Piganzoli trotz Gelber Karte neuer Führender

Behrens wird bei Reinderinks Luxemburg-Coup starker Siebter

Von Paul Grosch

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Pepijn Reinderink (Soudal - Quick-Step) hat die 3. Etappe der Tour de Luxembourg gewonnen. | Foto: Cor Vos

18.09.2026  |  (rsn) – Pepijn Reinderink (Soudal – Quick-Step) hat auf der 3. Etappe der Skoda Tour de Luxembourg (2. Pro) seinen ersten Profisieg gefeiert. Der 24-jährige Niederländer war der letzte Überlebende der frühen Gruppe des Tages und gewann nach 179,6 Kilometern von Wiltz nach Diekirch in einer Solo-Fahrt.

Knapp dahinter wurde Davide Piganzoli (Visma – Lease a Bike) nach einer taktischen Meisterleistung seines Teams und vor allem persönlicher starker Aufholjagd auf den zwei je 13 Kilometer langen Schlussrunden Etappenzweiter und sicherte sich zudem die Führung in der Gesamtwertung. Sein nun schärfster Verfolger ist Thomas Gachignard (TotalEnergies), der zeitgleich mit Piganzoli als Dritter über die Linie fuhr.

Auf dem schweren Parcours mit über 3.000 Höhenmetern entwickelte sich bereits früh ein unterhaltsames, von Attacken geprägtes Rennen. Etwa 70 Kilometer vor dem Ziel konnten sich mehrere Verfolgergruppen aus dem Peloton absetzen, worauf dieses mit den Favoriten um Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) zunächst keine Antwort hatte.

Auf dem abschließenden Rundkurs attackierte schließlich Sören Kragh Andersen (Lidl – Trek) aus dem Hauptfeld heraus. Ihm folgte Piganzoli und der Italiener schüttelte den Dänen schließlich an einer der zahlreichen kurzen, steilen Rampen im Finale ab. Anschließend wurde Piganzoli von mehreren aus der Spitzengruppe abgehängten Teamkollegen unterstützt, um sich bis nach fast ganz vorne zu hangeln. Einzig Reinderink rettete sich an der letzten Bergwertung knapp vor dem Italiener über die Kuppe und war auf der technischen Abfahrt ins Ziel nicht mehr einzuholen.

"Ich habe mich heute unglaublich gut gefühlt", sagte ein überwältigter Reinderink im Siegerinterview. "Solche Tage hat man nicht oft. Ich glaube, das war heute mein bester Tag auf dem Rad." Der Niederländer setzte seine entscheidende Attacke bereits am vorletzten Anstieg und setzte sich von seinen zwei Begleitern, Gachignard und Igor Arrieta (UAE – Emirates – XRG) ab. "In dem Moment habe ich einfach gespürt, dass ich attackieren sollte. Ich hatte etwas Angst, mit diesen zwei Fahrern ins Finale zu gehen."

Am letzten Anstieg musste der Quick-Step-Fahrer dann noch einmal kurz zittern, weil hinter ihm Piganzoli die Verfolger einholte. Doch der Italiener konnte die Lücke gemeinsam mit Gachignard und dessen Teamkollegen Mattéo Vercher nicht mehr ganz schließen. “Ich musste es heute im Solo schaffen. Ich wusste, dass ich es heute schaffen konnte. Solche Beine muss man einfach nutzen“, erklärte Reinderink, bevor es ihm – angesprochen auf seinen ersten Profisieg – die Stimme verschlug.

Behrens mischt das Profi-Peloton weiter auf

Eine weitere herausragende Vorstellung lieferte Eike Behrens (Lotto – Kern-Haus – Outlet Montabaur). Der 21-jährige Hamburger hatte wieder einmal den richtigen Riecher und konnte mit einigen Begleitern zur Spitzengruppe auffahren. Dort hielt er bis weit ins Finale mit und wurde am Ende mit 23 Sekunden Rückstand Etappensiebter. Erst am letzten Anstieg vier Kilometer vor Schluss musste er Piganzoli und Co. ziehen lassen.

