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23.08.2026 | (rsn) - Bei der wichtigsten Nachwuchsrundfahrt der Saison, der Tour de l’Avenir (2.2U), tritt Jermaine Zemke (Rembe – rad-net) vom 20. bis zum 26. August für die Deutsche Nationalmannschaft in die Pedale. Außerdem hat sich der 20-Jährige bereit erklärt, für RSN jeweils nach den sieben Etappen und auch vor der Rundfahrt seine Eindrücke und Gedanken zu schildern.
Auch der dritte Tag der Tour de l’Avenir (2.2U) brachte für die Deutsche Nationalmannschaft nicht das, was man sich von ihm erhofft hatte. Dabei hatte es Zemke gerade auf das 231 Kilometer lange Teilstück abgesehen. “Die Etappe heute hatte ich mir rausgesucht. Nach dem gestrigen Tag ging es den beiden Gestürzten, Paul(-Felix Petry) und Tim (Glossner), soweit ganz gut. Wir hatten uns viel vorgenommen. Es hat ewig gedauert, bis die Gruppe gestanden hat und wir waren nicht drin“ beschrieb der 20-Jährige die Anfangsphase des Rennens. Doch darum trauerten er und seine Teamkollegen nicht. “Das war aber kein Problem, denn es war sowieso klar, dass die nicht durchkommt.“
Nach einem Rennen "wie im Krieg" durften sich die Fahrer am Samstag auf entspanntere Stunden freuen. “Nach den ersten 60 Kilometern, die es gedauert hat, bis die Gruppe stand, waren die nächsten 100 Kilometer sehr entspannt. Da ist das Feld einfach vor sich hin gerollt. Decathlon hat das Ganze kontrolliert, weil sie den Gesamtführenden hatten“, so Zemke. “Ich habe mich sehr sehr gut gefühlt und Eike (Behrens) war zwischendurch mal in einer Gruppe, die weggefahren ist“, sagte Zemke weiter.
Behrens und Co. hatten die Gruppe des Tages gestellt, wobei aus der entstandenen Gesellschaft zwei Fahrer allein weiterzogen, während der Rest um den Deutschen U23-Cross-Meister vom Peloton eingeholt wurde. Das näherte sich dann der Cote de Chaume (4.Kat.). “Ich habe die Jungs gefragt, ob sie mir spontan eine Attacke vorbereiten könnten“, erzählte Zemke. Und das konnten sie: “Tim hat uns vorne reingefahren und Eike ist in einem Eine-Minute-All-Out-Effort drübergefahren. Da haben wir das Feld ziemlich zersprengt, da war richtig Chaos angesagt“, freute sich der Sohn des ehemaligen Collstrop- und Die-Nürnberger-Profis Jens Zemke.
Der rundete die Vorarbeit seiner Mannschaftsgefährten anschließend ab. “Ich bin dann drübergefahren. Vorn war noch die Spitzengruppe und die haben wir direkt überrollt. Die Rennorganisation war gar nicht schnell genug, um die ganzen Fahrzeuge da rauszunehmen, weil wir so schnell diese 30-Sekunden-Lücke zugefahren haben. Das war schon wirklich richtig cool und hat sehr viel Spaß gemacht, weil wir einfach da waren und das Rennen mitgestaltet haben“, schilderte Zemke.
An seinem Hinterrad befand sich mit Aubin Sparfel (Decathlon – CMA CGMA) einer der U23-Stars dieses Jahres, der sowohl als Devo-Fahrer im WorldTour-Team schon Rennen gewonnen, als auch Silber bei der U23-Cross-WM in Hoogerheide errungen hat. Marco Cuylits (Lotto – Groupe Wanty) konnte ebenfalls folgen. “Das war auch eine extrem gefährliche Situation, die wir da verursacht haben“, urteilte Zemke, der mit seinen Erfolgen dieses Jahr ebenfalls zu den bekannteren Fahrern im Starterfeld gehört. “Da war richtig Chaos und auch Bora musste dann hinterherfahren.“
Doch was zunächst glänzend aussah, schien wenig später doch kein Gold zu sein. “Die anderen beiden haben nicht komplett durchgezogen, da deren Teamkollegen Platz eins und zwei im GC waren. Das war schade, denn die Gruppe hätte realistische Chancen aufs Durchkommen gehabt“, befand Zemke, der mit seinen Begleitern kurz vor der Bergwertung schon wieder eingeholt wurde.
