Belgier gewinnt 13. Etappe vor Paret-Peintre

Nach Visma-Gala: Van Aert jubelt erstmals bei dieser Vuelta

Von Matthias Seng

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Wout van Aert (Visma - Lease a Bike) hat die 13. Etappe der Vuelta a Espana gewonnen. | Foto: Cor Vos

04.09.2026  |  (rsn) – Wout van Aert hat bei der Vuelta a Espana (2.UWT) eine überragende Vorstellung seines Teams Visma – Lease a Bike mit seinem ersten Tagessieg bei dieser 81. Ausgabe gekrönt. Der 31-jährige Belgier entschied die 13. Etappe über 192,8 Kilometer von Almunécar nach Loja im Sprinduell deutlich vor dem Franzosen Valentin Paret-Peintre (Soudal – Quick-Step) für sich und bescherte seinem Team den bereits vierten Etappenerfolg, nachdem zuvor Sprinter Matthew Brennan dreimal erfolgreich gewesen war.

Der 21-jährige Brite stellte sich bei Temperaturen nahe an die 40 Grad zum wiederholten Mal in van Aerts Dienst und kam mit der ersten Verfolgergruppe 24 Sekunden hinter seinem Teamkollegen ins Ziel. Im Sprint sicherte Brennan sich den dritten Platz vor dem Belgier Jarno Widar (Lotto – Intermarché) und dem Italiener Vincenzo Albanese (EF Education - EasyPost). Der Neuseeländer Finn Fisher-Black (Red Bull – Bora – hansgrohe) belegte den sechsten Rang.

  “Der Plan war heute, in die Gruppe zu gehen. Es war eine Etappe, die sehr schwer zu kontrollieren war. Mit Matthew, mir, Bruno und Christophe (Laporte) haben wir einige Fahrer, denen solche Etappen sehr gut liegen. Wir wollten mit mehreren Fahrern dabei sein, so dass wir taktisch ein wenig spielen können. Das hat perfekt funktioniert. Bruno und ich haben uns einen Großteil des Tages verstecken können, weil wir Matty (Brennan) in der Gruppe davor hatte. Im letzten Anstieg konnten wir nach vorn springen“, erzählte van Aert im Flash-Interview.

Brennan: "Unglaublich, einem solchen Champion zu helfen"

Danach spielten es die beiden Visma-Fahrer perfekt und vereitelten in der Neuner-Gruppe mehrere Angriffe der Konkurrenten oder gingen selber in die Offensive, ehe van Aert an einer Welle wenige Kilometer vor dem Ziel attackierte. “Ich hatte die Stelle ein wenig im Hinterkopf, seit ich im Profil diesen Kicker sah. Das ist eine Distanz zum Ziel, bei der viele Fahrer an den Sprint zu denken beginnen. Wenn man da eine Lücke öffnen kann, will niemand sie mehr für den anderen zufahren. Es war nah genug am Ziel, um es zu probieren. Mit Valentin hatte ich einen guten Begleiter. Er hat ein paar Mal mitgeführt und es war schön, bis zum Zielstrich gegeneinander zu kämpfen.“

Wie bereits auf der 10. Etappe, so unterstützte auch heute Grand-Tour-Debütant Brennan seinen Teamkollegen. Musste sich damals van Aert mit Rang vier genügen, so ging der Visma-Plan heute perfekt auf. “Das Ziel war es heute, auf Wout zu setzen. Ich bin glücklich, das unterstützen zu können. Ich wusste, dass Wout irgendwann richtig einschlagen wird. Es ist speziell. Wenn ich ihn so wie heute unterstützen und helfen kann, zu gewinnen, dann ist das auch ein Sieg für mich persönlich. Es ist unglaublich, einem solchen Champion zu helfen. Ich bin sehr glücklich“, sagte Brennan in der Mixed Zone.

Genau drei Minuten nach dem Etappengewinner kam die Favoritengruppe um Enric Mas (Movistar) an. Der Spanier verteidigte ein weiteres Mal souverän sein Rotes Trikot und führt die Gesamtwertung unverändert mit 1:45 Minuten Vorsprung auf Primoz Roglic (Red Bull – Bora – hansgrohe) an. Dritter bleibt der Österreicher Felix Gall (Decathlon – CMA CGM / +2:06), der allerdings den Verlust seines Landsmanns Gregor Mühlberger zu beklagen hatte. Der Gewinner der Österreich-Rundfahrt war früh auf der Etappe gestürzt und musste das Rennen aufgeben. Auf den ersten acht Plätzen der Gesamtwertung gab es keine Veränderungen.

Van Aert baute mit dem vierten Vuelta-Etappensieg seiner Karriere die Führung in der Punktewertung aus. Der Kolumbianer Santiago Buitrago (Bahrain Victorious) verteidigte das Gepunktete Trikot des besten Kletterers, der Brite Oscar Onley (Netcompany – Ineos) trägt als Gesamtvierter weiterhin das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers. Galls Decathlon-Equipe führt unverändert die Teamwertung an.