Auch in der Gesamtwertung ist Behrens auf Rang acht bester Deutscher (+ 0:58). Aus deutscher Sicht zeigte sich zudem Nils Politt (UAE – Emirates – XRG) wieder einmal in Angriffslaune. Der Hürther sammelte fleißig Bergpunkte und wurde als aktivster Fahrer des Tages ausgezeichnet, hatte mit dem Etappenausgang aber nichts mehr zu tun.

Piganzoli, Arrieta und Behrens bekommen Gelbe Karte

Der neue Gesamtführende Piganzoli geht mit einem Vorsprung von nur sechs Sekunden auf Gachignard in das morgige Zeitfahren. Er bekam von der Jury aufgrund einer irregulären Sitzposition auf dem Rad eine Gelbe Karte sowie 15 UCI-Punkte Abzug. Mit derselben Strafe wurden auch Arrieta und Behrens belegt. Vercher liegt nur drei Sekunden weiter zurück. Auch Arrieta (+ 0:18), Aurelien Paret-Peintre (Decathlon – CMA CGM / + 0:32), Sam Oomen (Lidl – Trek / + 0:46), Tijmen Graat (Visma – Lease a Bike / + 0:47) und Behrens (+ 0:58) sind vor dem 20 Kilometer langen Einzelzeitfahren am Samstag noch in Reichweiter.

Der bisherige Führende van den Berg und Top-Favorit van der Poel dagegen kamen im Hauptfeld mit mehr als sieben Minuten Rückstand ins Ziel und haben mit dem Gesamtsieg folglich nichts mehr zu tun. In der Punktewertung liegt van den Berg jedoch weiter vorne. Etappensieger Reinderink übernimmt zudem das Bergtrikot, Politt liegt jedoch nur drei Punkte hinter dem Niederländer. Piganzolis Weißes Trikot des besten Nachwuchsfahrers trägt im Zeitfahren stellvertretend Vercher. Eine starke Mannschaftsleistung beförderte TotalEnergies an die Spitze der Teamwertung.

So lief die 3. Etappe der Luxembourg-Rundfahrt

In einer hektischen Anfangsphase versuchte EF Education – EasyPost, das Team des Gesamtführenden van den Berg, die Kontrolle zu behalten. An der ersten Bergwertung des Tages, dem Um Knupp, gab es bereits einige Attacken der Favoriten um van der Poel und Per Strand Hagenes (Visma – Lease a Bike). Immer wieder wurde das Peloton in mehrere kleine Gruppen zerrissen. Zwischenzeitlich konnten sich fast 20 Fahrer absetzen.

Nach etwa 35 Kilometern bildete sich dann die Gruppe des Tages, die aus Politt, Reinderink und Gil Gelders (beide Soudal – Quick-Step), Noah Ramsay (Alpecin – Premier Tech), Antoine L’Hote (Decathlon – CMA CGM), Pietro Mattio (Visma – Lease a Bike), Christiaan van der Lee (EF Education – EasyPost), Leo Hayter (Modern Adventure) und Tao Geoghegan Hart (Lidl – Trek) bestand. Somit hatten die meisten Teams der GC-Favoriten einen Fahrer in der Ausreißergruppe.

Das Streckenprofil der 3. Etappe bei der Tour de Luxembourg. | Grafik: Veranstalter

Dahinter hielt EF Education – EasyPost den Abstand bei etwas mehr als zwei Minuten. Reinderink war der bestplatzierte Ausreißer mit einem Rückstand von 1:38 Minuten. Politt gewann die Bergwertung am Montée de Knaphoscheid. Rund 70 Kilometer vor dem Ziel hatte die Gruppe einen Vorsprung von fast drei Minuten. Van der Lee war aus der Spitzengruppe bereits ins Hauptfeld zurückgefallen. Bei der zweiten Überquerung des Anstiegs Um Knupp – nach zwei Schleifen zurück im Startort Wiltz - erhöhte Visma – Lease a Bike im Peloton das Tempo und dünnte das Hauptfeld deutlich aus.

