“Alles kann passieren und wir werden es versuchen“

Roglic im Vuelta-Zeitfahren erst nicht gut und dann immer müder

Von Kevin Kempf

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Primoz Roglic (Red Bull - Bora - hansgrohe) auf dem Weg zu Platz vier auf der 18. Etappe der Vuelta a Espana. | Foto: Cor Vos

10.09.2026  |  (rsn) – Fast hätte es nach Jakob Omrzel (Bahrain Victorious) einen zweiten Neoprofi gegeben, der bei dieser Vuelta a Espana eine Etappe gewonnen hätte. Nur zwei Sekunden fehlten Callum Thornley (Red Bull – Bora – hansgrohe) nach 32,1 Kilometern in Jerez de la Frontera auf den Tagessieger Stefan Küng (Tudor). In den Gesprächen nach dem Rennen ging es trotzdem nicht um den Schotten, sondern um seinen slowenischen Teamkollegen Primoz Roglic.

Der wurde Vierter und war damit der Beste der Klassementfahrer. Trotzdem dürfte Enttäuschung dominiert haben, auch wenn das so nicht geäußert wurde. Vor dem Rennen spekulierte Red Bulls Head of Engineering, Dan Bigham, gegenüber Eurosport über einen Zeitgewinn von eineinhalb Minuten von Roglic auf den Gesamtführenden Enric Mas (Movistar). Am Ende war es lediglich gut ein Drittel dieser Hochrechnung, nämlich 33 Sekunden. Das lag weniger am Tagesvierten als vielmehr am Spanier, der als Zwölfter eine ausgesprochen starke Leistung darbot.

Doch auch das Rennen von Roglic lief nicht komplett nach Plan. "Beim Start fühlte ich mich nicht gut, Richtung Ziel wurde ich dann immer müder“, erklärte er am Eurosport-Mikrofon. Dafür hatte er aber auch eine schlüssige Erklärung, seinen Trainingssturz Ende Juli. “Wenn man bedenkt, wie ich in diese Vuelta gestartet bin, mit absolut null Stunden Vorbereitung auf dem Zeitfahrrad, habe ich heute ein richtig gutes Zeitfahren abgeliefert. Ich bin also definitiv superglücklich damit“, urteilte er.

Gutes Zeitfahren, das nicht hilft

Der Sportliche Leiter Patxi Vila schlug bei Eurosport in die gleiche Kerbe. “Sowohl Primoz als auch Callum haben ein sehr gutes Zeitfahren absolviert […] und damit muss man zufrieden sein“, sagte der Spanier. Der nächste Gesamterfolg des vierfachen Vuelta-Siegers scheint damit aber in weite Ferne gerückt zu sein. Roglic schob sich zwar an Felix Gall (Decathlon – CMA CGM) vorbei auf Position zwei im Klassement, den Rückstand auf Mas konnte er allerdings nur auf 1:37 Minuten verkürzen. Bei zwei noch ausstehenden Bergetappen wäre das sicherlich machbar, hätte Mas bergauf nicht bislang den deutlich stärkeren Eindruck hinterlassen.

So traf auch Roglic eine realistische, aber einigermaßen niederschmetternde Analyse: “Sie haben mir den Stand im Klassement gezeigt, aber es (das Ergebnis, d.Red.) hilft mir eigentlich nicht weiter“, bilanzierte er, bevor er sich in der bekannten Roglic-Philosophie übte: “Ich habe alles auf der Straße gelassen. Manchmal liegt man etwas weiter vorn, manchmal etwas weiter zurück, aber am Ende kann ich mich glücklich schätzen, dass ich Zeit gutgemacht und nicht wie bei den meisten Etappen dieser Vuelta Zeit verloren habe."

Noch zwei schwere Bergetappen

Ein freundlicheres Fazit zog Vila. “Wenn man uns vor dieser Vuelta gesagt hätte, dass wir nach diesem Zeitfahren dort stehen werden, wo wir jetzt stehen, dann hätte ich das sofort unterschrieben. Man muss also zufrieden sein und die Dinge optimistisch sehen.“ Optimistisch probierte letztendlich auch Roglic nach vorn zu gucken: “Es gibt noch zwei sehr harte Etappen, auf denen alles passieren kann, und wir werden es versuchen“, kündigte er an.

Am Freitag heißt das konkret, dass das Vuelta-Peloton zum Penas Blancas geschickt wird, wo nach 211 Kilometern der Zielstrich gezogen wird. Aufgrund des eher leichten Profils mit zwei Bergwertungen der 2. Kategorie vor dem schweren Schlussanstieg, gehen die Blicke vielerorts aber schon auf Samstag. Auf den 187 Kilometern zwischen La Calahorra und der Zielankunft auf dem Collado del Alguacil (HC) warten drei Bergwertungen der 1. Kategorie und eine der dritten.

Es geht den ganzen Tag rauf und runter – auf einen frühen Angriff muss man aber eher von Gall und Richard Carapaz (EF Education – EasyPost) hoffen, wenn man Roglic glauben darf. “Wir werden jetzt nicht alles riskieren, aber ja, wir werden versuchen, die Vuelta zu gewinnen, und mal sehen, ob wir dazu in der Lage sind”, erzählte er etwas kryptisch.

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