Genießen konnte er das Intermezzo trotzdem: “Das war ein cooles Gefühl, als Team so eine Attacke zu starten und das hat für richtig Unruhe gesorgt. Das ganze Feld war langgezogen und jeder hat darum gekämpft, das Hinterrad zu halten.“ Das Ärgerliche an der Sache: Direkt nachdem das Trio um Zemke gestellt wurde, wurden Said Cisneros (Soudal – Quick-Step Devo) und Magnus Carstensen (EF Education – Aevolo) fast kampflos weggelassen.
In Richtung Finale wurde auch das zuvor erlangte Genussgefühl bei Zemke schnell zerstört. “Ich habe mich weiter gut gefühlt und wollte in den Sprint reinhalten. Ich war zwischenzeitlich rund Position 30 etwas eingebaut und dann ging es aus einer kleinen Abfahrt in eine Linkskurve rein. Der vor mir ist auf einmal voll in die Eisen gegangen. Da habe ich mich dann am Hinterrad aufgehängt und ich bin relativ schwer mit einem von Astana gestürzt“, erläuterte der Deutsche, warum er das Ziel letztendlich mit 9:31 Minuten Rückstand erreichte.
Viel wichtiger als der Rückstand und das Tagesergebnis war aber zunächst etwas Anderes. “Ich lag da erst mal im Graben und habe geguckt, wie es mir geht. Es ist alles okay soweit“, lautete seine erste Selbstdiagnose. “Ich habe nur oberflächliche Wunden. Das war ziemlich schade, denn ich denke, das Finale hätte mir aufgrund der langen Etappe sehr gelegen“, trauerte er der verpassten Gelegenheit nach.
So musste Team Deutschland im Finale den Plan ändern. “Eike hat dann quasi das Zepter übernommen. Er ist leider 400 Meter zu früh losgefahren, wenn man sich die Wiederholung anschaut. Das war schon ein unglaublich starker Sprint. Er ist 30 bis 60 Sekunden im Feld von vorn gefahren und hat allein dafür gesorgt, dass die Gruppe noch eingeholt wurde“, beschrieb Zemke den letzten Kilometer seines Teamkollegen. Tatsächlich wäre es Cisneros oder Carstensen ohne Behrens‘ Einsatz mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gelungen, die Etappe zu gewinnen.
Behrens selbst hingegen bezahlte für seinen Einsatz. “Ihm sind dann leider 150 Meter vor dem Ziel die Beine eingeschlafen. Vom Timing her war das schade. Stella ist dann drübergefahren und hat gewonnen“, schilderte Zemke die letzten Meter. Auch wenn am dritten Tag erneut kein Ergebnis heraussprang und am Sonntag die letzte realistische Chance auf ein solches besteht, blieb sein Fazit positiv.
“Wir können zufrieden sein mit dem heutigen Tag, weil wir das Rennen mitgestaltet haben. Wir schauen mal, was morgen geht und wie es mit den Verletzungen ist und was wir uns vornehmen. Jetzt haben wir noch keinen genauen Plan. Die letzten drei Tage geht es dann in die Berge“, blickte Zemke voraus. Am Sonntag geht es über 151 weitestgehend flache Kilometer von Saint-Vallier nach Semur-en-Auxois. Dabei steht nur eine Bergwertung der 4. Kategorie auf dem Programm. Auf den letzten vier Kilometern warten allerdings drei kleinere Wellen, die den Sprintern im Finale die Kraft rauben könnten.
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