Auch der Träger des Bergtrikots, Conrad Haugsted (ColoQuick), fiel zurück. Der Abstand zur Spitze wurde deutlich kleiner. Nach einigen Attacken konnte sich auf dem folgenden Plateau ein Trio aus Gauthier Servranckx (Soudal – Quick-Step) mit Graat und Vercher vom Hauptfeld absetzen. Kurz darauf folgten ihnen auch Lukas Nerurkar (EF Education – EasyPost), Oomen, Paret-Peintre, Gachignard, Arrieta und Timo Kielich (Visma – Lease a Bike) sowie Behrens.

Viele Teams, die nun in der Ausreißer- oder Verfolgergruppe vertreten waren, stellten die Nachführarbeit im Peloton ein. Van der Poel hatte zudem fast keine Teamkollegen mehr übrig. Etwa 43 Kilometer vor dem Ziel schloss die Verfolgergruppe nach ganz vorne auf. Somit befanden sich 19 Fahrer an der Spitze. Etwas mehr als zwei Minuten dahinter versuchte EF Education – EasyPost den Abstand zunächst noch in Grenzen zu halten. Am unkategorisierten Anstieg zu Beginn des zwei Mal zu fahrenden 13-Kilometer-Rundkurses um Diekirch fielen Politt, Mattio und drei weitere Fahrer zurück.

Piganzoli fährt auf den Schlussrunden aus dem Feld nach vorne

Auf den teils engen Straßen der Anstiege attackierten sich die Fahrer in der Spitzengruppe immer wieder, ohne den entscheidenden Unterschied zu machen. Unterdessen griff eingangs der zwei Schlussrunden aus dem Hauptfeld Kragh Andersen mit Piganzoli am Hinterrad an. Weitere fünf Kilometer später ließ der junge Italiener den Dänen stehen und schloss zu seinem Teamkollegen Mattio auf. Der hatte sich aus der Spitzengruppe zurückfallen lassen und machte für Piganzoli nun Tempo. Mit Kielich bot sich ihm kurz darauf eine weitere Relaisstation.

Das Hauptfeld mit den restlichen Favoriten um van der Poel lag zu diesem Zeitpunkt schon mehr als drei Minuten zurück und begab sich in vergleichsweise gemächlichem Tempo auf die Schlussrunde. Am Montée de Haemerich, etwa 17 Kilometer vor dem Ziel, attackierte Reinderink. Kurz darauf schlossen zu Beginn der Schlussrunde Arrieta und Gachignard auf. Die Verfolger, zu denen weiterhin auch Behrens gehörte, lagen etwa 20 Sekunden zurück. Piganzoli konnte am unkategorisierten Anstieg kurz nach der zweiten Zieldurchfahrt zu diesen Verfolgern aufschließen.

Teamkollege Graat spannte sich vor die Gruppe und begann, den Abstand zum Spitzen-Trio zu verkleinern. Am steilen Montée de Seitert attackierte Piganzoli erneut, während Reinderink seine Begleiter an der Spitze, Arrieta und Gachignard, hinter sich lassen konnte. Behrens konnte Piganzoli folgen und war nun mit ihm sowie Vercher, Oomen, Nerurkar, Paret-Peintre, Gachignard und Arrieta Teil der Verfolgergruppe hinter Reinderink.

Bei der dritten Überfahrt des Montée de Haemerich musste der Deutsche dann jedoch etwas abreißen lassen. Piganzoli attackierte zum wiederholten Male und fuhr zusammen mit dem TotalEnergies-Duo aus Gachignard und Vercher über die Bergwertung. Doch Reinderink hielt seinen Vorsprung auf der Abfahrt und konnte bereits frühzeitig mit dem Jubeln beginnen. Piganzoli überquerte eine Sekunde später mit Gachignard am Hinterrad die Ziellinie, sicherte sich somit sechs Bonussekunden und trotz seiner anschließenden Zeitstrafe die Gesamtführung. Behrens sprintete am Ende auf den siebten Etappenrang.

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