Titelverteidiger rechnet mit engem WM-Duell

Evenepoel: “Ganna ist neben mir Topfavorit“

Von Paul Grosch

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Gute gelaunt vor dem WM-Zeitfahren von Montréal: Remco Evenepoel | Foto: Cor Vos

19.09.2026  |  (rsn) – Am Freitag besichtigte auch Top-Favorit Remco Evenepoel die WM-Zeitfahrstrecke von Montréal. Der Belgier zeigte sich nicht ganz zufrieden mit dem 39,2-Kilometer langen Kurs und erwartet einen engeren Kampf gegen die Uhr als noch bei seinem dritten Titelgewinn im vergangenen Jahr in Kigali. 

Ralph Denk hingegen, sein Teamchef bei Red Bull - Bora - hansgrohe, ist davon überzeugt, dass Evenepoel einen neuen Rekord von vier WM-Siegen in Serie aufstellen wird und will darüber hinaus seinen Starfahrer mit Blick auf das Straßenrennen am 27. September mit einer kleinen Wette extra motivieren.

“Sie hätten die Strecke vielleicht etwas länger gestalten können“, sagte der Tour-Zweite nach seinem Recon gegenüber Sporza. “Angesichts des flachen Terrains hätte man die Distanz vielleicht etwas verlängern können.“ Außerdem hätte er sich mehr Zeit für die Besichtigung gewünscht. “Es ist ärgerlich, dass wir nur zwei Stunden Zeit haben, vor allem bei so einer großen 40-Kilometer-Runde.“

Einen Nachteil für sich selbst sieht Evenepoel dabei jedoch nicht. “Zum Glück gilt das für alle. Das ist der Vorteil“, bemerkte der 26-Jährige. Einen ähnlich souveränen Durchmarsch wie auf dem deutlich anspruchsvolleren WM-Kurs in Kigali erwartet Evenepoel dennoch nicht. “Es wird spannender als letztes Jahr“, sagte er voraus. Die größte Gefahr sieht er dabei durch den Zeitfahrweltmeister von 2020 und 2021.

“Filippo Ganna ist neben mir Topfavorit“, schätzte er die Rollenverteilung ein. “Er ist jemand, der auf den letzten zwei, drei Kilometern sehr stark aufdrehen kann, angesichts seiner Erfahrung bei der Titeljagd. Das wird gefährlich.“ Ganna verzichtete im vergangenen Jahr auf die Weltmeisterschaften. Auf dem ebenfalls größtenteils flachen Kurs von Zürich 2024 musste sich der Italiener um lediglich sechs Sekunden Evenepoel geschlagen geben und wie 2024 mit Silber zufrieden sein.

Das Ziel der Zeitfahrstrecke ist identisch mit dem des Straßenrennens oder beim Grand Prix de Montréal, die letzten 400 Meter führen mit 6,1 Prozent bergauf. Genau da sieht Evenepoel einen Vorteil im Vergleich zu den schwereren Fahrern wie eben Ganna oder auch den Schweizer Stefan Küng (Tudor).

“Es ist ein etwas dummer Vergleich, aber beim GP Montréal konnte ich dort einen Rückstand von 15 Sekunden aufholen“, rechnete er vor. “Das zeigt, dass man noch Boden gutmachen kann, wenn man noch etwas Reserven hat. In diesem Abschnitt habe ich aufgrund meines Gewichts einen Vorteil, aber ich hoffe, dass es nicht darauf ankommt.“

Evenepoel geht jenseits aller Rechenspiele voller Selbstvertrauen in das Zeitfahren. “Wenn man das Trikot einmal hat, will man es nicht mehr hergeben“, kündigte er an. “Es ist ein Ansporn, jedes Mal um das Trikot zu kämpfen. Wenn man die Europameisterschaft und die nationale Meisterschaft auslässt, hat man nur noch dieses eine Trikot, um das man spielen kann", sagte er mit Blick auf sein Rennprogramm. 

Denk hat kaum Zweifel, dass Evenepoel erneut triumphieren wird. Der Raublinger blickte stattdessen bereits auf das Straßenrennen eine Woche später voraus und will seinen Superstar dabei noch etwas kitzeln. Im Falle eines Sieges würde er sich ein Tattoo mit den Initialen des Belgiers tätowieren lassen. “An meinem rechten Bein ist noch Platz, aber es liegt an Remco, sich zu trauen“, sagte Denk in einem Gespräch gegenüber Het Laatste Nieuws.

Denk startet wieder eine Tattoo-Wette

Die gleiche Wette war er bereits bei der WM 2017 im norwegischen Bergen eingegangen. Sein Wettpartner damals war Superstar Peter Sagan. “Am Morgen des Straßenrennens trafen wir eine Abmachung“, erzählte Denk. “Wenn er nicht gewinnt, kommt mein Name auf sein Bein. Wenn er gewinnt, muss ich mir seinen Namen auf das Bein tätowieren.“ Der Slowake ließ sich nicht zweimal bitten und machte seinen Hattrick an Weltmeistertiteln auf der Straße perfekt.

Denk musste unter die Nadel. “Peter hatte schon viele Tattoos, ich hatte noch keins. Fünf Tage später fuhr ich zum Skifahren, und mit so einem frischen Tattoo ist das in den Skischuhen nicht gerade empfehlenswert, aber ich hielt Wort“, so Denk, der vielsagend andeutete. “Es ist immer noch mein einziges Tattoo.“ 

Mit Blick auf Evenepoels Zeitfahrkünste stellte Denk jedoch klar: “Ich würde es allerdings nur für einen Weltmeistertitel im Straßenrennen tun. Für das Zeitfahren wette ich nicht mit Remco, dafür ist so ein Tattoo viel zu schmerzhaft.“

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