So lief die 13. Etappe der Vuelta a Espana:

Ohne den über Nacht erkrankten Alexej Lutsenko (NSN) wurde die Vuelta bei erneut extremer Hitze mit einer vor allem zu Beginn schweren Etappe fortgesetzt. Nur wenige Kilometer nach dem Start ging es in den Alto de la Venta de la Cebada (1. Kat.) hinein, den ersten von drei kategorisierten Anstiegen des Tages. Dort bildete sich eine riesige Ausreißergruppe, die letztlich nicht weniger als 43 Fahrer umfasste.

Der Gesamtsiebte Mattias Skjelmose (Lidl – Trek / +7:42) war der im Gesamtklassement bestplatzierte der Ausreißer, zu denen auch wieder van Aert gehörte. Der 31-Jährige sicherte sich dann auch am Gipfel die maximal möglichen zehn Punkte für die Bergwertung vor Buitrago, der es im Gepunkteten Trikot auch wieder in die Gruppe geschafft hatte.

Im Feld verlor kurz darauf Gall seinen wohl wichtigsten Berghelfer: Mühlberger setzte sich nach einem Sturz zwar zunächst wieder aufs Rad, musste das Rennen dann aber nach rund 40 gefahrenen Kilometern mit einer Kopfverletzung aufgeben. Auch das Alpecin-Duo Francesco Busatto und Sente Sentjens sowie Pavel Sivakov (UAE – Emirates – XRG) stiegen später aus.

Bis auf Movistar, Jayco – AlUla und Alpecin – Premier Tech waren alle Teams an der Spitze vertreten, wo aber keine Ruhe einkehrte. Brennan, Albanese, Axel Laurance (Netcompany - Ineos), Clément Berthet und Guillaume Martin-Guyonnet (beide Groupama - FDJ United), Andreas Kron und Andreas Leknessund (Uno-X Mobility), Vincenzo Albanese (EF Education - EasyPost), Cristian Rodriguez (XDS - Astana), Léo Bisiaux (Decathlon - CMA CGM), Lars Craps (Lotto - Intermarché) und Kevin Vermaerke (UAE –Emirates - XRG) setzten sich daraufhin ab und fuhren sich eine gute Minute auf den Rest der Gruppe heraus. Nach einem Sturz in einer Rechtskurve fiel Laurance zurück und musste sich kurz darauf am Teamwagen behandeln lassen. Das von Movistar angeführte Feld folgte rund vier Minuten hinter der Spitze.

Das Streckenprofil der 13. Etappe der Vuelta a Espana | Foto: Veranstalter

48 Kilometer vor dem Ziel gewann Brennan den Zwischensprint vor Rodriguez, nur eine knappe Minute dahinter folgte die Verfolgergruppe, der Vorsprung auf das Feld, wo auch EF Education – EasyPost vorne mit einspannte, betrug unverändert gut vier Minuten.

Im kurz darauf folgenden 7,4 Kilometer langen und 5,5 Prozent steilen Anstieg zum Puerto de Granada (2.Kat.) startete Visma eine Verfolgungsjagd, die mit dem Zusammenschluss an der letzten Bergwertung endete, nachdem das Visma-Duo Bruno Armirail und van Aert das Tempo hochgeschraubt hatte. Vermaerke sicherte sich den Bergpreis, wogegen van Aert hier leer ausging. Knapp 20 Fahrer stürzten sich in die Abfahrt, eine halbe Minute später folgte der zweite Teil der ursprünglichen Spitzengruppe, der kurz darauf der Anschluss gelang.

Bei hohem Tempo blieb das nunmehr mit drei Fahrern vorn vertretene Visma-Team dominierend. Brennan und van Aert attackierten abwechselnd, ehe sich 25 Kilometer vor dem Ziel nach einem Angriff des Grünen Trikots neun Fahrer lösen konnten. Neben van Aert und Brennan waren das Paret-Peintre, Vermaerke, Albanese, Widar, Bisiaux, Fisher-Black und Grand-Tour-Debütant Simon Dalby (Uno-X Mobility).

Van Aert krönt clevere Visma-Vorstellung

Zehn Kilometer vor dem Ziel betrug der Vorsprung der Gruppe mehr als eine Minute. Danach vereitelte das Visma-Duo mehrere Attacken, ehe van Aert eingangs der letzten vier Kilometer mit Paret-Peintre im Schlepptau davonzog. Im Finale beteiligte sich der Franzose einige Mal auch an der Führungsarbeit, doch es war der Belgier, der das Duo auf die Zielgerade führte, wo er dann keine Mühe hatte, den Antritt des kleinen Kletterspezialisten zu kontern und sich souverän seinen ersten Etappensieg bei dieser Vuelta zu holen.

Eine knappe halbe Minute dahinter entschied Teamkollege Brennan den Sprint der Verfolger für sich und rundete damit den perfekten Tag für das Visma-Team ab, drei Minuten hinter van Aert kam die Favoritengruppe um Mas, Roglic und Mas ins Ziel.

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