beginnt. Und ich dachte mir schon, dass ich Leknessund in der Abfahrt loswerden kann. Er ist ja kein Mathieu van der Poel“, meinte der Italiener grinsend. ___STEADY_PAYWALL___
Er gab aber auch zu, dass es ein hartes Stück Arbeit gewesen sei. Bettiol war am Anstieg auch am Limit – und froh, dass die besseren Kletterer da nicht angegriffen hatten. Als stärksten Mann in der Gruppe sahen ihn nicht einmal seine Fluchtgefährten. “Den stärksten Eindruck machte Leknessund“, sagte etwa Tudor-Profi Larry Warbasse zu RSN.
Die vorentscheidende Szene der 13. Giro-Etappe: Alberto Bettiol (XDS – Astana, li.) zieht am letzten Anstieg des Tages an Andreas Leknessund (Uno-X Mobility) vorbei. | Foto: Cor Vos
Auch von den Vorleistungen musste man nicht unbedingt auf Bettiol setzen. Der letzte Sieg des einstigen Gewinners der Flandern-Rundfahrt liegt bereits zwei Jahre zurück. “Ja, seine Ergebnisse waren zuletzt nicht gut, das stimmt. Aber seine Form wurde immer besser. Er hat bei diesem Giro auch viel für seine Teamkollegen gearbeitet. Aber bei ihm ist es auch so, dass er, wenn er etwas wirklich will, dafür auch enorme Kräfte mobilisieren kann und das dann durchzieht“, hielt Manzoni dagegen.
Und tatsächlich war es vor allem das vertraute Ambiente, das dem 32-Jährigen offenbar Flügel verliehen hatte. “Heute hatte ich schon vor dem Start gewonnen, weil ich meine ganze Familie hier habe. Auch meine zweite Familie, weil meine Freundin und ihre Familie aus Verbania kommen. Das ist mein zweites Zuhause. Auch mein Bruder und meine Eltern waren da“, sagte er im Flash-Interview.
Und nach der doch langen Durststrecke war die Erleichterung riesig: “Ich bin so froh, dass ich endlich in diesem Trikot gewinnen konnte. Alexander Vinokourov (Teamchef) hat an mich geglaubt und wollte mich im Team haben. Jetzt konnte ich ihm das endlich zurückzahlen. Auch meinem ganzen Team insgesamt. Es war bisher ein unglaublicher Giro für uns. Deswegen bin ich froh, dass ich jetzt dazu beitragen konnte.“
Angesichts seines deutlichen Vorsprungs konnte sich der Italiener in Verbania schon frühzeitig feiern lassen. | Foto: Cor Vos
Es war nach Guillermo Thomas Silva (2. Etappe) und Davide Ballerini (6.) bereits der dritte Tagessieg von XDS - Astana. Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Astana rettete im letzten Jahr die Profilizenz mit Siegen und Punkten vor allem bei kleineren Rennen. Die Expertise, wie man gut in ein Finale kommt, übertragen die Kasachen in diesem Jahr auch auf die größeren Rennen – sei es in einer Fluchtgruppe wie jetzt, in einem reduzierten Hauptfeld wie in Veliko Tarnovo oder bei einer Massenankunft wie in Neapel.
Spezialität bleibt aber der Weg über Ausreißergruppen. “Wir waren in den Fluchtgruppen in diesem Giro immer gut vertreten“, nannte der Sportliche Leiter Alexander Shefer gegenüber RSN als Basis für die Erfolgsbilanz. Nur wenn man es in die Gruppe schafft, hat man überhaupt eine Siegchance.
Lokalheld Ganna erfuhr dies auf bittere, “Heimatrivale“ Bettiol auf Glückshormone freisetzende Art. Freilich profitierte Bettiol auch davon, dass es an diesem Tag den Fluchtgruppenkönigen von UAE - Team Emirates nicht gelang, ihre allerstärksten Fahrer in der Gruppe zu platzieren. Mikkel Bjerg war letztlich chancenlos und wurde nur Siebter.
Die kasachische Mannschaft indes hat Blut geleckt. “Wir werden euch weiter überraschen“, kündigte Bettiol im vollen Glücksrausch während der Pressekonferenz an.
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