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28.06.2026 | (rsn) - Mit Franziska Koch (FDJ United – Suez), Liane Lippert (Movistar), Antonia Niedermaier (Canyon – SRAM) und vielleicht auch mit deren Teamkollegin Justyna Czapla konnte man rechnen, dass sie den Titel bei den Deutschen Straßenmeisterschaften in Bad Liebenstein unter sich ausmachen würden. Nele Laing (Canyon x DT Swiss All-Terrain Racing) dagegen hatten sicher nur wenige auf der Rechnung! Sie selbst sich auch nicht!
"Ganz ehrlich gesagt, hatte ich in der letzten Zeit sehr mit der Hitze zu kämpfen. Ich weiß nicht genau, woran es liegt, aber seit etwa einer Woche fühlten sich meine Beine einfach nicht gut an. Ich habe mir dann gedacht: Okay, ich mache das Beste aus der Situation“, erklärte sie nach der Zieldurchfahrt gegenüber radsport-news.com. ___STEADY_PAYWALL___
"Grundsätzlich fahre ich ja nie nur zum Spaß mit – man geht immer mit gewissen Erwartungen an den Start. Ich bin jetzt seit einem Jahr beim Gravel und seitdem auch kaum noch auf der Straße gefahren. Ich wollte einfach mal schauen, wie mein Leistungsstand gerade ist“, sagte die 27-Jährige, die sich "heimlich“ wie sie sagt, eine Top-5-Platzierung als Ziel gesetzt hatte.
"Aber dann dachte ich: abwarten, wie es bei der Hitze läuft – zumal ich hier ganz allein, ohne Team, dabei bin. Dass es so gut wird, hatte ich ehrlich gesagt selbst nicht erwartet“, so die Darmstädterin, die in dem von fünf auf vier Runden (a 27,2 km) verkürzten Rennen erfrischend munter mitmischte.
In den Gefällstrecken lief es allerdings nicht so gut. "Ich habe dort einmal den Anschluss verloren, weil ich es einfach nicht mehr so gewohnt bin, in einer Gruppe abzufahren. Deshalb wurde ich durchgereicht. Abfahrten machen mir eigentlich Spaß, aber im Pulk fühle ich mich da noch nicht ganz so sicher – ich musste mich da erst wieder hineinfinden", erklärte sie.
Zielsprint im DM-Straßenrennen der Frauen, in dem Nele Laing überraschende Vierte wurde. | Foto: Christian Heilwagen
Vor größere Probleme wurde Laing aber gestellt, als Koch, Lippert und Niedermaier in den Anstiegen attackierten - doch die Gravelspezialistin kämpfte sich mehrmals wieder in die kleine Gruppe der Favoritinnen zurück und ging dann sogar selbst in die Offensive. "Ich dachte mir: Ich probiere es einfach. Wenn man schon mal da ist. Bei jeder gegnerischen Attacke wurde ich zunächst abgestellt – aber dann dachte ich mir: Die rechnen wahrscheinlich gar nicht damit, dass ich selbst noch angreife", berichtete sie. "Ich hatte ja in dem Moment auch eine kleine Lücke, und ich vermutete, dass sie sich uneinig waren, wer reagieren sollte. Letztlich war das ein bisschen Spielerei – aber die muss ja auch sein", fügte Laing an.
Im Sprint der fünfköpfigen Spitzengruppe landete Laing schließlich hinter der nunmehr dreimaligen Deutschen Meisterin Koch, Lippert und Czapla, aber noch vor der Giro-Gesamtzweiten Niedermaier auf dem vierten Platz. Damit verbesserte sie ihr Ergebnis aus dem Vorjahr, als sie in Linden bereits in den Top Ten gelandet war, um gleich fünf Positionen.
Nach einem Jahr beim LKT-Team unterschrieb die Hessin zu dieser Saison einen Vertrag im Gravel-Team der Koblenzer Radschmiede. Seitdem stieg sie mit Top-Fünf-Platzierungen in die Weltelite der Schotterspezialistinnen auf. Nun fuhr Laing auch auf der Straße mit den Großen mit, doch ins Grübeln, ob die Entscheidung pro Schotter richtig war, brachte sie das nicht.
"Im Gravel gibt es eine ganz andere Dynamik. Das Starterfeld ist viel kleiner, und der technische Aspekt spielt eine viel größere Rolle. Man kann noch so gut bergauf fahren – wenn man die Abfahrten nicht beherrscht, bringt einem das nichts. Das habe ich selbst gemerkt, denn es ist meine erste Gravel-Saison", betonte Laing. "Anfangs war das noch eine echte Herausforderung, aber mittlerweile spüre ich, dass ich in den Abfahrten wirklich Fortschritte gemacht habe. Und ein bisschen Selbstvertrauen nehme ich natürlich mit: Die Beine sind gut – das ist schon mal was.“
Bedeutet das, dass sie nur noch Gravel fahrt? Laing: "Ich habe zunächst einmal einen Vertrag mit Canyon, mit dem ich sehr zufrieden bin. Aber es gibt mittlerweile ja durchaus Konzepte, wie man beides – Straße und Gravel – miteinander verbinden kann. Das ist für mich auf jeden Fall eine interessante Option.“