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23.05.2026 | (rsn) – Die zweite Hälfte einer dreiwöchigen Rundfahrt gehört Thymen Arensman, das weiß inzwischen jeder. Auf der ersten Bergetappe hat der Netcompany-Ineos-Fahrer immer Probleme, aber je länger eine Grand Tour läuft, desto runder läuft sein Dieselmotor. Insofern konnte man gespannt sein, wie viel Zeit der Niederländer am Samstag auf seine direkten Kontrahenten ums Podium würde gewinnen können. So zumindest klang das, wenn man den Experten in den letzten Tagen gelauscht hat.
Die Antwort fällt ernüchternd aus. Denn in Pila stand nach der 14. Etappe des Giro d'Italia im Vergleich mit Jai Hindley, Giulio Pellizzari (Red Bull – Bora – hansgrohe) und Felix Gall (Decathlon – CMA CGM) jeweils ein Plus. Auf den Österreicher verlor der Utrechter 34 Sekunden, auf den Australier derer 25 und auf den Italiener 20. Vom dritten Platz im Klassement rutschte Arensman auf den vierten ab, Gall ist wieder an ihm vorbei.
"Es war ein schwerer Tag und jeder ist für sich selbst hier hoch. Visma ist über alle Anstiege ein gutes Tempo gefahren, dann ist es immer ein harter Tag", resümierte er am Eurosport-Mikrofon. Von Enttäuschung wollte er im Interview nichts wissen: "Ich habe mein absolut Bestes heute gegeben und kann happy mit meiner Leistung sein."
Sein Sportlicher Leiter Leonardo Basso schlug gegenüber Eurosport in die gleiche Kerbe. "Ich würde sagen, das war eine gute Performance von Thymen und auch von Egan – beide sind in den Top 10 der Etappe“, resümierte der Italiener. Egan Bernal, der als Co-Kapitän der Briten ins Rennen gegangen war, verlor als Zehnter 45 Sekunden auf seinen Teamkollegen. Im Klassement gewann der ehemalige Giro-Sieger zwei Positionen; er ist nun Zwölfter.
Auch Basso weiß um die Stärke seines niederländischen Schützlings in der zweiten Hälfte einer Grand Tour – und der ehemalige Sky- und Astana-Profi schielte sogar auf die Etappen, die erst ganz am Ende der Rundfahrt lauern. "Thymen glaubt an sich. Wir kennen unsere Stärken und unsere Schwächen. Es kommen noch einige gute Tage für uns, mit vielen Höhenmetern – der Fokus liegt auf den Etappen 16, 19 und 20 und wir versuchen dort natürlich unser Bestes", blickte er voraus.
Auf die Teilstücke setzt auch Arensman selbst: "Das Podium ist noch weit", meinte er mit Blick auf die letzten sieben Etappen. In der Gesamtwertung ist es zurzeit dagegen ziemlich nahe, denn der Netcompany-Profi liegt nur 13 Sekunden hinter Gall – und beim Zweiten Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) wird allgemein sowieso erwartet, dass er noch zurückfällt. Ohne speziell auf den Portugiesen zu gucken, kennt Arensman die Tücken der Schlusswoche. "Jeder weiß, dass die dritte Woche beim Giro immer superhart ist und in einer Grand Tour kann sich jeden Tag alles ändern. Auch heute hat sich viel getan. Ich glaube, es kommen noch vier Bergetappen, da ist noch sehr viel in alle Richtungen möglich."
Dass er nach dem Rennen überhaupt zum Interview bei Eurosport antrat, ist bemerkenswert. Noch am Morgen meldete die französische Sparte des Senders, die RCS, der Ausrichter des Giro d’Italia, störe sich am Verhalten des Gesamtvierten. Der nämlich habe den anwesenden Journalisten kaum Interviews gegeben. "Hinter den Kulissen gibt es Uneinigkeiten zwischen dem Team und der Organisation", schrieb Eurosport.
Gegenüber dem britischen Journalisten Daniel Benson äußerte sich der Sportliche Leiter Geraint Thomas zu der Thematik. "Wir haben im Vorfeld gemeinsam mit Thymen und unserer Pressesprecherin einen Plan ausgearbeitet. Ich sagte: ‘Wir tun alles, was dir hilft, fokussiert zu bleiben – alles, was sicherstellt, dass du nicht von allem mitgerissen oder aus dem Tritt gebracht wirst‘", so der Waliser. Doch der Plan scheint nach hinten loszugehen: Statt auf den sportlichen Leistungen von Arensman lag der Fokus nicht nur am Samstagvormittag auf dessen medialem Auftreten.
Schon in den letzten Tagen wurde Arensman in der Mixed Zone von Reportern befragt, warum er denn so wenig dort erscheine. Seine Reaktion ließ da vermuten, dass sein Rennstall ihm gar nichts von den Interviewanfragen der ersten Giro-Hälfte gesagt hatte. Offensichtlich ist Arensmans mediale Zurückhaltung also nicht unbedingt seine eigene Entscheidung.
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