RSNplusPellizzari und Hindley schaffen Trendwende

Ende des Leidenswegs: Red-Bull-Duo bringt sich in Position

Von Jan Zesewitz

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Giulio Pellizzari und Jan Hindley (beide Red Bull - Bora - hansgrohe) belegten bei der dritten Bergankunft des Giro d´Italia Topplatzierungen | Foto: Cor Vos

23.05.2026  |  (rsn) – Giulio Pellizzari (Red Bull – Bora – hansgrohe) hat eine harte Woche hinter sich. Vor sechs Tagen fehlte dem Podiumskandidaten bei diesem Giro d’Italia die Kraft, um bei der Bergankunft nach Corno alle Scale mit den Besten mitzuhalten, in der Gesamtwertung fiel er zurück. Der Grund dafür war keine Formschwäche, sondern Krankheit. Nicht nur ein langes Zeitfahren und hektische, schnelle Mittelgebirgsetappen musste er in der Folge überstehen, sondern auch mit einem gegen die Belastung rebellierenden Körper klarkommen.

Nach der schweren Bergetappe durch das Aosta-Tal scheint nun ein Licht am Ende des Tunnels für den Youngster zu leuchten, obwohl Pellizzari im Tagesverlauf selbst nochmal zu leiden schien, oft am Ende der Favoritengruppe saß und im Schlussanstieg sogar kurz den Anschluss verlor. Dann aber kämpfte er sich nochmal heran, konnte mit Teamkollege Jai Hindley zusammenarbeiten und wurde Fünfter.

"Ich bin mit sehr viel Wut wegen der vergangenen Tage gestartet und habe alles gegeben", sagte er gegenüber radsport-news.com und schilderte den Schlussanstieg von Pila aus seiner Sicht: "Ich habe mich nicht besonders gut gefühlt, also bin ich einfach mein eigenes Tempo gefahren und habe versucht, zum Ende hin noch stärker zu werden." ___STEADY_PAYWALL___

Entkräftet: Giulio Pellizzari im Ziel der 14. Etappe in Pila. | Foto: Cor Vos

Nicht nur für Pellizzari, sondern für das gesamte deutsche Team Red Bull – Bora - hansgrohe ist dieser Giro eine Achterbahnfahrt. Nach der ersten Bergankunft am Blockhaus gehörten Pellizzari und Co-Kapitän Hindley zu den stärksten Fahrern, nach Corno alle Scale rückte das Podium in weitere Ferne. Und nach der ersten Alpen-Fahrt? Als Etappendritter (Hindley) und -Fünfter (Pellizzari) nahm das Red Bull-Duo wieder Tuchfühlung zum Podium auf. In der Gesamtwertung liegen sie als Fünfter und Sechster mit 53 Sekunden beziehungsweise 1:23 Minuten zum Podium in Lauerstellung.

Zwiehoff: Chapeau, wie sie sich durchgekämpft haben

"Ich bin vorm letzten Berg, als die GC-Gruppe schon recht klein war, nochmal zum Auto zurück, habe Flaschen und Eis für uns alle geholt und habe dann versucht die Jungs so lange es geht aus dem Wind zu halten", sagte Berghelfer Ben Zwiehoff am Eurosport-Mikrofon und zollte seinen Kapitänen Respekt: "Chapeau, wie sie sich durchgekämpft haben! Dafür, dass hier viele Mannschaften letzte Woche am kränkeln waren, war das Niveau heute ziemlich hoch!"

Für Pellizzari gilt es nun, nach der Flachetappe nach Mailand am Sonntag am anschließenden Ruhetag weiter Kräfte für die schwere dritte Woche zu sammeln: "Heute war es ein echter Leidensweg, aber ich bin zufrieden damit, wie es gelaufen ist. Ich hoffe einfach, mich weiter zu verbessern. Ich habe schon heute Morgen gesagt, dass es vor allem eine Herausforderung gegen mich selbst ist", sagte er gegenüber Eurosport und fügte auch vor dem RSN-Mikro an: "Es ging mir körperlich, vor allem aber mental die letzten Tage ziemlich schlecht. Ich bin den Menschen dankbar, die in dieser Zeit an meiner Seite waren."

Jai Hindley liegt als Gesamtfünfter 39 Sekunden vor Teamkollege Pellizzari und nur noch 53 Sekunden vom Podium entfernt. | Foto: Cor Vos

Platz eins bei diesem Giro scheint vergeben, Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) wirkt unantastbar. Felix Gall (Decathlon – CMA CGM) erwies sich bisher als der klar zweitbeste Mann in den Bergen – auch wenn er in Pila gegen Ende nicht mehr weiter davonfahren konnte. Auf alle anderen, bis auf Vingegaards beeindruckend starken Edelhelfer Davide Piganzoli, konnte das Red Bull-Duo im Aosta-Tal Zeit gutmachen.

Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) musste sein Maglia Rosa an der Bergankunft nach tapferem Kampf abgeben und verlor mehr als 1:30 Minuten auf Pellizzari, Hindley und Gall. Thymen Arensman (Netcompany – Ineos), Michael Storer (Tudor), Ben O’Connor und Co. ließen ebenfalls Federn gegenüber den beiden Fahrern aus dem Raublinger Rennstall. Der Trend hat sich also gewendet und spricht nun wieder für das Duo, aus dem einer für Red Bull das Giro-Podium erklimmen soll.

Pömer: "Wir wollen eine Etappe gewinnen"

In Sachen Zielsetzung ist man damit beim Giro wieder auf dem Weg zum Soll. Das besteht aber nicht nur in einer Podiumsplatzierung in Rom: "Wir verfolgen natürlich auch noch unser zweites Ziel neben der Gesamtwertung: Wir wollen eine Etappe gewinnen und deshalb war Aleks (Vlasov) heute in der Gruppe", sagte der Sportliche Leiter Christian Pömer. "Aber Visma hat das heute nicht zugelassen."

Mit der Fahrweise seiner Kapitäne ist der Österreicher derweil sehr zufrieden - und wird wohl nicht in der dritten Woche nur noch auf einen der beiden als Gesamtwertungs-Kandidaten zählen: "Die Doppel-Leader-Strategie hat sich heute sehr gut ausgezahlt, denn Jai und Giulio haben am Schlussanstieg sehr gut zusammengearbeitet und einiges an Abstand zwischen sich und ihre Gegner gebracht", analysierte Pömer.

Der Moment, als der zuvor bereits distanzierte Pellizzari mit der 'zweiten Luft' von hinten kam und Podiums-Konkurrenz Arensman überholte. | Foto: Cor Vos

Wenn die Gesundheit in den kommenden Tagen weiter zurückkehrt, Pellizzari an seine Form aus der ersten Woche und der Tour of the Alps anschließen kann und Hindley seine übliche Leistungssteigerung in Woche drei erlebt, dann kann mindestens einer der beiden auf dem Podium landen. Die deutsche Equipe hat allen Grund, die dritte Woche aggressiv anzugehen.

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